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	<title>Kommentare zu: Werther und Medien</title>
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	<description>Michalis Pantelouris über das Drucken von Wörtern und Bildern auf Papier für Geld</description>
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		<title>Von: mikis</title>
		<link>http://print-wuergt.de/2009/11/17/werther-und-medien/comment-page-1/#comment-389</link>
		<dc:creator>mikis</dc:creator>
		<pubDate>Thu, 19 Nov 2009 19:32:07 +0000</pubDate>
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		<description>@Jürgen Ich könnte nicht mehr einer Meinung mit dir sein, und viele der Geschichten kenne ich ähnlich, sie geben sicher ein stimmiges Bild ab. Bis auf, wie gesagt, den einen Punkt sind wir uns einig und wollen wahrscheinlich auch das gleiche. Mir liegen die vier Millionen Kranken am Herzen. m Gegensatz zu dir glaube ich, dass mehr Betroffenen durch die Berichterstattung geholfen als geschadet wurde, weil ich weiß, dass viele Depressive an dem Gefühl leiden, Versager zu sein und die einzigen, denen es so geht. Aber wie dem auch sei: gerade wiel Niggemeier in der Lage ist, die Argumentation mit dem Florett zu führen, stört mich die Hammermethode mit der konstruierten Inkaufnahme von Toten durch die Berichterstattung (wäre er nicht normalerweise so gut hätten wir auch hier nicht so ausführlich diskutiert, nehme ich an). Was aber nichts daran ändert: Für den Journalismus ist das keine gute Zeit. Obwohl es die sein könnte. Stefan Niggemeier gehört ja auch zu denen, die vormachen, wie weit private Initiative reichen kann und wie viel Einfluss so ein Blog gewinnen kann.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>@Jürgen Ich könnte nicht mehr einer Meinung mit dir sein, und viele der Geschichten kenne ich ähnlich, sie geben sicher ein stimmiges Bild ab. Bis auf, wie gesagt, den einen Punkt sind wir uns einig und wollen wahrscheinlich auch das gleiche. Mir liegen die vier Millionen Kranken am Herzen. m Gegensatz zu dir glaube ich, dass mehr Betroffenen durch die Berichterstattung geholfen als geschadet wurde, weil ich weiß, dass viele Depressive an dem Gefühl leiden, Versager zu sein und die einzigen, denen es so geht. Aber wie dem auch sei: gerade wiel Niggemeier in der Lage ist, die Argumentation mit dem Florett zu führen, stört mich die Hammermethode mit der konstruierten Inkaufnahme von Toten durch die Berichterstattung (wäre er nicht normalerweise so gut hätten wir auch hier nicht so ausführlich diskutiert, nehme ich an). Was aber nichts daran ändert: Für den Journalismus ist das keine gute Zeit. Obwohl es die sein könnte. Stefan Niggemeier gehört ja auch zu denen, die vormachen, wie weit private Initiative reichen kann und wie viel Einfluss so ein Blog gewinnen kann.</p>
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		<title>Von: Jürgen</title>
		<link>http://print-wuergt.de/2009/11/17/werther-und-medien/comment-page-1/#comment-387</link>
		<dc:creator>Jürgen</dc:creator>
		<pubDate>Thu, 19 Nov 2009 15:39:50 +0000</pubDate>
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		<description>@mikis Die Diskussion mag geführt sein, den Faden noch einmal aufzunehmen, scheint aber notwendig. Wann, wenn nicht jetzt? Soll man warten, bis sich der erste Schnee des Vergessens über die mediale Berichterstattung gelegt hat?
Journalismus ohne Tabus, immer der Wahrhaftigkeit verpflichtet. Welch hehres Ansinnen.  Da ist aber noch der Pressekodex, der ein wenig Orientierung geben sollte. Aber dem steht wohl die Realität entgegen.
Wie schon geschrieben, die Medien bestehen nicht nur aus Journalisten. Die können, insbesondere wenn sie sich als Freie durch den Alltag schlagen, sich den Luxus der Wahrhaftigkeit auch gar nicht immer leisten. 
Vor einiger Zeit übernahm ich den Auftrag, eine Restaurantkritik zu schreiben. Veröffentlicht wurde sie allerdings nicht. Der Betreiber war ein Werbekunde des Verlags, das Medium, wie ich per Mail erfuhr, kein „Nörgel-Magazin“. Immerhin, die Redaktion hat die Rechnung übernommen. Irgendwann traf ich in geselliger Runde auf den Redakteur einer Lokalzeitung. Alsbald beklagte er sich. Nicht etwa wegen der Arbeitsbedingungen. Nein, weil alles wofür man sich in der Vergangenheit medial eingesetzt hätte, nun „den Bach runtergeht.“ In diese Kategorie gehört auch der Fall eines Freundes. Gemeinsam mit einem Kollegen hatte er die Geschichte eines Netzwerkes, welches ein öffentliches Unternehmen über Jahre zum eigenen Vorteil finanziell ausweidete, veröffentlicht. Daraufhin berichtete auch die Regionalzeitung. Die hatte allerdings nur positive Nachrichten über das Unternehmen zu verkünden. Dieser Tage erhielt ich die Mail einer Redakteurin, „entschuldige die verspätete Antwort, es war zuletzt ein bisschen chaotisch hier. Ich finde den Text trotzdem schön und würde ihn in den nächsten Tagen noch mitnehmen... kann allerdings leider kein Honorar zahlen, ich hoffe,...es ist okay für Dich“. Diese chaotischen Tage beschreiben einen Zeitraum von drei Wochen. Zwischenzeitlich fand sich aber noch ein Abnehmer. Der „Gewinn“, nach Abzug der reinen Recherchekosten (die Geschichte spielte an zwei Orten), entspricht in etwa dem Alg-2 Tagesatz. Das gehört eben auch zur Realität.
