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	<title>Print Würgt &#187; Mit Visionen beim Arzt</title>
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	<description>Michalis Pantelouris über das Drucken von Wörtern und Bildern auf Papier für Geld</description>
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		<title>Die Live-Reportage</title>
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		<pubDate>Sun, 18 Jul 2010 10:05:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>mikis</dc:creator>
				<category><![CDATA[Erneuerte Medien]]></category>
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		<category><![CDATA[Mit Visionen beim Arzt]]></category>

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		<description><![CDATA[Vor ein paar Monaten, auf der Höhe der sogenannten Gri [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Vor ein paar Monaten, auf der Höhe der sogenannten Griechenlandkrise, als ich ein paarmal in verschiedenen Medien zu sehen, zu hören oder zu lesen war, war unter den Mails, die ich bekam, auch die einer Frau, deren Tochter vor drei Jahren in Athen unter bis heute nicht wirklich aufgeklärten Umständen gewaltsam ums Leben kam. Die griechischen Behörden behandelten den Fall lange Zeit als Selbstmord, und die Mutter hatte erstens den Eindruck, es gäbe sehr viele Hinweise darauf, dass ihre Tochter sich nicht selbst das Leben genommen hat, und zweitens, dass die griechischen Behörden sich nicht ausreichend um die Aufklärung bemühten (und die deutschen Behörden sie nicht genug dahingehend unter Druck setzen). Die Mutter schrieb mir, weil sie sich seit drei Jahren an praktisch jeden wendet, der auch nur entfernt mit Griechenland zu tun hat. Sie nutzt, und sagt das auch genau so, jede Gelegenheit, um neue Bewegung in die Untersuchungen zu bringen. </p>
<p>Ich habe ihr freundlich geantwortet, wie leid mir das alles tut. Ich bin selbst Vater von zwei (allerdings noch sehr kleinen) Mädchen, und selbst wenn ich den Schmerz nicht einmal im Ansatz nachvollziehen kann, jagt allein die Vorstellung, ein Kind zu verlieren, kalte Schockstöße des Horrors meine Wirbelsäule hinab. Um ganz ehrlich zu sein, meine Grundstimmung war die: Ich habe unendliches Mitleid mit der Familie. Aber ich habe meine berufliche Laufbahn erstens als Polizeireporter begonnen und weiß, dass solche Albtraum-Erlebnisse die Urteilsfähigkeit schwächen können. Und ich weiß außerdem, dass es extrem unwahrscheinlich ist, dass griechische Behörden den Tod einer Deutschen in Athen nur nachlässig untersuchen. Ich bin in diesem Moment davon ausgegangen, dass die erschütterte Familie ganz einfach nicht wahrhaben will, dass ihre Tochter sich umgebracht hat. Und das fände ich total verständlich.</p>
<p>Allerdings habe ich die Energie der Mutter, Marion Waade, extrem unterschätzt. Sie schrieb mir noch einmal die Eckdaten des Falles rund um den Tod ihrer Tochter Susan (die zum Zeitpunkt ihres Todes knapp 27 Jahre alt war), wir haben telefoniert, und ich habe angeboten, mir zumindest einmal die Unterlagen anzusehen, auch um zu gucken, ob ich ihr mit meinem Bauerngriechisch irgendeine Unterstützung sein kann (mein Bauerngriechisch ist allerdings mit – teilweise handschriftlich verfassten – juristischen Unterlagen völlig überfordert). Und es ist ein Berg von Unterlagen – faul waren die Behörden jedenfalls nicht.</p>
<p>Dabei musste ich allerdings feststellen, dass eine ganze Reihe von Vorwürfen eine Grundlage haben. Das muss nicht heißen, dass sie stimmen, aber es gibt eine ganze Menge Fragen zu stellen. Nur als Beispiel, und um zu verdeutlichen, wo meine Überlegungen anfangen: Susan Waade soll sich erhängt haben, aber im Sitzen. Sie ist nach Ansicht der Polizei nicht von einem Hocker oder einer Kiste gesprungen, sondern hat sich sitzend so in die Schlinge eines aufgeknüpften Wollschals gelehnt, dass sie daran erstickte. Das ist technisch wohl möglich, aber es erscheint einigen Experten als unwahrscheinlich, zumal sie keine Betäubungsmittel genommen und wohl auch keinen Alkohol getrunken hatte. Es bleibt eine Frage zurück.</p>
<p>Und Fragen sind das, worauf Journalisten anspringen. Oder nicht?</p>
<p>Ich bin damals von Frau Waade weggefahren mit dem Versprechen, mir Gedanken zu machen. Und das habe ich getan. Und dabei stößt man sehr schnell auf ein Problem. Denn in Wahrheit springt der Journalismus längst nicht mehr auf Fragen an, sondern nur noch auf Antworten. Um diese Geschichte zu schreiben, würde ich mich entscheiden müssen und Partei ergreifen, denn wie soll man sonst als Autor diese Geschichte vorschlagen? Die Möglichkeiten sind in Wahrheit begrenzt: &#8220;Eine junge Frau wird ermordet und die Behörden schlampen bei den Ermittlungen – Skandal&#8221;? Oder als &#8220;Eine Berliner Familie glaubt, ihre Tochter ist ermordet worden und verlangt Aufklärung&#8221;, menschelnd, traurig, anklagend? Diese Geschichte hat es tatsächlich mehrfach gegeben, die Waades waren zum Beispiel bei <em>Stern TV</em>. Aber es ist eben nur die Hälfte der Geschichte. Warum, fragte ich mich, kann ich nicht die Geschichte vorschlagen: &#8220;Eine junge Frau kommt gewaltsam ums Leben, ob Mord oder Selbstmord weiß ich nicht, aber ich würde gerne darüber schreiben, ich würde gerne berichten, ohne dass Ende zu kennen&#8221;?</p>
<p>Es fällt für einen Freien wie mich schon schwer, mir eine Redaktion auszudenken, der man so etwas vorschlagen kann. Und das ist aus meiner Sicht ein Verlust für den Journalismus und den Beitrag, den Journalismus zu einer funktionierenden Gesellschaft beitragen kann. Es stellt die Reihenfolge auf den Kopf: Vor allem wir Freien müssten die echte Arbeit machen, bevor wir sie überhaupt für einen Auftrag vorschlagen können, die Recherche bis hin zur These vollendet haben, bevor wir Geld dafür verlangen können. Oder aber, und das ist es, was passiert: Wir müssen eine Geschichte vorschlagen, von der wir nicht sicher sein können, ob sie wahr ist – und stehen hinterher realistischerweise unter dem Druck, die recherchierten Fakten so zu beleuchten, dass wir für den Chefredakteur die Erwartung an die These befriedigen können – denn er hat mit der These seine Ausgabe geplant. Da läuft etwas falsch. Ich hatte also das Gefühl, da wäre eine Geschichte, die es sich zu erzählen lohnt, aber die Geschichte hatte eben kein Ende, keine These, keine echte Richtung. Diese Geschichte ist kompliziert, ausufernd, nicht klar zu greifen – genau so, wie das Leben eben ist. Aber der Journalismus nicht.</p>
<p>Ein paar Tage später bin ich mit der Idee aufgewacht, dass das vielleicht schon die Antwort ist. Warum erzählt man diese traurige Geschichte nicht ausufernd und kompliziert, warum gibt man nicht allen Lesern, die es interessiert, die Möglichkeit, sich ein Bild zu machen, ohne sich vorher zu entscheiden? Ohne es vorher in Rahmen zu pressen wie &#8220;Skandal&#8221; oder &#8220;menschliche Tragödie&#8221;? Warum berichtet man nicht das, was man herausfindet, während man es herausfindet, egal, wie wichtig oder nebensächlich das jetzt für irgendeine These ist? Das Internet gibt uns die Möglichkeit, warum probieren wir es nicht aus?</p>
<p>Ich habe Timm Klotzek von <em>Neon</em> zu einer unmöglichen Zeit am frühen Morgen eine SMS geschrieben, und er rief ein paar Minuten später zurück. Er mochte die Idee, aber er hatte auch Bedenken. Sie haben es sich bei <em>Neon</em> nicht leicht gemacht und den Vorschlag ein paar Wochen lang hin und her gewendet, denn natürlich hat diese Geschichte viele Anteile, die nach einer boulevardesken Crime-Story riechen, die eigentlich nicht zu <em>Neon</em> und <em>neon.de</em> passt. Umso mehr muss ich mich bei ihnen für das Vertrauen bedanken, dass ich es schaffen könnte, ohne eine billige, sensationsheischende Geschichte daraus zu machen, die <em>Neon</em> mehr schadet als nützt (und die ersten <a href="http://www.neon.de/kat/sehen/gesellschaft/justiz_und_verbrechen/314744.html">Kommentatoren auf neon.de </a>sind tatsächlich sehr, sehr kritisch deswegen – und das macht die Seite aus meiner Sicht zum besten denkbaren Ort dafür). </p>
<p>Ich habe das noch nie gemacht, ich kenne auch niemanden, der so etwas schon einmal gemacht hat, und dafür gibt es gute Gründe. Der beste ist: Es kann schiefgehen. Es ist ja nichts wirklich geplant. Es gibt kein Script. Und ich kann jeden gestandenen Reporter verstehen, der sich nicht dem Risiko aussetzen will, zehn Tage lang darüber zu berichten, dass er vor verschlossenen Türen steht und dass niemand mit ihm reden will. Aber die Wahrheit ist doch auch: So, wie es heute ist, wo wir nicht wissen, was Journalisten tun, bis sie es uns &#8220;herausgeben&#8221; – wo wir nicht überprüfen können, welche Informationen sie tatsächlich haben und wie sie sie interpretieren, stehen die Journalisten vielleicht gefühlt besser da, aber ihre Auftraggeber, die Leser, nicht unbedingt. </p>
<p>Wenn ich eine Geschichte darüber gemacht hätte, dass Susan Waade wahrscheinlich umgebracht wurde, hätte das eine schöne, respektierte Reportage werden können. Wenn ich eine Geschichte darüber gemacht hätte, dass Susan Waade sich wahrscheinlich selbst umgebracht hat, ihre Eltern es aber einfach nicht wahrhaben wollen, genauso. Und das, obwohl ich nicht weiß, welche Version stimmt, es vielleicht nie wissen werde und trotzdem der festen Überzeugung bin, dass dieses eine Geschichte ist, die es wert ist, erzählt zu werden. Und bei der sich die Leser ihre eigenen Gedanken machen werden, sollen und können. </p>
<p>Bei all dem muss allerdings eine Sache immer im Vordergrund stehen: Es geht um das Schicksal eines Menschen. Und das ist die eine Sache, die ich auf jeden Fall erzählen möchte: Die Geschichte von Susan Waade, einer eigensinnigen, freiheitsliebenden, manchmal starrköpfigen, großherzigen und abenteuerlustigen jungen Sängerin aus Berlin, die nichts mehr liebte als die Musik. Und das allein ist es mehr als wert.</p>
<p>Am 21. geht es los, und zwar hier: <a href="http://www.neon.de/alle/livereportage">www.neon.de/alle/livereportage</a></p>
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		<title>Die Zukunft. Theoretisch.</title>
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		<pubDate>Mon, 07 Dec 2009 14:28:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>mikis</dc:creator>
				<category><![CDATA[Erneuerte Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Mit Visionen beim Arzt]]></category>

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		<description><![CDATA[Hinweis: Dank bodalgo.com, dem Online-Marktplatz für S [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Hinweis: Dank <a href="http://www.bodalgo.com">bodalgo.com</a>, dem Online-Marktplatz für Sprecher, können Sie diesen Text jetzt auch hören, anstatt ihn selbst zu lesen.</p>
<p><a href="http://print-wuergt.de/audio/Die Zukunft. Theoretisch.mp3">Audio-Datei herunterladen (Die Zukunft. Theoretisch.mp3)</a></p>
<p>Weiter <a href="http://print-wuergt.de/2009/12/04/die-zukunft-der-zeitschrift/">unten</a> ist die Präsentation eingebunden, mit der die <em>Sports Illustrated</em> zeigt, wie sie sich ihre offenbar im nächsten Jahr erscheinende multimediale Ausgabe vorstellt – und sie ist großartig. Wolfgang Michal hat die Präsentation zum Anlass genommen, für das nächste Jahr endlich die Medienrevolution <a href="http://carta.info/19668/2010-das-jahr-der-medienrevolution/">in Aussicht zu stellen</a>. Ich wäre voll und ganz dafür.<br />