Hört man sich im Kollegenkreis um, können viele von ähnlichen Erfahrungen berichten. Schreibende Praktikanten, Schüler, Studenten und Rentner stehen vielfach in direkter Konkurrenz zu Berufskollegen. Zudem sinken die Honorare stetig. Bisweilen verfallen unter diesen Bedingungen auch die guten Sitten zwischen den Kollegen. Vor einiger Zeit erhielt ich die Mail einer Redaktion. Eine Kollegin, mit der ich bis dahin gelegentlich zusammengearbeitet hatte, wies darauf hin, dass in einem veröffentlichten Artikel unrichtige Tatsachenbehauptungen aufgestellt worden seien. Früher hätte man sich gegenseitig darauf aufmerksam gemacht und direkt nachgefragt. Heute nimmt man den Weg über Dritte und kratzt somit ein wenig am Lack der Kollegen. Übrigens, die Kollegin hatte sich geirrt. Obgleich nicht aus dem Elfenbeinturm kommend, finde ich Niggemeiers Kritik zutreffend und berechtigt. Denn es geht nicht um kritisierte Künstler, Autofahrer oder sonstige Personen, es geht bei dieser Art Berichterstattung um die Wirkung auf psychisch Erkrankte, immerhin ein Personenkreis von ca. 4 Mio. Der Dissens über die Verantwortung der Medien wird wohl bleiben.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>@mikis Die Diskussion mag geführt sein, den Faden noch einmal aufzunehmen, scheint aber notwendig. Wann, wenn nicht jetzt? Soll man warten, bis sich der erste Schnee des Vergessens über die mediale Berichterstattung gelegt hat?<br />
Journalismus ohne Tabus, immer der Wahrhaftigkeit verpflichtet. Welch hehres Ansinnen.  Da ist aber noch der Pressekodex, der ein wenig Orientierung geben sollte. Aber dem steht wohl die Realität entgegen.<br />
Wie schon geschrieben, die Medien bestehen nicht nur aus Journalisten. Die können, insbesondere wenn sie sich als Freie durch den Alltag schlagen, sich den Luxus der Wahrhaftigkeit auch gar nicht immer leisten.<br />
Vor einiger Zeit übernahm ich den Auftrag, eine Restaurantkritik zu schreiben. Veröffentlicht wurde sie allerdings nicht. Der Betreiber war ein Werbekunde des Verlags, das Medium, wie ich per Mail erfuhr, kein „Nörgel-Magazin“. Immerhin, die Redaktion hat die Rechnung übernommen. Irgendwann traf ich in geselliger Runde auf den Redakteur einer Lokalzeitung. Alsbald beklagte er sich. Nicht etwa wegen der Arbeitsbedingungen. Nein, weil alles wofür man sich in der Vergangenheit medial eingesetzt hätte, nun „den Bach runtergeht.“ In diese Kategorie gehört auch der Fall eines Freundes. Gemeinsam mit einem Kollegen hatte er die Geschichte eines Netzwerkes, welches ein öffentliches Unternehmen über Jahre zum eigenen Vorteil finanziell ausweidete, veröffentlicht. Daraufhin berichtete auch die Regionalzeitung. Die hatte allerdings nur positive Nachrichten über das Unternehmen zu verkünden. Dieser Tage erhielt ich die Mail einer Redakteurin, „entschuldige die verspätete Antwort, es war zuletzt ein bisschen chaotisch hier. Ich finde den Text trotzdem schön und würde ihn in den nächsten Tagen noch mitnehmen&#8230; kann allerdings leider kein Honorar zahlen, ich hoffe,&#8230;es ist okay für Dich“. Diese chaotischen Tage beschreiben einen Zeitraum von drei Wochen. Zwischenzeitlich fand sich aber noch ein Abnehmer. Der „Gewinn“, nach Abzug der reinen Recherchekosten (die Geschichte spielte an zwei Orten), entspricht in etwa dem Alg-2 Tagesatz. Das gehört eben auch zur Realität.<br />
Hört man sich im Kollegenkreis um, können viele von ähnlichen Erfahrungen berichten. Schreibende Praktikanten, Schüler, Studenten und Rentner stehen vielfach in direkter Konkurrenz zu Berufskollegen. Zudem sinken die Honorare stetig. Bisweilen verfallen unter diesen Bedingungen auch die guten Sitten zwischen den Kollegen. Vor einiger Zeit erhielt ich die Mail einer Redaktion. Eine Kollegin, mit der ich bis dahin gelegentlich zusammengearbeitet hatte, wies darauf hin, dass in einem veröffentlichten Artikel unrichtige Tatsachenbehauptungen aufgestellt worden seien. Früher hätte man sich gegenseitig darauf aufmerksam gemacht und direkt nachgefragt. Heute nimmt man den Weg über Dritte und kratzt somit ein wenig am Lack der Kollegen. Übrigens, die Kollegin hatte sich geirrt. Obgleich nicht aus dem Elfenbeinturm kommend, finde ich Niggemeiers Kritik zutreffend und berechtigt. Denn es geht nicht um kritisierte Künstler, Autofahrer oder sonstige Personen, es geht bei dieser Art Berichterstattung um die Wirkung auf psychisch Erkrankte, immerhin ein Personenkreis von ca. 4 Mio. Der Dissens über die Verantwortung der Medien wird wohl bleiben.</p>
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		<title>Von: mikis</title>
		<link>http://print-wuergt.de/2009/11/17/werther-und-medien/comment-page-1/#comment-386</link>
		<dc:creator>mikis</dc:creator>
		<pubDate>Thu, 19 Nov 2009 12:43:10 +0000</pubDate>
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		<description>@Jürgen Ich muss nochmal sagen, wie dankbar ich für die Diskussion bin: vielen dank für die ausführlichen Argumente und Gedanken, entschuldige, dass ich wieder vom tippfehlerverdächtigen Handy antworte. Aber zum Thema: Niggemeier erwartet offenbar mitten in der spektakulärsten Geschichte zumindest der letzte Monate ein Innehalten der Redaktionen, um gemeinsam eine Ethikdiskussion noch einmal zu führen, die bereits geführt ist und in ratschlagen des presserates gemündet hat (die hier wie besprochen nicht greifen), oder aber die Übernahme von Empfehlungen eines Interessenverbandes. Eines ganz tollen Verbandes, aber trotzdem. Beide Ideen Ehren jeden, der gegen Suizide arbeiten und etwas bewegen will, aber im Prinzip keinen journalisten. Als journalist habe ich meine Seite gewählt, und das ist die der offenen Information, nicht die der geführten Information. Ich habe schon gesagt, dass ich die generelle suizidausnahme jenseits des zeitgeschichtlichen Ereignisses befürworte, aber das greift hier nicht. Wer journalist werden will, dabei aber nicht damit leben, dass seine öffentlichen Artikel oder Sendungen folgen in der Realität haben ist im falschen Job. Insofern kann mannjedes bisschen Journalismus in Menschenleben aufwiegen, und wer weiß wie viele Künstler sich nicht umgebracht hätten, wenn die Kritiken besser gewesen wären. Noch einmal: die Berichterstattung zu Robert Enkes Tod war kein glanzstück. Aber das nicht deshalb, weil sie den Empfehlungen einer Gesellschaft zur suizidprävention nicht entsprochen hat. Das zu behaupten und den Kollegen dabei fahrlässige Tötung vorzuwerfen (allen außer denen, bei denen man zufällig anfestellt ist natürlich) finde ich grauenhaft schlechten Stil. Falsch ist es außerdem. Also: das Argument, dass diese berichterstattung in Menschenleben abzurechnen ist ist dann statthaft, wenn wir absolut jede handlung in Menschenleben aufwiegen. Dann muss man ehrlicherweise auch sagen: wer so über Enkes Tod berichtet ist fast so ein Schwein wie jemand, der mit dem Auto zur Arbeit fährt und dadurch Menschen gefährdet. Wenn das plötzlich das Argument ist, dann meinetwegen. Aber Niggemeier ist hier weit, weit weg von jeder realistischen Art, Journalismus zu machen. Das aber mit dem Ton moralischer Überlegenheit. Uncool.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>@Jürgen Ich muss nochmal sagen, wie dankbar ich für die Diskussion bin: vielen dank für die ausführlichen Argumente und Gedanken, entschuldige, dass ich wieder vom tippfehlerverdächtigen Handy antworte. Aber zum Thema: Niggemeier erwartet offenbar mitten in der spektakulärsten Geschichte zumindest der letzte Monate ein Innehalten der Redaktionen, um gemeinsam eine Ethikdiskussion noch einmal zu führen, die bereits geführt ist und in ratschlagen des presserates gemündet hat (die hier wie besprochen nicht greifen), oder aber die Übernahme von Empfehlungen eines Interessenverbandes. Eines ganz tollen Verbandes, aber trotzdem. Beide Ideen Ehren jeden, der gegen Suizide arbeiten und etwas bewegen will, aber im Prinzip keinen journalisten. Als journalist habe ich meine Seite gewählt, und das ist die der offenen Information, nicht die der geführten Information. Ich habe schon gesagt, dass ich die generelle suizidausnahme jenseits des zeitgeschichtlichen Ereignisses befürworte, aber das greift hier nicht. Wer journalist werden will, dabei aber nicht damit leben, dass seine öffentlichen Artikel oder Sendungen folgen in der Realität haben ist im falschen Job. Insofern kann mannjedes bisschen Journalismus in Menschenleben aufwiegen, und wer weiß wie viele Künstler sich nicht umgebracht hätten, wenn die Kritiken besser gewesen wären. Noch einmal: die Berichterstattung zu Robert Enkes Tod war kein glanzstück. Aber das nicht deshalb, weil sie den Empfehlungen einer Gesellschaft zur suizidprävention nicht entsprochen hat. Das zu behaupten und den Kollegen dabei fahrlässige Tötung vorzuwerfen (allen außer denen, bei denen man zufällig anfestellt ist natürlich) finde ich grauenhaft schlechten Stil. Falsch ist es außerdem. Also: das Argument, dass diese berichterstattung in Menschenleben abzurechnen ist ist dann statthaft, wenn wir absolut jede handlung in Menschenleben aufwiegen. Dann muss man ehrlicherweise auch sagen: wer so über Enkes Tod berichtet ist fast so ein Schwein wie jemand, der mit dem Auto zur Arbeit fährt und dadurch Menschen gefährdet. Wenn das plötzlich das Argument ist, dann meinetwegen. Aber Niggemeier ist hier weit, weit weg von jeder realistischen Art, Journalismus zu machen. Das aber mit dem Ton moralischer Überlegenheit. Uncool.</p>
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		<title>Von: Jürgen</title>
		<link>http://print-wuergt.de/2009/11/17/werther-und-medien/comment-page-1/#comment-385</link>
		<dc:creator>Jürgen</dc:creator>
		<pubDate>Thu, 19 Nov 2009 11:04:17 +0000</pubDate>
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		<description>@mikis Niggemeier schreibt doch nicht, dass es keine Berichterstattung geben soll. Es geht ihm um die Art und Weise, die Du doch ebenfalls kritisierst. Die Kritik Niggemeiers richtet sich auch nicht explizit an die Journalisten. Vielmehr geht es ihm um den Umgang der Medien mit dem Thema. Journalisten sind nun eben mal Teil der Medien. Insoweit umfasst seine Kritik auch jene, aber nicht ausschließlich nur diese. Journalisten selbst schielen doch am wenigsten auf die Quote. In den meisten Fällen wollen sie doch einfach nur gute Geschichten veröffentlichen. Vor der Veröffentlichung steht aber noch die Redaktion und dahinter der Verlag. Ab dieser Ebene geht es um die Quote. Letzlich können Journalisten als schwächsten Glied der Kette, viele andere stehen doch schon vor der Tür, sich diesem Auflagen- und Quotendruck nicht entziehen. Insoweit ist Niggemeiers Kritik eine, die auf das System und die Wirkungsmechanismen der Medien abzielt. 