Allerdings habe ich nach gefühlten 50 Mal, die ich die Präsentation inzwischen gesehen habe, ein immer schlechteres Gefühl. Es stellt sich spätestens nach der ersten Minute im Video ein, wenn die Stimme des Chefredakteurs dazu auffordert, die Fotostrecke am Anfang der Ausgabe genau anzusehen: &#8220;Sie sind alle exklusiv in <em>Sports Illustrated,</em> jede Woche, und wir sind sehr stolz darauf.&#8221; Ich bin kein regelmäßiger Leser von <em>SI</em>, aber ich habe in meinem Leben einige Ausgaben gesehen. Wenn die ein Maßstab sind, dann ist der Stolz berechtigt. Es sind die besten Fotos der Woche. Jede Woche. Exklusiv. Welches deutsche Medium kann das für sich in Anspruch nehmen (Stefan Niggemeier weist im Gegenteil <a href="http://www.stefan-niggemeier.de/blog/die-ruegen-routine-journalismusfrei/">gerade wieder nach</a>, dass vor allem Online-Journalismus inzwischen sogar weitestgehend ohne eigene Recherche stattfindet)?<span id="more-262"></span><br />
Der gezeigte Tablet-PC, von dem ich annehme, dass Apple ihn zum nächsten Jahr am besten umsetzen wird, ist ein technischer Fortschritt, und ich könnte wetten, dass hinter seinen aufregenden Möglichkeiten mal wieder eine Diskussion in deutschen Verlagen unterbleibt, geschweige denn dass damit begonnen würde, ein Lösung zu erarbeiten: Kein deutscher Verlag hat für dieses neue Format irgendwelche nennenswerten Inhalte, geschweige denn exklusive Inhalte.<br />
Wöchentlich die besten Fotos zum Thema exklusiv? Klingt nicht nach <em>Sportbild</em>. Das klingt nicht einmal nach dem <em>Stern</em>. Vom <em>Spiegel</em> könnte man erwarten, dass dank der TV-Abteilung exklusiver Video-Content zur Verfügung steht, aber andererseits: Wenn es im Haus den Drang gäbe, multimediale Inhalte ästhetisch aufbereitet an den Leser zu bringen, dann hätte man es vielleicht schon irgendwann mal getan? Wäre <em>EinesTages</em> nicht der perfekte Ort dafür?<br />
Ich habe in vielen Häusern erlebt, das Technik als Lösung für Probleme missverstanden wird. Bei Online-Strategien gehen immer noch viele Menschen an entscheidenden Stellen in Verlagen davon aus, dass der User einfach das benutzt, das man ihm vorsetzt. Deshalb ist auf Webseiten von Verlagen meist ganz einfach alles drauf, was eben geht: Sie sind ein Magazin, eine Community, bieten Blogs und irgendwo eine Seite mit Video-Inhalten. Die Inhalte werden dann danach bestimmt, wofür Interesse im Anzeigenmarkt besteht. Und da jeder Artikel so lange online stehen kann, bis er die nötigen Anzeigenklicks generiert hat, scheint Masse immer noch ein vernünftiges System zu sein: Wenn ich eine Anzeige angeboten bekomme, die neben einem Gesundheitsthema stehen soll, dann lasse ich einen Gesundheitsartikel schreiben, stelle die Anzeige daneben und irgendwann hat der Anzeigenkunde genug Klicks gekriegt. So lange steht das halt da. Platz ist ja kein Problem mehr. Und jeder Inhalt interessiert irgendwann irgendwen.</p>
<p>Die Medienrevolution nach <em>Sports Illustrated</em> würde Magazin und Webseite zum ersten Mal gleichberechtigt zusammenführen, und das bedeutet, Platz wird wieder eine Rolle spielen, und damit plötzlich auch wieder die Qualität von Inhalt. Und dabei müssen wir feststellen, dass bei allem Gerede über Qualitätsjournalismus der qualitative multimediale Inhalt recht dünn gesät ist. Der aktuelle wöchentliche Journalismus wird das besonders zu spüren bekommen. Im Moment gibt es in den Verlagshäusern weder die Manpower, noch das Know-How, noch die Kreativität oder die exklusiven Inhalte um so etwas wie die <em>Sports Illustrated</em>-Ausgabe im Video zu produzieren. Wenn zum Beispiel das <a href="http://www.weltamsonntag.de">eMag der <em>Welt am Sonntag</em></a> ein Hinweis auf die multimediale Leistungsfähigkeit einer Redaktion sein kann, die wöchentlich einen aktuellen Titel produziert, dann bleibt nur eine Schlussfolgerung: Das reicht nicht. Es ist technisch vielleicht gefällig umgesetzt, aber inhaltlich ist da nichts, für das sich aufdrängen würde, das Magazin zu kaufen.<br />
Man muss das den Verlagen vorwerfen. Während sie sich intensiv darum kümmern, bizarre Erlösmodelle über <a href="http://print-wuergt.de/2009/10/21/das-leistungsschutzrecht-%E2%80%93-oder-wie-bastle-ich-mir-ein-gesetz/">Leistungsschutzrechte</a> einzufordern, kümmern sie sich nicht darum, die aufregendsten, schönsten und sinnvollsten Inhalte zu produzieren. Im Gegenteil: Selbst an den &#8220;alten&#8221;, gewohnten und erfolgreichen Inhalten wird gespart. Wenn etwas aufregendes ausprobiert wird, dann sicher nicht von einem der großen Verlagshäuser – was man auch den dort fest angestellten Kollegen vorwerfen muss.<br />
Das hat schon eine gewisse Kongruenz: Ein Leistungsschutzrecht für Verlage, durch das ja schon die bloße Existenz und Auffindbarkeit eines Artikels belohnt würde, fördert mit Sicherheit eher das Schaffen einer Masse von Artikeln als die Klasse der einzelnen Artikel. Dabei ist bereits heute kaum ein Leser bereit, für die Artikel, die er online liest, Geld zu bezahlen. Sollte irgendjemand glauben, das ändere sich deswegen, weil dieselben Inhalte auf einer anderen technischen Plattform – in diesem Fall einem Tablet-PC – angeboten werden, dann sollte er sich vielleicht noch einmal die Entwicklung der Medientechnik der letzten Jahre ansehen.<br />
Tatsächlich zeigt die technische Entwicklung für alle Medien in den letzten Jahren eine Richtung: Content is king. In Wahrheit ist die Qualität der Darstellung in allen Bereichen zunächst schlechter geworden: Von der Schallplatte zur CD zur MP3-Komprinierung hat Musik an Klang verloren, jüngere User sehen wenn überhaupt dann Fernseh-Sendungen klaglos über das Internet in teilweise schauriger Auflösung und die durchschnittliche Fotoqualität ist mit den Digitalkameras derart abgefallen, dass es von meinen Kindern wahrscheinlich kein einziges Bild gibt, auf dem sie auch nur einen Ansatzweise gesunden Hautton haben. Und die Qualität der Bilder, die wir zuhause machen, ist immernoch 1000 Mal höher als die des durchschnittlichen <em>Bild</em>-Leserreporter-Fotos. Allein die millionenfach gesehenen Youtube-Videos beweisen doch: Guter, interessanter Inhalt setzt sich (gemeinsam mit einfach nur lustigem) durch, unabhängig von der technischen Qualität. Aber genau wie ein schlechter Film nicht deshalb Erfolg haben wird, weil es ihn auf BluRay gibt, wird ein langweiliges Magazin nicht deshalb verkaufen, weil man es auf dem iTablet ansehen kann und die Seiten mit den Fingern weiter flippen.<br />
Leider ist überhaupt nicht abzusehen, dass irgendwo ein Umdenken eingesetzt hat, das dazu führen könnte, dass irgendein Haus rechtzeitig die Strukturen implementiert, um regelmäßig in der Lage zu sein multimediale Inhalte ordentlich anbieten zu können. Es gilt immer noch das als Erkenntnis verkaufte Missverständnis, dass &#8220;die Leute online keine langen Texte lesen&#8221; und deshalb das Internet, <a href="http://www.focus.de/kultur/medien/medien-substanz-zuzeln_aid_225642.html">frei nach Giovanni di Lorenzo</a>, kein &#8220;originär journalistisches Medium&#8221; sei. Es ist ein bisschen, als hätte ein Autofahrer seinen Schlüssel verloren, ihn stundenlang gesucht und nicht gefunden und würde nun behaupten, es gäbe einfach keine Autoschlüssel. Meiner Meinung nach ist es doch eher so: Wir haben den besten Online-Journalismus noch nicht erfunden. In Wahrheit noch nicht einmal den guten. Nach heutigem Stand klicken die meisten Leser immer noch lieber auf Umfragen und Rätselspiele als auf unsere Inhalte. Aber daran sind, fürchte ich, vor allem unsere Inhalte schuld.<br />
Wir kriegen möglicherweise durch die Tablet-Technik die Chance, es noch einmal zu versuchen und besser zu machen. Das ist großartig. Aber die Zeit, sich Gedanken darüber zu machen, was denn auf diesen Tablets eigentlich genau zu sehen sein soll, ist jetzt. Und das auch nur, weil wir &#8216;gestern&#8217; nicht mehr schaffen, denn das wäre noch besser gewesen.</p>
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		<title>Die Zukunft der Zeitschrift?</title>
		<link>http://print-wuergt.de/2009/12/04/die-zukunft-der-zeitschrift/</link>
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		<pubDate>Fri, 04 Dec 2009 11:05:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>mikis</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Erneuerte Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Ideen]]></category>
		<category><![CDATA[Konzepte]]></category>
		<category><![CDATA[Mit Visionen beim Arzt]]></category>

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		<description><![CDATA[Auch bei Sports Illustrated hat man sich Gedanken gemac [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Auch bei <em>Sports Illustrated</em> hat man sich Gedanken gemacht, wie eine Zeitschrift in Zeiten besserer Lesegeräte (und gemeint ist hier ein Tablet PC) aussehen könnte. Das Ergebnis sieht – zumindest in der Präsentation – aufregend aus.</p>
<p><object width="448" height="272"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/ntyXvLnxyXk&#038;hl=de_DE&#038;fs=1&#038;"></param><param name="allowFullScreen" value="true"></param><param name="allowscriptaccess" value="always"></param><embed src="http://www.youtube.com/v/ntyXvLnxyXk&#038;hl=de_DE&#038;fs=1&#038;" type="application/x-shockwave-flash" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" width="448" height="272"></embed></object></p>
<p><em>Dank an Troggi für den Hinweis<br />
</em></p>
<p>PS. Der Kollege Michal <a href="http://carta.info/19668/2010-das-jahr-der-medienrevolution/">analysiert die Entwicklung</a> auf Carta.<br />
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		<title>Nummer Eins lebt</title>
		<link>http://print-wuergt.de/2009/11/11/nummer-eins-lebt/</link>
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		<pubDate>Wed, 11 Nov 2009 13:10:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>mikis</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kundenkontakt]]></category>
		<category><![CDATA[Mit Visionen beim Arzt]]></category>

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		<description><![CDATA[Eines der unwürdigsten Manöver der Massenmedien wird  [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Eines der unwürdigsten Manöver der Massenmedien wird immer dann exerziert, wenn betretenes Schweigen in Worte zu fassen ist. Und der Fall eines Nationaltorhüters, der sich das Leben nimmt, bietet ganz offensichtlich die Gelegenheit, den Satz &#8220;Mir fehlen die Worte&#8221; hundertfach in jede Ausgabe jeder Tageszeitung zu drucken. Robert Enke ist tot, und das geht mir näher als ich es jemals hätte vorstellen können. Aber natürlich gibt es darüber eine unglaubliche Menge zu sagen. Denn Robert Enke war offensichtlich einer von vier Millionen Deutschen, die an Depressionen leiden. Und es würde vielen Betroffenen helfen, wenn diese Krankheit, die jedes Jahr 12000 Deutsche in den Suizid treibt, endlich ihr Stigma und ihr Mysterium verlieren würde.<span id="more-121"></span></p>