Wie es in den Redaktionsstuben und Verlagen zugeht (immer weniger müssen immer mehr verantworten), ist genug beschrieben worden. Aber es sind eben auch genau jene Zustände, die dieses Art der Berichterstattung erst möglich machten. „Schon am Dienstagabend enthielten die Meldungen der Nachrichtenagentur dpa jedes verdammte Detail über den Ort und den Ablauf des Geschehens“ liest man bei Niggemeier. Nun stellen wir uns doch einfach mal eine Redaktion vor, die mit eben jenen detaillierten Nachrichten versorgt wird. Denn es ist doch nicht nur eine Redaktion, welche am dpa-Ticker hängt. Zeit zur Reflektion über die eigene Berichterstattung, bleibt auch nicht. Zumal die meisten Redaktionen mit diesen Informationen versorgt sind. Irgendeiner wird schon 1:1 kopieren, was da aus dem Ticker kommt. Weshalb also nicht auch wir? Schließlich entscheidet der Käufer morgen am Kiosk über den Erfolg. Bricht unsere Quote an diesem Tag ein, die des direkten Konkurrenten steigt, haben wir doch gleich die Pfennigfuchser auf dem Hals, die uns unangenehme Fragen stellen. Also machen wir es wie vermutlich die meisten Medien und veröffentlichen das, was ohnehin schon in der Welt ist. Über den „Werther-Effekt“, so er überhaupt bekannt ist, hat sich da sicherlich niemand Gedanken gemacht.
Insoweit sollte man doch lieber über die „dreckigen Fragen der Praxis“ diskutieren, als über den berechtigten Vorwurf, hier seien fahrlässig Menschenleben aufs Spiel gesetzt worden. Letzteres wird sich leider als wahr  erweisen. Und da ist es denn wiederum egal, ob dieser Anstoß aus einem Elfenbeinturm oder aus der „Gosse“ des täglichen Geschäfts kam.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>@mikis Niggemeier schreibt doch nicht, dass es keine Berichterstattung geben soll. Es geht ihm um die Art und Weise, die Du doch ebenfalls kritisierst. Die Kritik Niggemeiers richtet sich auch nicht explizit an die Journalisten. Vielmehr geht es ihm um den Umgang der Medien mit dem Thema. Journalisten sind nun eben mal Teil der Medien. Insoweit umfasst seine Kritik auch jene, aber nicht ausschließlich nur diese. Journalisten selbst schielen doch am wenigsten auf die Quote. In den meisten Fällen wollen sie doch einfach nur gute Geschichten veröffentlichen. Vor der Veröffentlichung steht aber noch die Redaktion und dahinter der Verlag. Ab dieser Ebene geht es um die Quote. Letzlich können Journalisten als schwächsten Glied der Kette, viele andere stehen doch schon vor der Tür, sich diesem Auflagen- und Quotendruck nicht entziehen. Insoweit ist Niggemeiers Kritik eine, die auf das System und die Wirkungsmechanismen der Medien abzielt.<br />
Wie es in den Redaktionsstuben und Verlagen zugeht (immer weniger müssen immer mehr verantworten), ist genug beschrieben worden. Aber es sind eben auch genau jene Zustände, die dieses Art der Berichterstattung erst möglich machten. „Schon am Dienstagabend enthielten die Meldungen der Nachrichtenagentur dpa jedes verdammte Detail über den Ort und den Ablauf des Geschehens“ liest man bei Niggemeier. Nun stellen wir uns doch einfach mal eine Redaktion vor, die mit eben jenen detaillierten Nachrichten versorgt wird. Denn es ist doch nicht nur eine Redaktion, welche am dpa-Ticker hängt. Zeit zur Reflektion über die eigene Berichterstattung, bleibt auch nicht. Zumal die meisten Redaktionen mit diesen Informationen versorgt sind. Irgendeiner wird schon 1:1 kopieren, was da aus dem Ticker kommt. Weshalb also nicht auch wir? Schließlich entscheidet der Käufer morgen am Kiosk über den Erfolg. Bricht unsere Quote an diesem Tag ein, die des direkten Konkurrenten steigt, haben wir doch gleich die Pfennigfuchser auf dem Hals, die uns unangenehme Fragen stellen. Also machen wir es wie vermutlich die meisten Medien und veröffentlichen das, was ohnehin schon in der Welt ist. Über den „Werther-Effekt“, so er überhaupt bekannt ist, hat sich da sicherlich niemand Gedanken gemacht.<br />
Insoweit sollte man doch lieber über die „dreckigen Fragen der Praxis“ diskutieren, als über den berechtigten Vorwurf, hier seien fahrlässig Menschenleben aufs Spiel gesetzt worden. Letzteres wird sich leider als wahr  erweisen. Und da ist es denn wiederum egal, ob dieser Anstoß aus einem Elfenbeinturm oder aus der „Gosse“ des täglichen Geschäfts kam.</p>
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		<title>Von: mikis</title>
		<link>http://print-wuergt.de/2009/11/17/werther-und-medien/comment-page-1/#comment-384</link>
		<dc:creator>mikis</dc:creator>
		<pubDate>Thu, 19 Nov 2009 06:12:44 +0000</pubDate>
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		<description>@Jürgen ich habe ja schon am Tag nach Robert enkes Tod geschrieben, wie unwürdig und  Thema vorbei das ist, was viele Journalisten veranstalten. Aber das ist etwas anderes zu sagen, sie sollten es besser tun, als sie sollten es aus Angst vor Nachahmern gar nicht tun. Es geht hier um einen Suizid, ein Suizid ist normalerweise ein Sonderfall in der Berichterstattung, aber dieser Suizid war eben kein &quot;normaler&quot;. Also durfte  und musste man auch ausführlich berichten, denn natürlich hat sich Robert Enke selbst freiwillig zu einer Person der Zeitgeschichte gemacht inddas Interesse an seinem Tod war real und berechtigt. Wenn die Presse da nicht berichtet, ist sie überflüssig. Es war das Thema der Woche und wäre es auch gewesen, wenn die Berichterstattung In den Details reduzierter gewesen wäre. Keinem potenziellen Nachahmer, dem deiner Argumentation entsprechend erst durch Enkes Tod die Möglichkeit des Selbstmordes ins Bewusstsein gerückt worden ist, wäre die Tatsache, dass er sich umgebracht hat, vorzuenthalten gewesen. Ich gebe dir mit allem recht, aber nicht in dem Punkt, der bei niggemeier die Schlussfolgerung ist: er behauptet, hier gingen Journalisten für die Quote über Leichen. Und das ist einfach nicht wahr. Im Elfenbeinturm des Medienjournalismus, in dem sich die dreckigen Fragen der Praxis immer nur hinterher und immer nur theoretisch stellen, mag es ein toll klingender Satz sein, der sicher auch viel Ja-genau-Kopfnicken einer zu recht von den Medien im Fall Enke angeekelten Leserschaft erfäht. Aber in der Sache bleibt er falsch und in der Unterstellung infam. Ich bin irrsinnig enttäuscht davon, wie er hier den billigen Punkt macht. Es hätte genug zu kritisieren gegeben, auch ohne den Vorwurf der fahrlässigen Tötung von Depressiven.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>@Jürgen ich habe ja schon am Tag nach Robert enkes Tod geschrieben, wie unwürdig und  Thema vorbei das ist, was viele Journalisten veranstalten. Aber das ist etwas anderes zu sagen, sie sollten es besser tun, als sie sollten es aus Angst vor Nachahmern gar nicht tun. Es geht hier um einen Suizid, ein Suizid ist normalerweise ein Sonderfall in der Berichterstattung, aber dieser Suizid war eben kein &#8220;normaler&#8221;. Also durfte  und musste man auch ausführlich berichten, denn natürlich hat sich Robert Enke selbst freiwillig zu einer Person der Zeitgeschichte gemacht inddas Interesse an seinem Tod war real und berechtigt. Wenn die Presse da nicht berichtet, ist sie überflüssig. Es war das Thema der Woche und wäre es auch gewesen, wenn die Berichterstattung In den Details reduzierter gewesen wäre. Keinem potenziellen Nachahmer, dem deiner Argumentation entsprechend erst durch Enkes Tod die Möglichkeit des Selbstmordes ins Bewusstsein gerückt worden ist, wäre die Tatsache, dass er sich umgebracht hat, vorzuenthalten gewesen. Ich gebe dir mit allem recht, aber nicht in dem Punkt, der bei niggemeier die Schlussfolgerung ist: er behauptet, hier gingen Journalisten für die Quote über Leichen. Und das ist einfach nicht wahr. Im Elfenbeinturm des Medienjournalismus, in dem sich die dreckigen Fragen der Praxis immer nur hinterher und immer nur theoretisch stellen, mag es ein toll klingender Satz sein, der sicher auch viel Ja-genau-Kopfnicken einer zu recht von den Medien im Fall Enke angeekelten Leserschaft erfäht. Aber in der Sache bleibt er falsch und in der Unterstellung infam. Ich bin irrsinnig enttäuscht davon, wie er hier den billigen Punkt macht. Es hätte genug zu kritisieren gegeben, auch ohne den Vorwurf der fahrlässigen Tötung von Depressiven.</p>
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	<item>
		<title>Von: Jürgen</title>
		<link>http://print-wuergt.de/2009/11/17/werther-und-medien/comment-page-1/#comment-383</link>
		<dc:creator>Jürgen</dc:creator>
		<pubDate>Wed, 18 Nov 2009 23:10:36 +0000</pubDate>