<p>Ich habe heute etwa tausendmal bescheuerte Fußballfans gesehen, die in irgendeine Kamera die hirnlose Frage gestellt haben: &#8220;Warum nur?&#8221; Und noch mehr Journalisten, die all diesen Scheiß abfragen und ihre dämlichen Geschichten so beenden: <em>Zurück bleibt die Frage und so weiter blabla</em>. Es kotzt mich an.</p>
<p>Wir wissen, warum. Es ist eine Krankheit. Man kann sie in den allermeisten Fällen behandeln, in fast jedem Fall kann man helfen und lindern, oder man muss wohl sagen: könnte – denn in der Realität sind Depressionen immer noch etwas, für das sich der Patient schämt – und sie sind trotz der riesigen Verbreitung so unbekannt, dass jeder zweite Fall vom Hausarzt nicht erkannt wird. Wir haben für die am weitesten verbreitete psychische Erkrankung in unserem Land einen unvorstellbaren Aufklärungsbedarf. Aber im Rahmen der real existierenden Medienwirklichkeit lesen wir stattdessen über die verdammte Schweinegrippe (die in meinen Augen nichts ist als eine Hysterie).</p>
<p>Ich bin dafür, das zu ändern. Deshalb fordere ich uns alle auf, unsere Energie von der Hysterie ein bisschen auf die Realität zu richten und uns mit einer Krankheit zu beschäftigen, an der so viele mitten zwischen uns bestialisch leiden, ohne dass sie sich trauen, darüber zu reden. Ich habe irgendwann damit angefangen,<a title="Burn-Out bei Neon" href="http://www.neon.de/kat/245516.html" target="_blank"> über meine Begegnung mit der Krankheit zu reden,</a> und ich werde das weiter tun.</p>
<p>Wir sollten dafür eine Initiative starten und den <a title="Email an den DFB" href="http://print-wuergt.de/2009/11/12/lasst-robert-enke-die-nummer-1-bei-der-wm/" target="_blank">DFB auffordern</a>, das Trikot mit der Nummer Eins in der Zeit bis nach der WM in Südafrika – die wohl Robert Enkes Karrierehöhepunkt geworden wäre – nicht zu vergeben, sondern ihn auf diese Art symbolisch im Kader zu behalten und damit zu zeigen, dass an Depressionen Erkrankte in die Mitte unserer Gesellschaft gehören. Ich fände das ein gutes und starkes Zeichen.</p>
<p>Wenn ich ein entspannteres Verhältnis zum Beten hätte dann gälten meine Gebete heute Robert Enkes Familie und der Lokführerin oder dem Lokführer, die seine Verzweiflungstat zum Werkzeug seines Todes gemacht hat.</p>
<p>Aber so, wie es ist kann ich nur sagen: Es ist kein sonderlich guter Tag.</p>
<p><em>PS. In einer früheren Version dieses Textes stand an einer Stelle &#8220;Freitod&#8221; anstelle von Suizid. Eine absurde Formulierung. Natürlich bringt sich ein schwer depressiver Mensch nicht freiwillig um. Danke an Jan für den Hinweis (in den Kommentaren).</em></p>
<p><em>PPS. Ich habe inzwischen eine Email mit meiner Bitte an den DFB geschickt und würde mich freuen, wenn viele von Euch das auch täten. Sie steht <a title="Email an den DFB" href="http://print-wuergt.de/2009/11/12/lasst-robert-enke-die-nummer-1-bei-der-wm/" target="_blank">hier</a>. </em></p>
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		</item>
		<item>
		<title>Das Duell: Steinmerkel vs. Vier ????</title>
		<link>http://print-wuergt.de/2009/09/14/das-duell-steinmerkel-vs-vier/</link>
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		<pubDate>Mon, 14 Sep 2009 14:49:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>mikis</dc:creator>
				<category><![CDATA[Erneuerte Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Mit Visionen beim Arzt]]></category>
		<category><![CDATA[Old School]]></category>
		<category><![CDATA[Wir sind so]]></category>

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		<description><![CDATA[Über das TV-Duell kann man vieles sagen, im weiteren S [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p align="left">Über das TV-Duell kann man vieles sagen, im weiteren Sinne sogar, dass es ein TV-Duell gewesen sei, wenn auch eher das des Steinmerkel gegen die Vier ????. Eines kann danach aber wohl niemand mehr behaupten: Spätestens nach diesem Abend wäre es absurd zu sagen, die Krise wäre vorbei oder das Land wenigstens auf dem Weg der Besserung.</p>
<p align="left"><span id="more-73"></span></p>
<p align="left">Da wurde ein ganzer Abend auf allen Sendern in verschiedensten Runden geredet, ohne dass irgendwem eine Antwort auf irgendetwas eingefallen wäre – oder auch nur eine Frage. Ich habe meinen griechischen Vater einmal vor ungefähr zwanzig Jahren dabei überrascht, wie er beim (gerade erfundenen) Zappen bei einer Volksmusiksendung hängenblieb und sich Heino ansah. Als er meinen schockierten Blick bemerkte sagte er nur: &#8220;Ethnologisches Interesse&#8221;. Und vielleicht hat ihm Heino damals einen Hinweis darauf geben können, worum es uns im Großen und Ganzen geht in Deutschland.</p>
<p align="left">&nbsp;</p>
<p align="left">Das Duell der beiden einzig realistischen Anwärter auf die wichtigste Position in der wichtigsten Institution des Landes gestern abend hat keinerlei derartige Aufschlüsse zugelassen. Bei den beiden nicht, bei den Fragern nicht, bei den Diskutanten danach bei Anne Will nicht. Wohin Deutschland steuert oder steuern will, das wissen wir nicht. Beides nicht. Und das ist nicht nur das Problem der Merkels und Steinmeiers, denn sie sind ausführende Instrumente. Aber diese Instrumente haben ganz offensichtlich keine verlässliche Verbindung mehr zu den Regierten, was zu einem großen Teil unser Problem ist, denn diese Verbindung sollten wir sein. Beide Kandidaten sind im Umgang mit dem Wahlvolk live sehr viel überzeugender als im Fernsehen. Manchmal sogar begeisternd. Wie kann es da sein, dass an dem Abend, an dem sie in (nach Fernsehmaßstäben) epischer Breite ihre Vision darlegen sollen, nichts als <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Diethylether" title="Diethylether" target="_blank">Äther</a> über den Äther kriegen?</p>
<p align="left">&nbsp;</p>
<p align="left">Danach saßen dann mehr oder weniger Berufene bei Will und schlingerten um die Frage herum, warum die, die man da sieht, einfach gar nichts mehr sind, sagen, bewegen? Weil sie, wie Jauch vermutet, selbst nicht mehr wissen wie es geht? Weil sie falsch inszeniert waren, wie Wowereit meint oder weil sie so sehr nichts zu inszenieren haben, dass Claus Peymann sich einen Berlusconi oder Sarkozy wünscht, weil die wenigstens mal auf den Tisch hauen? Oder hat vielleicht sogar Patricia Riekel recht, die … auch was gesagt hat?</p>
<p align="left">&nbsp;</p>
<p align="left">Es gab einen bizarren Moment, in dem Peymann plötzlich der Riekel recht gab, die irgendwie darauf hinweisen wollte, dass in einem Land etwas falsch läuft, wenn 50-Jährige Männer für ihre Zivilcourage in der S-Bahn erschlagen werden. Sie hat keine Worte dafür gefunden, was sie eigentlich meint. Irgendwas mit &#8220;menschlich&#8221;. Und Peymann hat erst recht keine Worte gefunden und deshalb irgendwas mit &#8220;Angst&#8221; gesagt. Das Thema war dann schnell erledigt, weil es irgendwie nichts mit der Kanzlerwahl zu tun hat. Dabei war es der einzige Moment des Abends, an dem für ein paar Sekunden so etwas wie Wahrhaftigkeit aufblitzte. Leider auf den Tisch gebracht von den zwei am wenigsten geeigneten Anwesenden, eine kluge Debatte im Fernsehen zu führen. Peymann ist kein Fernsehmann und Riekel ist … sagen wir: menschlich?</p>
<p align="left">&nbsp;</p>
<p align="left">Die Wahrheit ist: Merkel und Steinmeier sind die Kandidaten, die wir geformt haben. Sie sind perfekt, was man schon daran sehen kann, das es vier hoch dekorierten Journalisten live im Fernsehen nicht gelingt, sie anders als durch impertinentes Unterbrechen und quatschige Vergleiche mit Spielzeug-Enten auch nur Sekundenbruchteile aus der Ruhe zu bringen. Es war eine Bankrott-Erklärung unserer Zunft. Jetzt, am Ende einer langen Entwicklung hin zum Medien-Politiker, ist unsere Krise auf jeden Fall da: Die sind jetzt besser als wir. Eigentlich könnten wir jetzt einpacken, denn wir haben in diesem Spiel nichts mehr hinzuzufügen. Ob wir die noch interviewen oder nicht ist für dieses Land scheißegal – sie sagen was sie wollen wie sie es wollen, und zumindest die Vier ???? konnten es nicht ändern – und ich würde mich schwer tun, einen Kollegen zu benennen, der es vielleicht könnte. Ehrlicherweise müssen wir feststellen: Echte, entscheidende politische Momente finden sicher nicht mehr in unseren Medien statt. Der letzte Beweis ist spätestens mit diesem so genannten Duell erbracht.</p>
<p align="left">&nbsp;</p>
<p align="left">Das ist der Status Quo: Die Politiker, die uns regieren sollen, sind so unangreifbar wie unergründlich. Sie haben gelernt, die Medien zu füttern mit einer Art Politik-Ersatzstoff, der stopft und nicht aufstößt. Und wir haben das Zeug gefressen und gefressen. Jetzt beschweren wir uns, dass er keinen Nährwert hat, aber vorher haben wir uns jahrelang über jeden Inhalt aufgeregt, weil er manchmal schwer verdaulich war. Und wir haben verlernt, die Fragen zu stellen, die dazu führen könnten, dass jemand zumindest zwischendurch einmal etwas auf den Tisch bringt, das wenigstens ein bisschen bissfest ist. Und das – für mich – Schlimmste ist: Wir haben nicht einmal mehr Worte für das, was uns fehlt. Etwas &#8220;menschliches&#8221;? Etwas gegen &#8220;die Angst&#8221;? Mehr Obama? Weniger Verwaltung und mehr … Führung? Aber Führung wohin?</p>
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<p align="left">Deutschland hat sein Ziel verloren, und wir haben unseren Teil dazu beigetragen, und es war ein ordentlicher Teil. Denn wir haben einen großen, wichtigen Teil der richtigen Fragen verdrängt und versteckt, weil wir uns nicht getraut haben, uns ihnen zu stellen.</p>
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<p align="left">Die Worte, nach denen Riekel und Peymann gesucht haben, sind: spirituelle Führung. Sie klingen unangenehm, pompös, verdächtig und fremd wenn wir sie sagen, weil sie im Deutschen eine esoterische Dimension haben, die über die eigentliche Bedeutung hinausgeht, aber sie beschreiben exakt den Unterschied zwischen einem Obama und einem Steinmerkel. Es klingt nicht einmal komisch, wenn Obama darüber spricht. Die Worte beschreiben auch den Unterschied zwischen einem Steinmerkel und Willy Brandt, Helmut Schmidt und sogar Helmut Kohl. Merkwürdig ist: Ich bin mir relativ sicher, dass das Steinmerkel eine übergeordnete, geistig-moralische Empfindung dafür hat, wohin es das Land führen will (nicht hundertprozentig sicher, aber doch 51-prozentig). Aber es kommt nicht darauf, darüber zu sprechen. Zum Teil auch deswegen, weil wir nicht danach fragen.</p>
<p align="left">&nbsp;</p>
<p align="left">Wir tun sogar das Gegenteil: Als Steinmeier im TV-Duell für einen Moment so etwas wie eine Emotion zeigte, die man mit Überzeugung hätte verwechseln können, fragte ihn Plasberg mit einem findigen Lächeln, ob wir jetzt gesehen hätten, wie ein Steinmeier die SPD-Stammwähler mobilisiert. In Wahrheit ist unser Misstrauen Politikern gegenüber so groß, dass wir ihnen schon ihren Machtanspruch übel nehmen. Wer bei uns gewählt werden will, ist dadurch automatisch suspekt.</p>
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<p align="left">Als gäbe es an diesem Land nichts, was man gerne regieren wollen könnte.</p>
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<p align="left">Ich erinnere mich an zwei Momente – das Sommermärchen 2006 und an den Zusammenhalt nach der Oder-Flut – in denen die Politiker beschworen, dieses Gefühl nicht zu vergessen, und die Energie, die sichtbar wurde, über das Ereignis hinaus zu retten. Es ist uns nicht gelungen: Den Politikern nicht, den Medien nicht, den Menschen nicht. Vielleicht auch, weil uns die Worte fehlten, es zu beschreiben.</p>