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		<description>@mikis Hinsichtlich der Aufgaben der Medien waren wir doch grundsätzlich von Beginn an einig. Der Dissens besteht lediglich in der Bewertung des medialen Umgangs  im konkreten Fall. Der Presserat, wenn sich denn jemand an ihn wenden würde, wird den Tod Enkes mit großer Wahrscheinlichkeit als Vorfall der Zeitgeschichte bewerten. Ob er allerdings das Informationsinteresse höher als das Persönlichkeitsrecht wichten wird, bezweifle ich. Augenscheinlich aber nicht nur ich. Wie war zu lesen, „die meisten Redaktionen (sind) ganz offensichtlich nicht in der Lage, das mit Anstand zu erledigen und berichten deshalb über jeden nichtigen Dreck, den sie finden können.“ Oder weiter: „Das meiste, was ich gefunden habe, waren keine Nachrichten. Das war kein guter Journalismus, sondern teilweise richtig schlechter.“ Auch da sind wir in der Bewertung eigentlich einig. Wenn man dieser Erkenntnis folgt, ist „der gefühlte Wunsch der Öffentlichkeit“ genau, wie ich schon einmal schrieb, dies, nämlich „ein Scheinargument, welches nachträglich die ausufernde Berichterstattung rechtfertigen und das Gewissen beruhigen soll“. Niggemeier mag, was immer man sich darunter vorstellen mag, in einem Elfenbeinturm sitzen, weshalb er das Kind aus dieser Position nicht beim Namen nennen darf, erschließt sich mir nicht. Dies selbst dann nicht, wenn man unterstellen wollte, dass die meisten der Journalisten den „Werther-Effekt“ nicht kennen würden. Den Pressekodex hingegen sollten sie wenigstens einmal gelesen, im besten Fall auch verstanden haben.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>@mikis Hinsichtlich der Aufgaben der Medien waren wir doch grundsätzlich von Beginn an einig. Der Dissens besteht lediglich in der Bewertung des medialen Umgangs  im konkreten Fall. Der Presserat, wenn sich denn jemand an ihn wenden würde, wird den Tod Enkes mit großer Wahrscheinlichkeit als Vorfall der Zeitgeschichte bewerten. Ob er allerdings das Informationsinteresse höher als das Persönlichkeitsrecht wichten wird, bezweifle ich. Augenscheinlich aber nicht nur ich. Wie war zu lesen, „die meisten Redaktionen (sind) ganz offensichtlich nicht in der Lage, das mit Anstand zu erledigen und berichten deshalb über jeden nichtigen Dreck, den sie finden können.“ Oder weiter: „Das meiste, was ich gefunden habe, waren keine Nachrichten. Das war kein guter Journalismus, sondern teilweise richtig schlechter.“ Auch da sind wir in der Bewertung eigentlich einig. Wenn man dieser Erkenntnis folgt, ist „der gefühlte Wunsch der Öffentlichkeit“ genau, wie ich schon einmal schrieb, dies, nämlich „ein Scheinargument, welches nachträglich die ausufernde Berichterstattung rechtfertigen und das Gewissen beruhigen soll“. Niggemeier mag, was immer man sich darunter vorstellen mag, in einem Elfenbeinturm sitzen, weshalb er das Kind aus dieser Position nicht beim Namen nennen darf, erschließt sich mir nicht. Dies selbst dann nicht, wenn man unterstellen wollte, dass die meisten der Journalisten den „Werther-Effekt“ nicht kennen würden. Den Pressekodex hingegen sollten sie wenigstens einmal gelesen, im besten Fall auch verstanden haben.</p>
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	<item>
		<title>Von: mikis</title>
		<link>http://print-wuergt.de/2009/11/17/werther-und-medien/comment-page-1/#comment-381</link>
		<dc:creator>mikis</dc:creator>
		<pubDate>Wed, 18 Nov 2009 18:18:47 +0000</pubDate>
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		<description>Wie wahr.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Wie wahr.</p>
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	</item>
	<item>
		<title>Von: jan</title>
		<link>http://print-wuergt.de/2009/11/17/werther-und-medien/comment-page-1/#comment-380</link>
		<dc:creator>jan</dc:creator>
		<pubDate>Wed, 18 Nov 2009 18:09:40 +0000</pubDate>
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		<description>weiss nicht, irgendwie kommt mir bei nachahmung eher amokläufer, doppelteensuizide und viellleicht auch: &quot;sie wollte im alter ihren kindern nich mehr zur last fallen&quot; in den sinn. 

hätte man den damals nun der werther also lieber nicht veröffentlichen sollen? wobei ich glaub mich zu erinnern der wurd zum teil tatsächlich verboten...

ich hab mir gerad nochmal ein zeitinterview mit sebastian deisler durchgelesen. 
hab mich bei der grossen anteilnahme an enkes schicksal gefragt ob da nich was schief ist in der öffentlichen wahrnehmung. aber ist ja auch alles nicht vergleichbar und auch ein paar jahre auseinander.
und doch ist mir mulmig dabei. 