<p align="left">&nbsp;</p>
<p align="left">Ich habe mit noch einmal das <a href="http://www.youtube.com/watch?v=2fZHou18Cdk" title="Yes, we can" target="_blank">&#8220;Yes, we can&#8221;-Video</a> von Will.i.am mit der Obama-Rede angesehen, und ich bin immer noch bewegt, wenn ich es sehe. Tatsache ist: Wir haben viele der Probleme nicht, um die es in dieser Rede ging. Aber wir verstehen sie trotzdem, weil wir natürlich viele Werte, Ziele und Hoffnungen mit den Amis teilen. Nur schaffen sie es, ihre Ziele und Hoffnungen zu formulieren, bis hin zum &#8220;Streben nach Glück&#8221; in der Verfassung, und wir nicht. So richtig schlecht sind wir auch nicht: &#8220;Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit&#8221; steht bei uns in Artikel 2, aber wir sprechen ansonsten ungern darüber. Nur, um das noch einmal klar zu sagen: Die freie Entfaltung der Persönlichkeit ist nicht nur ein Grundrecht, es ist der Grund, warum wir alles andere tun. Wir haben eine Wirtschaft, damit wir leben und uns entfalten können. Nicht anders herum. Aber anstatt darüber zu reden, was denn unsere Gemeinsamkeiten dabei sind, warum es für so viele von uns immer noch erstrebenswert scheint, sich in diesem Land zu entfalten statt irgendwo anders, lassen wir nicht einmal bei unseren Kanzlerkandidaten Entfaltung zu. Wir reduzieren sie auf Machtmaschinen, die alles sagen, so lange sie da oben bleiben dürfen. Wollen wir das wirklich? Ist das unser Land? Soll es das sein?</p>
<p align="left">&nbsp;</p>
<p align="left">Ich glaube, wir haben unter all den Alltagssorgen, unter all den Geldproblemen und Ängsten vergessen, dass unser Leben nicht erst beginnt, wenn &#8220;die Krise&#8221; überwunden sein sollte. Wir haben in der täglichen Arbeit als Journalisten ein Stadium von Abgewichstheit erreicht, das zwischen uns und den Fragen steht, die wirklich wichtig sind. Und dadurch schießen wir uns selbst ins Knie, denn unter all dem unverständlichen Brabbeln und Stottern haben in diesem Fall ausgerechnet die Riekel und der Peymann recht: Die Menschen sind nicht abgewichst und sie nehmen das Ganze nicht als Inszenierung wahr – zumindest nicht freiwillig – sondern mit Hoffnungen und Ängsten. Sie würden gerne die echten Menschen mit ihren echten Überzeugungen sehen, die sich um die Kanzlerschaft bewerben. Und wenn wir ihnen die nicht zeigen können, obwohl wir sie im Studio vor uns stehen haben, dann ist etwas ganz grundlegend falsch gelaufen – und da ist nicht das Steinmerkel dran schuld. Denn das hat ganz fehlerfrei getan, worauf wir es dressiert haben.</p>
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		<title>Wie begeistert man Print-Journalisten für &#8220;Online&#8221;?</title>
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		<pubDate>Wed, 09 Sep 2009 17:56:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>mikis</dc:creator>
				<category><![CDATA[Erneuerte Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Mit Visionen beim Arzt]]></category>

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		<description><![CDATA[Vor gut zehn Jahren war der junge Fußballer Lars Ricke [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p align="left">Vor gut zehn Jahren war der junge Fußballer Lars Ricken ungefähr zehnmal das, was Mesut Özil gerne werden würde. Er hatte mit dem spielentscheidenden Tor für Borussia Dortmund im Champions-League-Finale das Tor des Jahres 1997 geschossen und hatte eine gigantische Zukunft vor sich. Zu dieser Zeit drehte er einen Werbespot für seinen Ausrüster Nike, in dem es um die alten Helden im Fußball ging, um die Großen, die Ricken nun im Voice-Over herausforderte. Ich habe den Spot online nicht gefunden, deshalb zitiere ich den zentralen Satz aus dem Kopf. Ricken sagte etwas wie: &#8220;Voller Respekt sage ich: Kommt nicht zwischen mich und den Ball!&#8221;</p>
<p align="left">Er konnte nie an seine ersten großen Erfolge anknüpfen und galt bald als ewiges Talent. Aber der große Sieg und das unfassbare Tor bleiben.</p>
<p align="left">Mich erinnert die Situation um das <a href="http://www.internet-manifest.de/" target="_blank" title="Internet-Manifest">Internet-Manifest</a> ein bisschen an Rickens Nike-Spot: Eine Gruppe der vielleicht besten deutschen Onliner stellt sich mit breiter Brust (und aus meiner Sicht ungefragt) aufs Spielfeld und sagt &#8220;kommt nicht zwischen uns und den Ball.&#8221; Sie glauben erklärterweise, wie das Spiel gespielt werden muss, und der Tonfall des Dokumentes strahlt nicht nur zwischen den Zeilen, sondern geradezu zwischen allen Zeichen aus, dass sie überzeugt davon sind, dass sie es selbst können. Ich habe schon deutlich gemacht, dass mir das unangenehm ist, und das es mir ungleich leichter gefallen wäre, diesen Text zu akzeptieren, wenn die Verfasser selbst schon spielentscheidende Tore geschossen hätten. Auch aus diesem Grund halte ich das Manifest für missraten, aber es ist zu einfach, Dinge einfach schlecht zu machen. Deshalb will ich versuchen zu erklären, was meiner Meinung nach heute sinnvoller gewesen wäre als der Text. Und während ich das sage, muss ich auch gleich auf einen echten Fehler in meiner Argumentation gegen das Manifest hinweisen: Diejenigen Kollegen, die tatsächlich schon spielentscheidende Tore geschossen haben, haben sich bisher nicht aufgerafft, eine Meinung zu den Möglichkeiten des Journalismus im Internet zu formulieren. Und das wird von vielen Kollegen offensichtlich als Lücke empfunden. Mir ging es nicht so, deshalb habe ich den Gedanken erst von (Manifest-Mitverfasser) Wolfgang Michal übernommen. Da hätte ich selbst drauf kommen können und sollen.</p>
<p align="left">Aber, wie gesagt, meine Gedanken gehen in eine andere Richtung: Wenn das Internet so viele Möglichkeiten bietet und so toll ist, wie ich glaube, warum gelingt es uns nur so mühsam, Kollegen davon zu überzeugen? Das muss etwas bedeuten, aber was?</p>
<p align="left"><span id="more-70"></span> Als der Sportreporter Christoph Biermann von der <em>Süddeutschen Zeitung</em> zum <em>Spiegel</em> gewechselt ist, war das allen Mediendiensten eine große Geschichte wert, denn erstens ist Biermann ein hoch dekorierter, großartiger Fußballfachmann, der die komplizierten taktischen Abläufe auf dem Platz außergwöhnlich gut analysieren und erklären kann, aber zweitens – und vor allem – wechselte er von der <em>SZ</em> nicht zum gedruckten <em>Spiegel</em>, sondern zu <em>Spiegel Online</em>. Es war der erste freiwillige, hochkarätige Wechsel eines Autoren von Print zu digital, an den ich mich erinnern kann. Und es blieb – zumindest in meinem Bewusstsein, ohne jemandem Unrecht tun zu wollen – der einzige. Die Dämme sind nicht gebrochen. Das Beispiel hat nicht Schule gemacht. Für die meisten Autoren bleibt online die zweite Wahl.</p>
<p align="left">Das ist nicht unverständlich: Noch immer ist das Internet neu. Noch immer gibt es keine journalistische Marke, deren Strahlkraft online an die des gedruckten Titels oder der Fernsehsendung heranreicht. Und natürlich wird im Regelfall für Texte, die nur online erscheinen, weit weniger gezahlt als für Autorentexte in Magazinen. Eine reine, journalistische Online-Medienmarke für Autoren gibt es nur als selbstfinanzierten Zusammenschluss von Autoren, aber so weit ich es weiß nicht als abend- und kontofüllenden Arbeitgeber. Es kann also keine Überraschung sein, dass Autoren und Reporter nicht in Scharen zu Online-Medien wechseln. Was mich aber erstaunt ist, wie zaghaft angestellte Print-Journalisten offenbar nur bereit sind, zu den Online-Ablegern ihrer eigenen Häuser beizutragen. Das kann nicht nur Faulheit sein, es liegt auch an der Geringschätzung des neuen Mediums (bzw. Vertriebsweges. Das Internet an sich ist ja kein Medium).</p>
<p align="left">Zum Teil liegt es an Kinderkrankheiten: Online war lange nur eine Abwurfstelle für ohnehin vorhandene Printtexte, die dann auf den Rankings gegen die Titten-Galerien verloren. Online-Redaktionen waren das, wohin man ungewünschte Redaktionsmitglieder abschob, die zu feuern zu teuer gewesen wäre. Und anstatt Journalismus zu machen, saßen die Online-Redakteure oft genug da und haben sich Quiz-Fragen ausgedacht, weil Quizze mehr Klicks bringen als Texte und weniger kosten als Tittenfotos. Vielen Journalisten kam es vor, als würde an das Sterne-Restaurant, in dem sie arbeiten, noch eine Pommesbude angebaut. Nur das die Pommesbude kein Geld verdiente und deshalb im Restaurant gespart werden musste. Und der Gestank des Fast Food von nebenan färbte auf die eigenen Räume ab. Online schien eher zu schaden als zu nützen. Tatsächlich waren die Kollegen von <em>Spiegel Online</em> die einzigen, die es rechtzeitig angefangen und es konsequent durchgezogen haben. Dass nun offenbar ihre Zeit als Klickführer vorbei ist tut mir deshalb richtiggehend leid.</p>
<p align="left">Auch das tut mir leid: Der historisierende Abschnitt ghet noch einen kleinen Tick weiter, die nächste Stufe der Entwicklung war nämlich, die Print-Redakteure von Magazinen &#8220;einzubeziehen&#8221;, was bedeutete, plötzlich sollten sie sich nicht nur zusätzliche Gedanken machen, wie ein Thema, das sie bearbeiteten, &#8220;online weitergespielt&#8221; werden kann – sie sollten am besten zu jedem Interview, dass sie führen, eine Videokamera mitnehmen und einen Film mit nach Hause bringen. Was bedeutet, dass gestandene Redakteure und Reporter plötzlich statt der noblen, geschliffenen Werke, die sie zu schaffen gewohnt waren, plötzlich die Autorenschaft über rohe, amateurhafte, zittrige und nichtssagende Filmchen innehatten. Das Netz brachte nicht nur zusätzliche Arbeit, sondern solche Arbeit, die vielen zurecht peinlich war. Seien wir ehrlich: Die Webseiten vieler Magazine waren (und sind teilweise auch heute noch) voll mit billigem Dreck. Seiten voll mit großartigem journalistischen Content sind dagegen selten. Wenn mich heute ein Kollege, der vielleicht Mitte 50 ist und seit 25 oder 30 Jahren in dem Job arbeitet, der ein ordentliches Auskommen hat und Freude an seiner Arbeit (okay, ich fantasiere. Aber bitte lasst mich für das Argument) – wenn er mich also fragt, welche Webseiten er sich ansehen soll, um vom Internet überzeugt zu sein, welche empfehle ich ihm dann? Und wenn er mich fragt, welche denn vielleicht einen Job hätte (keine freie Stelle, einfach nur einen Posten), der ihm, wenn er denn frei wäre, Spaß machen könnte, was erzähle ich ihm dann? Gibt es einen geilen journalistischen Online-Posten in Deutschland?</p>
<p align="left">Das ist der Zustand von Online aus Sicht eines Print-Kollegen mit einem halbwegs gesicherten Job: nicht erstrebenswert. Aber wir sprechen im Zuge der Diskussion um das Internet-Manifest nicht davon, was war, sondern was werden kann und soll. Wenn wir versuchen wollen zu locken, dann können wir das nur mit dem theoretisch möglichen. Das real Existierende ist meiner Meinung nach nicht verlockend genug. Und hier liegen zwei Knackpunkte begraben, von denen ich glaube, dass sie von den Internet-Propheten, von den Manifestoren, den großen Jarvisses und den vielen kleinen, so genannt internetaffinen Bloggern und Schreibern wie mir viel zu lange nicht ernst genommen wurden. Den ersten Punkt habe ich schon einmal dargelegt: Ich glaube, dass Publizistik im Internet von Autoren verlangt, dass sie sich mitten in die<br />
Diskussion begeben, erreichbar, kritikfähig und direkter als bisher verantwortlich sein müssen (mehr dazu <a href="http://print-würgt.de/2009/08/18/achtung-sie-nutzen-nur-10-prozent-ihres-inneren-journalisten/">hier</a>). Und ich kann Kollegen verstehen, denen das sehr unangenehm ist. Ihnen immer wieder zu sagen, dass sie es nun einmal müssen, wird sie nicht umstimmen – sie müssten die Vorteile dieser Art zu arbeiten selbst erkennen können, um zu verstehen.Auf den zweiten Punkt, der hier wichtig ist, möchte ich näher eingehen, weil er meiner Meinung nach nur in eine Richtung diskutiert wird. So steht er auch im Internet-Manifest. Da steht:</p>
<p align="left">(Zitat Anfang) 6. Das Internet <strike>verändert</strike> verbessert den Journalismus.</p>
<p align="left"> Durch das Internet kann der Journalismus seine gesellschaftsbildenden Aufgaben auf neue Weise wahrnehmen. Dazu gehört die Darstellung der Information als sich ständig verändernder fortlaufender Prozess; der Verlust der Unveränderlichkeit des Gedruckten ist ein Gewinn. Wer in dieser neuen Informationswelt bestehen will, braucht neuen Idealismus, neue journalistische Ideen und Freude am Ausschöpfen der neuen Möglichkeiten. (Zitat Ende)</p>
<p align="left">Die Nachricht als Prozess: Der bekannteste und lauteste Verfechter dieser These ist <a href="http://www.buzzmachine.com" target="_blank" title="Jeff Jarvis' Buzzmachine">Jeff Jarvis</a>, und natürlich gehört es inzwischen nicht nur unter Bloggern sondern auch in den meisten Online-Redaktionen zum guten Ton, Verbesserungen, Korrekturen usw. an Texten zu kennzeichnen. Aber das ist nur ein Teil dessen, was gemeint ist. Gemeint ist auch und vor allem, das Wiki-Prinzip auch auf Nachrichten anzuwenden, also ständig und mit jeder neuen Information zu verbessern, zu erneuern und so immer näher an den Idealzustand der wahren Nachricht zu kommen. Zumindest in der Theorie ist das eine schöne Sache (in der Praxis ist es – zugegeben – eine dreckige Angelegenheit. Wir erleben das, wenn live und während eines Geschehens von dem Ort des Geschehens berichtet wird. Ein Gerücht jagt das nächste). Aber selbst der ärgste Internet-Kritiker muss meiner Meinung nach zugeben, dass Wikipedia überragend gut funktioniert – plusminus den einen oder anderen Wilhelm. Trotzdem finde ich, dass die These sehr, sehr schwer zu halten ist. Aus zwei Gründen: Zum einen ist nach meinem persönlichen Erleben die Überlebensdauer einer falschen Nachricht in einer Zeitung oder einem Magazin bisher kürzer als die im Internet, weil Magazine und Zeitungen Verfallsdaten haben, Onlinetexte aber nicht (und bevor jemand mit dem Argument kommt: Aber Zeitungen gehen ins Archiv und der nächste Idiot schreibt es ab – das Internet ist sein eigenes Archiv und sehr viel mehr Idioten schreiben es ab). Das hängt aber zweitens mit dem nächsten Grund zusammen, von dem ich glaube, dass er den Onlinejournalismus beschädigt: Journalisten wollen, müssen und sollen irgendwann fertig sein. Natürlich kann man Texte online nachträglich verbesern. Aber man muss es auch tun. Und je größer das eigene Archiv wird, umso größer wird der Zeitaufwand, alte Texte, die möglicherweise kaum jemand irgendwann mehr anklickt, nachträglich zu korrigieren.</p>
<p align="left">Ich habe es an zwei Stationen, in denen ich die Verantwortung hatte, eine Online-Redaktion zu organisieren und zu führen, erlebt, wie kompliziert es allein ist, alte Texte nachträglich mit neueren Texten zu verlinken. Stellen wir uns vor, der Journalist muss auch noch seine alten Texte verbessern, weil inzwischen neue Informationen aufgetaucht sind, und diese Verbesserungen dann auch noch transparent zu kennzeichnen. Stellen wir uns auch vor, wir würden durch das gesamte Schaffen der Manifestoren in den letzten fünf oder zehn Jahre flöhen und nach Behauptungen suchen, die sich nachträglich als falsch erwiesen haben. Natürlich würden wir fündig, aber der Arbeitsaufwand ist untragbar.</p>
<p align="left">Es steht außer Frage, dass die Nachrichtenbeschaffung und -darstellung ein Prozess ist, aber so zu tun, als wäre von dem alten Rhythmus zu heute einen Quantensprung von unzuverlässig zu nahezu unfehlbar gemacht, ist ganz einfach falsch. Und das noch aus einem weiteren Grund: Zu behaupten, der Nachrichtenfluss wäre von einem Stakkato von Momentaufnahmen quasi ins Fließen gekommen, beinhaltet die Forderung, man müsse überall zugleich sein oder zumindest die nachrichtenrelevanten Punkte der Welt pausenlos überwachen. Wir müssten einen unendlichen Fluss aller Nachrichten der Welt erzeugen, in den sich Leser nach belieben an jeder Stelle einklinken könnten. Wir wissen, dass dem nicht so ist. Wir lesen einmal im Jahr eine Nachricht aus Obervolta oder Katmandu und dann am nächsten Tag nicht mehr. Das ist kein Manko der Darstellung. Es ist so, wie Menschen funktionieren.</p>
<p align="left">Dargestellte Nachrichten entstehen nicht als Fluss, sie sind immer nur Momentaufnahmen, und das Internet steht da in Sachen Geschwindigkeit sogar noch hinter dem Radio zurück. Ich glaube also nicht, dass der Mythos von &#8220;Nachrichten als Prozess&#8221; den Journalismus verbessert (abgesehen von den transparenten Korrekturen, die allerdings jeder Zeitschrift, jeder Zeitung und jedem Sender auch gut stehen würden und nicht onlinespezifisch sein sollten). Stattdessen führt diese ständig wiederholte Behauptung meiner Meinung nach dazu, dass viele Kollegen Journalismus im Netz als unbeständig und eher wertlos betrachten. Denn was ist ein Werk wert, das in der Erwartung aufgestellt wird, ständig verändert und verbessert zu werden?</p>
<p align="left">&#8220;Life is beta&#8221; nennt Jarvis das, immer nur die unfertige Testversion. Ich finde das sympathisch. Es zeugt von Lockerheit, wenn man an jede Aufgabe immer in dem Bewusstsein herangeht, dass man es nicht perfekt hinkriegen wird. Dass man scheitern wird. Dass es einen nächsten Versuch brauchen wird. Wie gesagt: sympathisch. Aber es widerspricht jedem journalistischen Ehrgeiz und Ethos. Und, ganz ehrlich, ich würde jeden Journalisten verachten, der mit dem Bewusstsein an jede Recherche herangeht, dass er sowieso nicht alles herausfinden wird. Ich weiß, dass es wahrscheinlich nah an der Wahrheit ist, aber ich fürde keinen Kollegen vor allem locker und sympathisch finden, der seine Geschichten in dem Bewusstsein schreibt, dass es sowieso nicht die ganze Wahrheit ist, was er da publiziert. Ich wünsche mir Kollegen mit dem brennenden Ehrgeiz, alles herausfinden zu wollen. Und der verbohrten Überzeugung, alles, was sie schreiben, müsse wahrhaftig sein. &#8220;Life is beta&#8221; mag richtig sein. Aber ich möchte nicht, dass es der Leitsatz von Journalisten wird. Da sind Netzkultur und Journalismus für mich nicht vereinbar.</p>
<p align="left">Das heißt nicht, dass Journalismus im Internet nicht geht. Ich versuche nur zu erklären, warum meiner Meinung nach Journalisten, die nicht alles bejubeln und das Netz nicht für die Rettung der Menschheit halten, deshalb nicht automatisch altmodisch und im Unrecht sind. Vielleicht sind ihre Reflexe auch einfach ganz gut.</p>
<p align="left">Und jetzt wenden wir uns der Frage zu, was man meiner Meinung nach hätte tun sollen, anstatt dieses Manifest zu schreiben.  Ein Vorschlag steht ja sogar tatsächlich in dem Text selbst: &#8220;Wer in dieser neuen Informationswelt bestehen will, braucht neuen Idealismus, neue journalistische Ideen und Freude am Ausschöpfen der neuen Möglichkeiten.&#8221; Es wäre eine Freude gewesen zu sehen, wenn sie das selbst beherzigt hätten. Dass sie es unterlassen haben, liegt meiner Meinung nach in der Natur der Gruppe: Die Journalisten unter den Unterzeichnern bewegen sich in der Mehrzahl auch beruflich im Internet oder den Medien: Sie berichten im Medium über das Medium. Aus dieser Binnensicht heraus mag das Manifest irgendwie einen Sinn ergeben: Wer tatsächlich glaubt, dass der politische Diskurs im Internet stattfindet statt in der realen Welt, der setzt irgendwann offenbar Freiheit im Netz gleich mit Freiheit im Allgemeinenund versteigt sich in eine Vorstellung von der eigenen Relevanz, die weder mit dem Lebe<br />
n noch mit dem Berichten darüber noch viel gemein hat.Die Freiheit wird nicht da verteidigt, wo man im Internet darüber schreibt, sondern da, wo einer aufsteht und sie sich nimmt. Ich habe bewegt vor den Tweets aus Teheran gesessen, aber ich war nicht dort auf der Straße. Ich bin froh darüber, dass jeder Iraner mit einem Handy die Möglichkeit hat seinen Schmerz mit der Welt zu teilen, aber was er für die Freiheit getan hat, hat er nicht im Internet getan sondern auf der Straße, Auge in Auge mit einem knüppelnden Schergen.</p>
<p align="left">Was wäre gewesen, wenn die 15 Manifestoren sich ins Leben begeben hätten? In eine Pommesbude, ein Asylantenheim oder ins Bundeswehr-Camp von Kunduz? Wenn sie in einem langen, ständigen Fluss multimedial berichtet hätten, mit dem versammelten Talent, das ja in ihnen steckt? Wenn sie ihre Behauptung, dass in jeder Tasche ein Medienimperium steckt im ganz Kleinen bewiesen hätten anstatt nur Großes zu behaupten? Wenn Glaube, Liebe und Hoffnung ihr Thema gewesen, Leben statt Reden?</p>
<p align="left">Wie gesagt: Zur Not hätte eine Pommesbude in Bremerhaven wahrscheinlich gereicht, und es wäre geiles Zeug dabei herausgekommen. Eine Seite, die man dem alten Kollegen empfehlen würde, wenn er nach gutem Online-Journalismus fragt. Berichte die den Kollegen klar machen, welche Chancen das Internet bietet, anstatt es ihnen einfach nur immer wieder ins Gesicht zu schreien.</p>
<p align="left">Aber so wie es ist, glaube ich, dass den Manifestoren passieren wird, was Lars Ricken passiert ist: Die Anderen, die Alten, die angeblich längst Überholten kamen zwischen ihn und Ball.</p>
<p align="left">&nbsp;</p>
<p align="left">Was nicht so schlimm ist. Er hat ja dieses Tor geschossen. Das bleibt:</p>
<p><object height="344" width="425"><param value="http://www.youtube.com/v/2OuwX1dOpQo&amp;hl=de&amp;fs=1&amp;" name="movie"></param><param value="true" name="allowFullScreen"></param><param value="always" name="allowscriptaccess"></param><embed src="http://www.youtube.com/v/2OuwX1dOpQo&amp;hl=de&amp;fs=1&amp;" height="344" width="425" allowfullscreen="true" allowscriptaccess="always" type="application/x-shockwave-flash"></embed></object></p>
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		<title>Für wen machen wir das eigentlich?</title>
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		<pubDate>Fri, 04 Sep 2009 13:25:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>mikis</dc:creator>
				<category><![CDATA[Mit Visionen beim Arzt]]></category>