ich wünschte ich wäre sicher das die medien und wir wirklich verständnis gehabt hätten wenn sich ein profi zu psychischen krankheiten bekennt.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>weiss nicht, irgendwie kommt mir bei nachahmung eher amokläufer, doppelteensuizide und viellleicht auch: &#8220;sie wollte im alter ihren kindern nich mehr zur last fallen&#8221; in den sinn. </p>
<p>hätte man den damals nun der werther also lieber nicht veröffentlichen sollen? wobei ich glaub mich zu erinnern der wurd zum teil tatsächlich verboten&#8230;</p>
<p>ich hab mir gerad nochmal ein zeitinterview mit sebastian deisler durchgelesen.<br />
hab mich bei der grossen anteilnahme an enkes schicksal gefragt ob da nich was schief ist in der öffentlichen wahrnehmung. aber ist ja auch alles nicht vergleichbar und auch ein paar jahre auseinander.<br />
und doch ist mir mulmig dabei.<br />
ich wünschte ich wäre sicher das die medien und wir wirklich verständnis gehabt hätten wenn sich ein profi zu psychischen krankheiten bekennt.</p>
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	<item>
		<title>Von: mikis</title>
		<link>http://print-wuergt.de/2009/11/17/werther-und-medien/comment-page-1/#comment-379</link>
		<dc:creator>mikis</dc:creator>
		<pubDate>Wed, 18 Nov 2009 15:55:08 +0000</pubDate>
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		<description>@Jürgen Jetzt sind wir uns ja schon fast einig, und ich bin sehr sicher, auch der Presserat würde den Tod Enkes als Vorfall der Zeitgeschichte einordnen und ein Informationsinteresse jenseits des reinen Sensationsbedürfnisses bejahen. Irgendjemand wird sich schon beschweren und dann erfahren wir es. Ich bin aber in noch einem Punkt der Meinung, dass die Mechanik eine andere ist, als Du sagst. Ich glaube nicht, dass die Sensationalisierung von Details dazu geführt hat, dass der Fall überhaupt so lange in den Medien gehalten werden konnte, sondern dass ganz einfach der Wille (als der gefühlte Wunsch der Öffentlichkeit) da war, immer &quot;noch was zu Enke zu machen&quot;. Allerdings sind die meisten Redaktionen ganz offensichtlich nicht in der Lage, das mit Anstand zu erledigen und berichten deshalb über jeden nichtigen Dreck, den sie finden können. Ich bin auch angesichts des Werther-Effekts nicht der Meinung, dass man die Geschichte früher hätte ruhen lassen müssen oder können. Ich war auch bewegt von der Nachricht, und ich wollte auch ständig mehr darüber erfahren und habe nach immer mehr Nachrichten gesucht. Allerdings hast du vollkommen recht: Das meiste, was ich gefunden habe, waren keine Nachrichten. Das war kein guter Journalismus, sondern teilweise richtig schlechter. Aber, und darum geht es ja hier, nicht einmal diese in diesem Fall schlechten Journalisten müssen sich  von Kollegen aus dem Elfenbeinturm den Vorwurf gefallen lassen, sie würden in Kauf nehmen dabei Menschen umzubringen. Das ist nicht wahr und ein billiger Vorwurf.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>@Jürgen Jetzt sind wir uns ja schon fast einig, und ich bin sehr sicher, auch der Presserat würde den Tod Enkes als Vorfall der Zeitgeschichte einordnen und ein Informationsinteresse jenseits des reinen Sensationsbedürfnisses bejahen. Irgendjemand wird sich schon beschweren und dann erfahren wir es. Ich bin aber in noch einem Punkt der Meinung, dass die Mechanik eine andere ist, als Du sagst. Ich glaube nicht, dass die Sensationalisierung von Details dazu geführt hat, dass der Fall überhaupt so lange in den Medien gehalten werden konnte, sondern dass ganz einfach der Wille (als der gefühlte Wunsch der Öffentlichkeit) da war, immer &#8220;noch was zu Enke zu machen&#8221;. Allerdings sind die meisten Redaktionen ganz offensichtlich nicht in der Lage, das mit Anstand zu erledigen und berichten deshalb über jeden nichtigen Dreck, den sie finden können. Ich bin auch angesichts des Werther-Effekts nicht der Meinung, dass man die Geschichte früher hätte ruhen lassen müssen oder können. Ich war auch bewegt von der Nachricht, und ich wollte auch ständig mehr darüber erfahren und habe nach immer mehr Nachrichten gesucht. Allerdings hast du vollkommen recht: Das meiste, was ich gefunden habe, waren keine Nachrichten. Das war kein guter Journalismus, sondern teilweise richtig schlechter. Aber, und darum geht es ja hier, nicht einmal diese in diesem Fall schlechten Journalisten müssen sich  von Kollegen aus dem Elfenbeinturm den Vorwurf gefallen lassen, sie würden in Kauf nehmen dabei Menschen umzubringen. Das ist nicht wahr und ein billiger Vorwurf.</p>
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		<title>Von: Jürgen</title>
		<link>http://print-wuergt.de/2009/11/17/werther-und-medien/comment-page-1/#comment-378</link>
		<dc:creator>Jürgen</dc:creator>
		<pubDate>Wed, 18 Nov 2009 15:32:41 +0000</pubDate>
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		<description>@mikis Grundsätzlich stimme ich Dir zu, Medien sollen die Realität abbilden und jede Meldung könnte Nachahmer finden bzw. auch negative Folgen haben. Wenn ein Produkt auf den Markt kommt, entscheidet in der Regel der Konsument über Erfolg oder Mißerfolg. Wenn rechtsradikale Schläger über die Dörfer ziehen, werden sie zum Täter durch ihre Ideologie und nicht durch die mediale Aufmerksamkeit. Deshalb kann / soll in diesen und anderen Fällen auch berichtet werden. Nur, die Berichterstattung über Suizide ist eben ein Sonderfall, der auch explizit in den Pressekodex aufgenommen und dort geregelt wurde. (s.u.). Möglicherweise erfolgten diese Vorgaben, weil man sich des „Werther-Effektes“ bewusst war. Ob die Verletzungen des Anstandes an sich und aufgrund einer einzelnen Berichterstattung zur Nachahmung animiert, kann in diesem Fall, ausnahmsweise, außer Betracht bleiben. Diese Anstandsverletzungen machten aber die tägliche Präsenz des Themas in den meisten Medien erst möglich. „Selbst komplett irrelevante Details werden in den Rang einer Sondernachricht gehoben“, schreibt Niggemeier. Wenn der „Werther-Effekt“ an die Art und Weise der Berichterstattung gekoppelt ist, liegt eben hierin auch die Verantwortung der Medienschaffenden. Es geht dabei nicht um die Frage, ob über diese Fälle überhaupt berichtet werden darf oder nicht, es geht ausschließlich um die Frage des Wie. Aber auch, um die Häufigkeit der Berichterstattung. 