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		<description><![CDATA[Im Stern steht heute eine ausführliche, schöne Titelg [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p align="left">Im <em>Stern</em> steht heute eine ausführliche, schöne Titelgeschichte von Felix Hutt darüber, wie Soziale Netzwerke unser Leben verändern, und es ist schon geschrieben worden (habe nur vergessen wo), das wäre wohl die Geschichte, die der <em>Spiegel</em> eigentlich gern gehabt hätte statt des manchmal kruden zeugs in ihrer &#8220;Rechtsfreier-Raum-Geschichte&#8221; vor ein paar <a href="http://xn--print-wrgt-geb.de/__oneclick_uploads/2009/09/heft_37_2009_300.jpg" title="Stern 37 09"><img src="http://print-würgt.de/__oneclick_uploads/2009/09/heft_37_2009_300.jpg" title="Stern 37 09" alt="Stern 37 09" height="289" hspace="15" vspace="10" width="218" align="left" /></a>Wochen. Tatsache ist in jedem Fall: Hutt hat einmal groß, sauber und gut aufgeschrieben, was das alles eigentlich ist und wie es funktioniert. Ein bisschen sogar, was das alles soll, obwohl die Frage nach dem &#8220;Warum&#8221; im Internet heute eigentlich keine Rolle mehr spielt, weil sie niemand mehr beantworten kann. Aber dazu kommen wir noch.</p>
<p><script type="text/javascript"> var gaJsHost = (("https:" == document.location.protocol) ? "https://ssl." : "http://www."); document.write(unescape("%3Cscript src=\'" + gaJsHost + "google-analytics.com/ga.js\' type=\'text/javascript\'%3E%3C/script%3E")); </script><br />
<script type="text/javascript"> try { var pageTracker = _gat._getTracker("UA-8586643-2"); pageTracker._trackPageview(); } catch(err) {}</script></p>
<p align="left"> Ich finde die Aufmachung ein bisschen seltsam: Es werden Menschen in schönen, großzügigen Schwarzweißbildern gezeigt. Sonst nix. Was ich einerseits verstehe, immerhin geht es in Netzwerken um nichts als Menschen, aber nach meinem Gefühl zeigt es eben zu viele Dinge nicht: Weder die Verbindung zwischen Menschen, noch die Geschwindigkeit, die Globalität oder auch nur den Exhibitionismus von Menschen, die an der großen Konversation teilnehmen. Die Bilder zeigen eigentlich sogar exakt das Gegenteil davon, was ja cool sein kann, aber wenn das hier cool ist kommt die Coolness bei mir nicht an. Auf mich wirkt das wie eine Art-Direktoren-Idee, an der man vielleicht besser noch ein, zwei Tage lang weitergedacht hätt. Aber das war es auch schon mit Kritik von meiner Seite. Was ich nämlich am interessantesten finde an dieser Geschichte, ist ein Paradebeispiel für eine Frage, die wir uns nicht oft genug stellen können: Für wen machen wir das alles eigentlich?</p>
<p align="left">&nbsp;</p>
<p align="left"><span id="more-66"></span></p>
<p align="left">In der Geschichte steht zum Beispiel, dass sieben Millionen Deutsche Facebook nutzen. Und an diesen sieben Millionen zum Beispiel geht die Stoßrichtung der Geschichte eigentlich vorbei: Es wird über sie berichtet, nicht für sie. Ich finde das in diesem Fall genau richtig: <em>Stern</em>-Leser sind im Durchschnitt älter als die durchschnittlichen Heavy-User von Sozialen Netzwerken (sage ich jetzt aus dem Kopf, damit ich da keine Zahlen zu suchen muss. Aber es zweifelt niemand daran, oder?). Diesen Lesern muss man &#8220;das alles&#8221; einmal so richtig erklären. Aber grundsätzlich ist es eine der wichtigsten Vereinbarungen, die eine Medienunternehmung treffen muss: Worüber müssen wir bei uns nicht mehr berichten? Was müssen wir nicht mehr erklären? Weiß jeder, wer Angela Merkel ist? Harald Schmidt? John Frusciante? An dem, was wir nicht mehr erwähnen müssen, erkennen wir, worüber wir uns einig sind – wir und unsere Leser, wir als Gemeinschaft. Das ist die Definition von Zielgruppe. Ich glaube, man kann fast überall über fast alles schreiben. Aber eben nicht überall auf die gleiche Art und aus dem gleichen Blickwinkel.</p>
<p align="left">Auf Journalistenschulen gibt es manchmal heute noch die Ansicht, dass man alles erklären muss und das jeder Leser allem folgen können muss. Immerhin schreibt die <em>New York Times</em> so. Und in der <em>Tagesschau</em> kommen auch keine Insiderwitze vor. In der <em>Tagesschau</em> wird Angela Merkel Bundeskanzlerin genannt, und das ist richtig, den die <em>Tagesschau</em> hat für die meisten Zuschauer einen quasi offiziellen Charakter und eine fast staatstragende Funktion. Aber natürlich ist es in jedem Fall utopisch, Regeln darüber aufzustellen: Theoretisch könnte es einen Leser geben, der nicht weiß, was ein Bundeskanzler ist (meine Sechsjährige kennt übrigens nur &#8220;Obama&#8221;, und den nennt sie &#8220;der Bestimmer&#8221; – mit bewunderndem Unterton).</p>
<p align="left">Wir erklären in den Nachrichten nicht, was Demokratie ist, weil wir uns einig sind, dass sie die beste real existierende Form der Regierung ist. Da steht unsere Zielgruppe (abseits von ein paar Extremistenblättern, nehme ich an) fest. Aber, als Beispiel: Harald Schmidt ist eine Zeit lang zu so etwas wie einem führenden Intellektuellen in diesem Land aufgestiegen, ohne dass ich je eine kluge Aussage im klassischen Sinne von ihm gehört habe. Er hat keine philosophischen Gedanken verbreitet. Im Gegenteil: Er sagt überragend dumme Dinge – unsere Freude besteht darin, dass wir uns klug genug fühlen, ihre Dummheit zu erkennen. Die Kunst liegt in dem, was er eben nicht sagt. Das ist es, was uns als seine Zuschauer und Fans verbindet (und, bevor es jemand falsch versteht: Natürlich ist das eine kluge Form der Unterhaltung, also sagt Harald Schmidt kluge Dinge. Nur eben nicht gradeaus. Wir verstehen uns).</p>
<p align="left">Ist  jemandem aufgefallen, dass ich nicht erklärt habe, wer Harald Schmidt ist? Nach der Journalistenschul-Regel hätte ich schreiben müssen &#8220;TV-Entertainer&#8221; oder so etwas. Ich hätte eine Ebene mehr einziehen müssen. Und in diesem Fall hätte es wahrscheinlich nicht einmal gestört, aber ich glaube es gibt viele Fälle, in denen wir nicht genug aufpassen, zuhören und uns klar werden, worüber wir uns als Gruppe längst einig sind, was dazu führt, dass wir langweiligere Geschichten schreiben als wir müssten. Weil wir von den Geschichten weiter entfernt sind, als wir sein müssten.</p>
<p align="left">Der <em>Stern</em> ist ein weltweit einmaliges Phänomen, diese Wundertüte, in der immer alles für jeden drin sein kann und die so eine der einträglichsten Zeitschriften der Geschichte wurde.  Und man muss es auch einmal ehrlich sagen: Die meisten Journalistenschul-Regeln werden für den <em>Stern</em> gemacht. Er ist die Mutter aller Zeitschriften in diesem Land. Aber so wie es zu Problemen führt, wenn man die Gepflogenheiten der Formel 1 im Straßenverkehr weiterpflegt, führt es zu Problemen, wenn man versucht, immer und überall den <em>Stern</em> zu machen. Und ich möchte versuchen zu erklären, warum.</p>
<p align="left">Es gibt handwerklich gute und weniger gute Wege, Informationen an den Leser zu bringen, aber am Ende bleibt die Regel: Je mehr Ebenen ich zwischen den Kern der Information und das Begreifen dieses Kerns lege, umso weniger berührt wird der Leser sein. Jeder kennt das: Schlechte Nachrichten verpacken wir in viele Worte, gute soll man nicht zerreden und so weiter. Wir können auch Lagen hinzufügen, indem wir wichtige Informationen vorenthalten indem wir unkonkret sind (&#8220;Bei Zusammenstößen zwischen … wurde ein Mensch verletzt&#8221; berührt niemanden, weil wir nicht mitfühlen. Wenn wir hören, dass der Mann sein Augenlicht verloren hat ist es schon anders).</p>
<p align="left">Die Facebook-Geschichte im <em>Stern</em> hat einige Lagen, die zwischen mir und dem Kern der Geschichte stehen, in der Art, wie sie sein müsste, wenn sie für mich geschrieben wäre (ist sie nicht, insofern ist das absolut ohne Kritik gemeint. Im Gegenteil, ich nehme sie als Beispiel, weil ich sie gut finde). Zum einen erklärt sie natürlich viele Dinge, die ich als <a href="http://www.facebook.com/pantelouris" title="Michalis auf Facebook" target="_blank">Facebook-User</a> weiß. Zum anderen natürlich die ganze Frage des &#8220;Warum&#8221;, die ich für mich zumindest implizit dadurch beantwortet habe, dass ich FB nutze. Die eine Frage, die ich gerne einmal irgendwo erörtert sehen würde, wird zwar benannt durch ein Goeth-Zitat (&#8220;Hier bin ich Mensch …), aber nicht ausgeführt: Die gigantische Revolution, die dazu geführt hat, dass Menschen sich unter ihrem echten Namen im Internet bewegen, eben im Goethe-Sinn als &#8220;Menschen sind&#8221;, mit allem, was dazu gehört. FB hat damit nicht angefangen, aber es doch offensichtlich zu den Massen gebracht. Und diese Entwicklung wird ja meist nur unter Datenschutzgesichtspunkten diskutiert, als wären alle bescheuert, die da mitmachen.</p>
<p align="left">Diese Art Wand von Uneinigkeit, die zwischen mir und FB-Geschichte im <em>Stern</em> steht, steht in Wahrheit zwischen mir und den meisten Magazin-Geschichten, die ich lese. Ich gehöre praktisch nirgendwo dazu, was mein Fehler sein kann, aber meiner Meinung nach auch daran liegt, dass sich Magazin-Redaktionen zu wenig Gedanken darüber machen, was die einenden Elemente ihrer Medienmarke sind – was das ist, das nicht erwähnt werden muss.</p>
<p align="left">Ich habe Jahre lang Männermagazine gemacht, und es ist bizarr, was viele in der Branche sich immer wieder vorstellen, wie das zu machen sein soll: Abgesehen von der Reduzierung von Männern auf ihr Interesse an Titten, Autos und Technik, das sich in der Themenfindung deutlich niederschlägt, aber so weit geht, dass sich selbst in dem, worüber Einheit herrscht (Männer sehen gerne nackte Frauen) noch eine zusätzliche Ebene eingezogen werden muss, nämlich der vollkommen artifizielle Begriff &#8220;Erotik&#8221;, der anzeigen soll, dass es irgendwie um ein höheres, künstlerischeres Anliegen geht als einfach darum, nackte Frauen anzugucken. Die wenigsten Männer haben Erotik in ihrem Leben oder wollen das auch nur. Sie wollen Sex. Aber offenbar darf man so viel Mensch nicht sein. Damit der Wunsch nach Sex sozial anerkannt ist (und Anzeigen bringt) muss man eine erfundene ästhetisierte Ebene einziehen, die uns vom Kern der Geschichte entfernt.</p>
<p align="left">Das funktioniert auf allen Ebenen. Dinge sind nicht teuer, man braucht nur &#8220;das nötige Kleingeld&#8221;. Denn &#8220;teuer&#8221; wäre zwar wahr, würde aber heißen, man befindet sich in einer Gruppe, die (willkürliches Beispiel) 3000 Euro für ein Paar Schuhe viel findet. Dabei geht es nicht um Formulierungen (obwohl ich finde, dass man schlechte Schreiber sehr oft daran erkennt, dass sie versuchen, sich mit Formulierungen zu retten),  es geht darum, dass wir zwischen uns und die Wahrheit sehr gerne Lage um Lage Unsinn einziehen.</p>
<p align="left">Die Gründe dafür sind einfach: Der erste ist natürlich, dass viele Schreiber ganz einfach schlecht schreiben. Im Regelfall liegt das daran, dass sie falsch beobachten – innen und außen, die Realität und wie die Realität auf sie wirkt. Durch Formulierung ist das nicht mehr zu retten. Der zweite Grund ist, dass wir gelernt haben, Zielgruppen durch Abgrenzung zu definieren (hohes Einkommen, hohe Schulbildung, all das Zeug, das die Marketingabteilung eben zusammenschreibt. Plus die eine Idee, die dazu geführt hat, dass es das Heft gibt). Dabei nehmen wir natürlich unbewusst viele Gemeinsamkeiten mit (unsere Leser sind Menschen, sie gehen jeden Tag aufs Klo und sie wollen Sex), aber allein an der Tatsache, wie albern Sie jetzt als Leser meine Aufzählung innerhalb der letzten Klammer fanden, könnten wir feststellen, dass wir sehr viel übersehen.</p>
<p align="left">Lesen wir es noch einmal ganz langsam: Unsere Leser sind Menschen, sie gehen jeden Tag aufs Klo und sie wollen Sex.</p>
<p align="left">Klingt albern, aus so einem Quatsch ein Konzept ableiten zu wollen, ich weiß, aber meine Schwester ist Buchhändlerin in einer großen Buchhandlung in Hamburg, und sie schwört, dass es im letzten Jahr Tage gab, an denen wirklich jeder einzelne Kunde, der reinkam (meist Kundinnen), das Buch <a href="http://www.youtube.com/watch?v=_sT9S_CWMYI" title="Alex liest Feuchtgebiete" target="_blank">&#8220;Feuchtgebiete&#8221;</a> von Charlotte Roche kaufen wollte (eine ältere Dame sagte, sie hätte gerne &#8220;Feuchte Träume&#8221;. Die Händlerinnen haben ihr gesagt: &#8220;Oh, bitte, das wünschen wir Ihnen auch!&#8221;). Ich mochte das Buch nicht. Ich fand es eklig. Aber eines muss man sagen: Es gibt keine Barrieren zwischen dem Leser und der Geschichte. Im Gegenteil, die Geschichte steht nach meinem Empfinden unangenehm nah in der eigenen Schutzzone. Es ist ein Extrembeispiel für die andere Seite. Ich finde nicht, dass man Zeitschriften so intim machen muss, wie Roche geschrieben hat. Aber Tatsache ist auch: Trotz vernichtender Kritiken hat das Buch sich mehr als 1,3 Millionen mal verkauft. Das ist mehr, als die meisten Männerhefte in Deutschland in einem Jahr am Kiosk verkaufen.</p>
<p align="left">Wie gesagt, es ist vielleicht ein hergeholter, schiefer Vergleich und nicht das beste Beispiel, aber ich glaube, man kann trotzdem etwas herauslesen: Geschichten müssen nah gehen. Sie dürfen auf Erfahrungen aufbauen, die wir als Menschen gemacht haben, und es ist den Lesern lieber, sie werden beim Menschsein ernst genommen als wegen ihres Einkommens und ihrer hohen Affinität zu Unterhaltungselektronik. Denn für die machen wir das. Für Menschen.</p>
<p align="left">Ich bin nicht dafür, dass wir Feuchtgebiete-Magazine machen. Aber ich bin dafür, dass wir unseren Blick doch wieder ein wenig öffnen dafür, was unsere Leser auch alles sind. Für Glaube, Liebe und Hoffnung. Zweifel, Verletztheit und Enttäuschung. Wahrheit. Leben. Dafür müssen wir als Schreiber nicht nur gut sein, sondern auch ehrlich genug, unsere Erfahrungen als Mensch einzubringen und zu verstehen, dass sie das verbindende Element sind. Es gibt keine Zielgruppe, die nicht aus Menschen besteht.</p>
<p align="left">Genau wie es kein Soziales Netzwerk gibt, das nicht aus Menschen besteht. Die Idee mit den Portraits im <em>Stern</em> – ich verstehe sie ja. Ich finde sie aber immer noch nicht gut. Aber die Geschichte, die musste endlich mal einer machen.</p>
<p align="left">Danke, Mutter!</p>
<p><script type="text/javascript"> var gaJsHost = (("https:" == document.location.protocol) ? "https://ssl." : "http://www."); document.write(unescape("%3Cscript src=\\\\'" + gaJsHost + "google-analytics.com/ga.js\\\\' type=\\\\'text/javascript\\\\'%3E%3C/script%3E")); </script>Und für die, die es nicht wussten und genug Geduld hatten, trotzdem weiterzulesen: John Frusciante ist der Gitarrist der Red Hot Chili Peppers. Ich kämpfe gerade mit <em>&#8220;Under The Bridge&#8221;.</em><script type="text/javascript"> try { var pageTracker = _gat._getTracker("UA-8586643-2"); pageTracker._trackPageview(); } catch(err) {}</script><script type="text/javascript">
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		<title>Achtung: Sie nutzen nur 10 Prozent Ihres inneren Journalisten!</title>
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		<pubDate>Tue, 18 Aug 2009 16:44:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>mikis</dc:creator>
				<category><![CDATA[Erneuerte Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Mit Visionen beim Arzt]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich habe einmal ein gutes Erlebnis mit Lesern gehabt: A [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p align="left">Ich habe einmal ein gutes Erlebnis mit Lesern gehabt: Am Hauptbahnhof in München las ein Typ, der quasi Rücken an Rücken mit mir auf einer der Bänke auf dem Bahnsteig saß, seiner Freundin aus einer Geschichte von mir vor und lachte sich an den richtigen Stellen schlapp. Wie gesagt: ein Mal. Das war lange der einzige wahrhaftige Kontakt, den ich je mit meiner eingebildeten Leserschaft hatte. Ansonsten war ich den größten Teil meiner beruflichen Laufbahn umgeben von dem Kokon Redaktion – mit Türen, Empfangsdamen, Telefonzentralen und im Zweifel Anwälten zwischen mir und denjenigen, für die ich angeblich arbeite. <script type="text/javascript"> var gaJsHost = (("https:" == document.location.protocol) ? "https://ssl." : "http://www."); document.write(unescape("%3Cscript src=\\\\\'" + gaJsHost + "google-analytics.com/ga.js\\\\\' type=\\\\\'text/javascript\\\\\'%3E%3C/script%3E")); </script><br />
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<p align="left">&nbsp;</p>
<p align="left">Ich habe einmal den genialen Hamburger Koch <a href="http://artisan-hamburg.com/" title="Artisan" target="_blank">Thorsten Gillert</a> interviewt, der den erstaunlichen Satz gesagt hat: &#8220;Wir freuen uns wirklich über Gäste.&#8221; Nach einer Sekunde strammen Nachdenkens ist der Satz nicht mehr so erstaunlich: In vielen gastronomischen Betrieben hat man als Gast den Eindruck, dass die Angestellten es sehr viel netter hätten, wenn nicht dauernd Gäste da wären, die stören (und in Gillerts &#8220;Artisan&#8221; in der Kampstraße ist das tatsächlich anders). Ähnlich geht es vielen Redakteuren: Ihr Leben wäre einfacher, wenn die Leser nicht so blöd wären, die großartigen Werke, die sie vorgesetzt bekommen, falsch zu verstehen, anderer Meinung zu sein oder gar, ganz schlimm, sie – trotz der großartigen Inhalte – am Kiosk offensichtlich nicht zu finden oder sonstwie zu ignorieren. Wir haben gerne das Gefühl, wir wären sehr viel besser, als unser Publikum uns findet. Im Abschieds-Editorial der letzten Ausgabe einer eingestellten Zeitschrift schrieb ein Chefredakteur mal den grandios größenwahnsinnigen Satz: &#8220;Deutschland war noch nicht bereit für dieses Heft.&#8221;</p>
<p align="left">&nbsp;</p>
<p align="left">Gastronomie kommt von Gast und Publizistik von Publikum. Oder, um es so zu sagen, dass es weh tut: Wenn es nicht irgendjemandem dient, dann ist es kein Beruf. Wenn ein Künstler seiner Zeit voraus ist, dann ist er ein Visionär. Wenn ein Magazin seiner Zeit voraus ist, dann ist es irrelevant. &#8220;Jour&#8221; bedeutet Tag – und nicht irgendeinen, sondern heute. Wer Zeitschriften für morgen machen will, soll das tun. Aber morgen. Heute haben wir genug zu tun.</p>
<p align="left">&nbsp;</p>
<p align="left">Ohne mich in engmaschige Diskussionen verstricken zu wollen: Ich halte das Internet nicht für ein Medium, sondern für einen Marktplatz, auf dem auch Medien angeboten und nachgefragt werden können. Und die größte Veränderung, die uns dieser Marktplatz bringt ist, dass wir alle gleich weit von allem – und voneinander – entfernt sind, so lange wir eine Sprache sprechen. Statt hinter Mauern, Telefonzentralen und Anwälten stehe ich als Journalist heute mitten auf dem Markt, nicht mehr getrennt von meiner vermeintlichen Leserschaft, sondern Schulter an Schulter mit ihr. Mich verunsichert das ein Stück weit, und ich kann jeden Kollegen verstehen, dem das nicht gefällt. Aber ich bin überzeugt, dass es eine Situation ist, die weder zu ändern ist noch von selbst vergehen wird. Weil sie gut und richtig ist.</p>
<p align="left">&nbsp;</p>
<p align="left">Plötzlich spüren wir unmittelbar, dass wir für unsere Arbeit verantwortlich sind. Faktisch waren wir das vorher schon, aber wir haben es hinter den Mauern kaum gespürt. Wir waren stolz darauf, unsere Namen gedruckt zu sehen, aber wohl nur die wenigsten von uns haben tatsächlich wahrgenommen, dass wir unsere Arbeit öffentlich verrichten. Und während Schauspieler immer wieder von dem direkten Kontakt zum Publikum schwärmen, haben wir für uns in Anspruch genommen, gleichzeitig bekannt und anonym zu sein. Ein Kommentar unter einer unserer Geschichten, den wir nicht kontrollieren können, bevor ihn die Welt zu sehen bekommt, ist unser Äquivalent zu dem &#8220;Auf der Straße angequatscht werden&#8221;, das Fußballer und Fernseh-Stars über sich ergehen lassen müssen. Wir hatten gedacht, es ginge ohne. Aber wenn wir uns wirklich als Diener der Öffentlichkeit, des Publikums, verstehen, dann dürfte uns heute eigentlich kein Grund mehr einfallen, die Öffentlichkeit abzulehnen.</p>
<p align="left">&nbsp;</p>
<p align="left">Stattdessen sind wir aufgefordert, uns auf diesem neuen Marktplatz einzurichten, was den schönen Nebeneffekt hat, dass wir all die Vorteile, die uns das bringen kann, bis zur Erschöpfung ausnutzen dürfen. Und ich bin der Meinung, wir sollten es auch tun.</p>
<p align="left">&nbsp;</p>
<p align="left">Ich persönlich bekomme mehr, besseres und interessanteres Feedback auf Geschichten, seitdem ich auf Netzwerken zu finden bin und mich so offen wie möglich auf diesen Marktplatz stelle. Manchmal bekomme ich darüber sogar bezahlte Arbeit, und da ich von bezahlter Arbeit abhängig bin bis am Mittwoch oder Samstag meine Zahlen kommen, mag ich das sehr. Aber noch wichtiger als das finde ich einen anderen Aspekt, den Redaktionen meiner Meinung nach nutzen sollten, und wenn sie es nicht tun, dann sollten es die Redakteure selbst tun: Rund um jeden Redakteur, jeden Reporter, jeden Journalisten können und sollten kleine Biotope entstehen, in denen er kommuniziert, ausprobiert, fragt und antwortet. Ich glaube, dass spätestens Facebook mit der großartigen Leistung, uns unter unseren echten Namen offen und öffentlich zu vernetzen, unsere Persönlichkeiten zum Mittelpunkt unseres kleinen Informations-Ökosystems hat werden lassen. Wie wir es gießen und pflegen, mit welchen Feeds, Micro-, Macro- und Mega-Blogs, das bleibt uns überlassen, aber es nicht zu tun, bedeutet meiner Meinung nach, Chancen zu verpassen, besser zu werden.</p>
<p align="left">&nbsp;</p>
<p align="left">Ich erinnere mich an einen spöttischen Aufschrei als publik wurde, dass Alexander von Schönburg als Chefredakteur von <em>Park Avenue</em> in dem elitären Netzwerk <a href="http://www.asmallworld.net/" title="A Small World" target="_blank">asmallworld.net</a> um Themenvorschläge für sein Magazin bat. Der gängige Gedanke war wohl, dass ihm offensichtlich selbst nicht genug einfiel. Selbst solche selbst ernannten Internet-Versteher wie der Handelsblatt-Blogger Thomas Knüwer fielen damals <a href="http://blog.handelsblatt.de/indiskretion/eintrag.php?id=373" title="Knüwer über Schönburg" target="_blank">hämisch über ihn her</a>. Ich bin der Meinung, dass Schönburg damals recht hatte. Möglichst viele Menschen nach Ideen zu fragen ist kein Zeichen für mangelnde Kreativität. Es ist ein Zeichen dafür, dass man sich selbst nicht überschätzt. Schönburg versuchte, sich ein Öko-System aus guten Tippgebern zu schaffen (&#8220;<em>I&#8217;m looking for stringers who feel like contributing to my magazine. Little quirky stories, chit-chat, gossip, &#8216;what&#8217;s hot&#8217;-kind of stuff&#8221;). </em>Das war schon damals keine neue Idee. Dass er es (mehr oder weniger) öffentlich getan hat, hat ihm geschadet, aber das Prinzip war richtig.</p>
<p align="left">&nbsp;</p>