Pressekodex 

Richtlinie 8.1 - Nennung von Namen/Abbildungen
(1) Bei der Berichterstattung über Unglücksfälle...veröffentlicht die Presse in der Regel keine Informationen in Wort und Bild...Sensationsbedürfnisse allein können ein Informationsinteresse der Öffentlichkeit nicht begründen.

Richtlinie 8.5 - Selbsttötung
Die Berichterstattung über Selbsttötung gebietet Zurückhaltung. Dies gilt insbesondere für die Nennung von Namen und die Schilderung näherer Begleitumstände. Eine Ausnahme ist beispielsweise dann zu rechtfertigen, wenn es sich um einen Vorfall der Zeitgeschichte von öffentlichem Interesse handelt.

Aus Niggemeier: 
    Der Suizid sollte nicht als nachvollziehbare, konsequente oder unausweichliche Reaktion dargestellt werden oder als alternativlos dargestellt werden. Im Falle Enke hatten die lieben Kollegen der schreibenden Zunft bereits am gestrigen Abend nichts Besseres zu tun, als den Freitod als nachvollziehbare Reaktion auf den Tod seiner Tochter darzustellen.

    Die Suizidmethode und der Ort des Suizids sollten weder detailliert beschrieben, noch abgebildet werden. „Natürlich” weiß heute ganz Deutschland ganz genau, an welchem Ort sich Robert Enke wie umgebracht hat. Selbst komplett irrelevante Details werden in den Rang einer Sondernachricht gehoben.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>@mikis Grundsätzlich stimme ich Dir zu, Medien sollen die Realität abbilden und jede Meldung könnte Nachahmer finden bzw. auch negative Folgen haben. Wenn ein Produkt auf den Markt kommt, entscheidet in der Regel der Konsument über Erfolg oder Mißerfolg. Wenn rechtsradikale Schläger über die Dörfer ziehen, werden sie zum Täter durch ihre Ideologie und nicht durch die mediale Aufmerksamkeit. Deshalb kann / soll in diesen und anderen Fällen auch berichtet werden. Nur, die Berichterstattung über Suizide ist eben ein Sonderfall, der auch explizit in den Pressekodex aufgenommen und dort geregelt wurde. (s.u.). Möglicherweise erfolgten diese Vorgaben, weil man sich des „Werther-Effektes“ bewusst war. Ob die Verletzungen des Anstandes an sich und aufgrund einer einzelnen Berichterstattung zur Nachahmung animiert, kann in diesem Fall, ausnahmsweise, außer Betracht bleiben. Diese Anstandsverletzungen machten aber die tägliche Präsenz des Themas in den meisten Medien erst möglich. „Selbst komplett irrelevante Details werden in den Rang einer Sondernachricht gehoben“, schreibt Niggemeier. Wenn der „Werther-Effekt“ an die Art und Weise der Berichterstattung gekoppelt ist, liegt eben hierin auch die Verantwortung der Medienschaffenden. Es geht dabei nicht um die Frage, ob über diese Fälle überhaupt berichtet werden darf oder nicht, es geht ausschließlich um die Frage des Wie. Aber auch, um die Häufigkeit der Berichterstattung. </p>
<p>Pressekodex </p>
<p>Richtlinie 8.1 &#8211; Nennung von Namen/Abbildungen<br />
(1) Bei der Berichterstattung über Unglücksfälle&#8230;veröffentlicht die Presse in der Regel keine Informationen in Wort und Bild&#8230;Sensationsbedürfnisse allein können ein Informationsinteresse der Öffentlichkeit nicht begründen.</p>
<p>Richtlinie 8.5 &#8211; Selbsttötung<br />
Die Berichterstattung über Selbsttötung gebietet Zurückhaltung. Dies gilt insbesondere für die Nennung von Namen und die Schilderung näherer Begleitumstände. Eine Ausnahme ist beispielsweise dann zu rechtfertigen, wenn es sich um einen Vorfall der Zeitgeschichte von öffentlichem Interesse handelt.</p>
<p>Aus Niggemeier:<br />
    Der Suizid sollte nicht als nachvollziehbare, konsequente oder unausweichliche Reaktion dargestellt werden oder als alternativlos dargestellt werden. Im Falle Enke hatten die lieben Kollegen der schreibenden Zunft bereits am gestrigen Abend nichts Besseres zu tun, als den Freitod als nachvollziehbare Reaktion auf den Tod seiner Tochter darzustellen.</p>
<p>    Die Suizidmethode und der Ort des Suizids sollten weder detailliert beschrieben, noch abgebildet werden. „Natürlich” weiß heute ganz Deutschland ganz genau, an welchem Ort sich Robert Enke wie umgebracht hat. Selbst komplett irrelevante Details werden in den Rang einer Sondernachricht gehoben.</p>
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