<p align="left">Neu daran, dass Journalisten quasi öffentlich in ihrem Kommunikations-Biotop arbeiten ist aber nicht, dass sie so einfacher ihre Kontakte pflegen können, das ist höchstens ein technischer Fortschritt. Neu ist, dass sie selbst ansprechbar, erlebbar, anfassbar werden. Und damit ja nicht nur menschlicher, sondern auch glaubwürdiger. Ein Journalist, dessen Arbeitsweise und Persönlichkeit ich kenne, ist mir vertrauter. Und obwohl ich weiß, wie vielen Kollegen die Vorstellung zuwider ist, ausgerechnet anfassbar zu sein und sich ständig vor jedem, der es darauf anlegt, rechtfertigen zu müssen, glaube ich, dass wir nicht nur bei dieser Entwicklung mitziehen müssen. Ich glaube, wir müssen sogar die Vorreiter sein. Denn Öffentlichkeit ist unser Beruf, unser Geschäft, unsere große Liebe.</p>
<p align="left">&nbsp;</p>
<p align="left">Gerade weil wir es öffentlichen Amts- und Würdenträgern übel nähmen, wenn sie ihre Arbeit vorder Öffentlichkeit verstecken würden – weil wir es zu unserem erklärten Ziel erkoren haben, das zu verhindern – können nicht wir diejenigen sein, die im stillen Kämmerchen arbeiten und nur mit den fertigen Ergebnissen unserer Arbeit vor die Meute treten und sie verkünden wie Moses die Zehn Gebote. Wer für die Freie Rede eintritt, muss geradezu herausfordern, dass frei über ihn geredet wird.</p>
<p align="left">&nbsp;</p>
<p align="left">Aber bitte nicht über meine Figur.</p>
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		<title>Wie Bernd Buchholz zur Legende wird</title>
		<link>http://print-wuergt.de/2009/08/03/wie-bernd-buchholz-zur-legende-wird/</link>
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		<pubDate>Mon, 03 Aug 2009 12:57:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>mikis</dc:creator>
				<category><![CDATA[Mit Visionen beim Arzt]]></category>

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		<description><![CDATA[Wenn Kai-Hinrich "Die Medienwühlmaus" Renner recht hat [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p align="left">Wenn Kai-Hinrich <a href="http://www.turi2.de/2008/06/27/interview2-kai-hinrich-renner-welt-4371163/" title="Kai-Hinrich Renner im Turi-Interview" target="_blank">&#8220;Die Medienwühlmaus&#8221;</a> Renner recht hat, und das hat er ja irgendwie immer, dann muss Dr. Bernd Buchholz am 31. August mit 50 Millionen Euro Gewinn (EBIT) ein irre schlechtes Ergebnis für das <a href="http://www.abendblatt.de/kultur-live/article1120132/G-J-Chef-Buchholz-bekommt-Verstaerkung.html" title="G&amp;J Bilanz bei Abendblatt" target="_blank">erste Halbjahr von Gruner &amp; Jahr</a> verkünden. Ich bin richtig schlecht, wenn es um Zahlen geht, aber so wie KHR das schreibt, klingt das alles <a href="http://xn--print-wrgt-geb.de/__oneclick_uploads/2009/08/bernd_buchholz.jpg" title="Bernd Buchholz"><img src="http://print-würgt.de/__oneclick_uploads/2009/08/bernd_buchholz.thumbnail.jpg" title="Bernd Buchholz" alt="Bernd Buchholz" align="left" vspace="5" hspace="10" /></a>nicht so gut. Aber ich bin mir sicher, dass für Dr. Buchholz alles gut ausgeht, weil ich heute Morgen, während ich einen sehr guten griechischen Mokka getrunken habe, eine Vision hatte. Ich glaube ich weiß, was Dr. Buchholz tun wird. Er hat nämlich eine grandios gute Idee, für die ich ihn immer bewundern werde.</p>
<p align="left"><span id="more-41"></span>Zunächst einmal wird Dr. Buchholz seinen Shareholdern erklären, dass das Umfeld im Moment wirklich eine alte Scheiße ist, und das deshalb der Gewinn nur halb so hoch ausfällt wie im letzten Halbjahr. Das muss er sagen, das gehört sich so. Aber dann geht es los. Ich bin mir nicht ganz sicher, was er wörtlich sagen wird, denn ich habe mit Dr. Buchholz in der realen Welt nur einmal einen Händedruck ausgetauscht und ein paar Worte gewechselt, aber inhaltlich kommt in etwa Folgendes: Liebe Leute, wird er sagen, wir alle hier finden 50 Millionen sind ein lächerlicher Gewinn. Als Hilmar Kopper so eine Summe mal Peanuts genannt hat, da dachte er wenigstens noch an einen Snack. Wir alle hier sind uns aber einig: Diese 50 Millionen sind kein Snack mehr, das ist eigentlich so gut wie gar nix. Und von nix kommt eigentlich nix. Im Normalfall. Aber wir hier sind in einer besonderen Situation. Wir haben zwar nix verdient, aber uns gehört immer noch Gruner &amp; Jahr. Und bei Gruner &amp; Jahr gibt es etwas, mit dem wir aus einer leeren Schüssel Erdnüsse noch etwas Tolles basteln können. Wir bei uns nennen es &#8220;Journalisten&#8221;. Wir nennen es &#8220;Ideen&#8221;. Und wir nennen es &#8220;Magazine&#8221;. Ich erklär ihnen gleich mal, was das genau bedeutet.</p>
<p align="left">In diesem Moment wären die Shareholder im Prinzip bereit,  Dr. Buchholz mit ihren Schuhen zu bewerfen, aber Shareholder sind kühle Rechner und sie wissen, dass der Wert ihrer Schuhe dengefühlten Wert von 90 Prozent der Magazine im Verlags-Portfolio übersteigt. Insofern hören sie noch ein bisschen zu, während sie das Shareholder-Sprech-Äquivalent denken von: &#8220;Komm uns doch nicht wieder mit dem alten Scheiß!&#8221;</p>
<p align="left">Dr. Buchholz spürt natürlich, wie ihm die Situation zu entgleiten droht, und er sagt: Ich komme ihnen auch nicht wieder mit dem alten Scheiß. Ich komme mit etwas ganz Neuem. Und zwar so: Ich bin hier schließlich derjenige, der sich den ganzen Tag mit diesen Journalisten abkaspern muss. Die meckern immer. Sie haben schon gemeckert, als sie noch die verwöhnteste überbezahlte Bande von Cappucino-Trinkern waren, und sie meckern jetzt, wo wir den Cappucino ersetzt haben durch das Wasser aus der Regentonne – was im Übrigen nur möglich war, indem wir ihnen die Hausausweise weggenommen  und ihnen so den Zugang zur Cafeteria versperrt haben, denn unsere Leute verstehen verdammt viel von Cappucino. Wie dem auch sei, ich werde hingehen und diesen Leuten sagen: Okay, dann macht mal. Zeigt mir, was ihr drauf habt. In diesem Haus ist schließlich Talent versammelt. Nehmen wir nur einmal das Korrespondentennetz des <em>Stern</em>. Ein dichtes, weltumspannendes Netz aus vielen der besten Journalisten ihres Fachs. Und ich habe nachgesehen: Es gibt Ausgaben des <em>Stern</em>, in denen hat das Auslands-Ressort genau so viele Geschichten wie wir Euro an Dividende ausschütten sollten: null. Nada. Nix. Wenn mich jemand fragen würde, würde ich sagen, das ist eine Vergeudung von Talent. Und als Chef von dat Janze hier bin ich ja quasi immer gefragt.</p>
<p align="left">Dr. Buchholz Idee ist die Folgende: Er nimmt zehn Prozent von dem Nichts an Gewinn und schafft damit ein Magazin, für das die Korrespondenten des Stern schreiben. Ein Monatsmagazin. Er verlangt von den Journalisten, dass sie ihr Bestes geben. Die Welt erklären, auf so vielen Zeilen und Seiten wie sie eben brauchen. Nichts im Nachrichtensinn Spektakuläres, sondern Geschichten im Stile des New Yorker, in denen auf 20 Seiten Dinge erklärt werden wie ganz Afghanistan. Opulent. &#8220;Gebt mir das Beste, was ihr könnt.&#8221; In zwei, drei leerstehenden Kammern darf Andreas Petzold  es mit zwei, dreiRedakteuren und Grafikern seiner Wahl zusammen schrauben, und Peter-Matthias Gaede, Timm Klotzek, Michael Ebert und Andreas Lebert dürfen drauf gucken, aber nur unter einer Bedingung: Sie dürfen nur konstruktive Vorschläge machen, nichts kritisieren (mein Gott, was ist in diesem Haus an Talent versammelt! Und wenn sie schlau sind, dann bezahlen sie Bettina Wündrich dafür, dass sie auch noch mal guckt). Es geht schließlich um Ideen.</p>
<p align="left">Dann geht Dr. Buchholz zu seinen Druckern und sagt noch einmal: Zeigt mir das Beste, was ihr könnt. Jetzt geht es um die Ehre eures Berufsstandes. Jahre lang haben wir euch alles immer billiger machen lassen, aber wenn ihr dabei nichts verlernt habt, dann ist jetzt der Moment, es zu beweisen. Macht all den geilen Scheiß mit Papier und Farbe, der euch dazu einfällt.</p>
<p align="left">Um es kurz zu machen: Dr. Buchholz möchte das beste politische Reportage-Magazin der Welt machen. Er hat alles, was man dazu braucht.  Und es ist nicht einmal teuer.</p>
<p align="left">Wir brauchen drei Jahre, sagt Dr. Buchholz den Shareholdern, und dafür reichen zehn Prozent von dem Nichts, über das wir heute jammern. Meine Jungs sind motiviert wie nie, ich habe sie bei der Ehre UND den Eiern. Es wird rocken. Natürlich kann man dabei untergehen. Das kann man immer. Aber seien wir ehrlich, unsere ganze Branche könnte untergehen. Und wenn es so ist, dann will ich sagen können: Wir sind nicht ohne Kampf untergegangen. Es hat gedauert, aber dann haben wir tatsächlich ein Mal das Beste aufgefahren, was wir hatten. Und wir haben den Kampf des Jahrhunderts geliefert. So sind wir. So bin ich. Ich kann gar nicht anders.</p>
<p align="left">Muss man den Typen nicht lieben? Das ist der Mann, der gerade noch rechtzeitig aufgestanden ist und gesagt hat: So, Leute, bevor wir hier weiter seitwärts mit dem Arsch an der Wand entlang laufen, werfen wir uns lieber noch einmal nach vorne und zeigen der Welt, was wir können und sonst keiner. Was Print kann und sonst kein Medium. Was Journalisten können und sonst aber wirklich niemand. Was Drucker können. Was Fotografen können. Was Grafiker können. Wir atmen jetzt alle einmal tief ein, und dann werfen wir uns in die Schlacht. Auf sie mit Gebrüll!</p>
<p align="left">Für mich ist der Mann eine Legende. Ein Anführer. Es mag am Mokka liegen, aber ich habe die Hoffnung nicht aufgegeben. Wir werden sie unseren Enkeln erzählen: Die Legende <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Bernd_Kundrun" title="Kundrun" target="_blank">vom</a> <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Bernd_Runge" title="Runge" target="_blank">dritten</a> <a href="http://www.guj.de/index2.php4?/de/denken/vorstand/buchholz.php4" title="Buchholz" target="_blank">Bernd</a>.</p>
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		<title>Braucht mich noch einer?</title>
		<link>http://print-wuergt.de/2009/07/24/braucht-mich-noch-einer/</link>
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		<pubDate>Fri, 24 Jul 2009 11:35:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>mikis</dc:creator>
				<category><![CDATA[Erneuerte Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Mit Visionen beim Arzt]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich sitze in einem kleinen Haus auf einer griechischen  [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p align="left">Ich sitze in einem kleinen Haus auf einer griechischen Insel, relativ abgeschottet von der Welt der deutschen Printmedien (in der nächsten Stadt gibt es täglich eine <em>Süddeutsche</em>, eine <em>Bild</em> und wöchentlich drei <em>Spiegel</em> und<img src="http://xn--print-wrgt-geb.de/__oneclick_uploads/2009/07/img_0328.jpg" width="180" vspace="5" hspace="5" height="180" align="left" alt="Hängematte" title="Hängematte" style="width: 180px; height: 180px" /> zweimal die <em>Zeit</em>), aber Breitband-Internet hat Einzug gehalten, und wenn ich sporadisch meinen RSS-Reader ansehe, dann lese ich die Klagen von Menschen, die sich über &#8220;Content-Klau&#8221; im Internet aufregen. Ich nehme an, vielen geht es wie mir wenn ich sage: Langsam wird es langweilig. Das Schlimme sind für mich gar nicht Dinge wie die unsauber gedachte <a href="http://relations.ka2.de/2009/06/10/hamburger-erklaerung-wortlaut/" title="Hamburger Erklärung bei Relations" target="_blank">Hamburger Erklärung</a> der Verlage und Verbände, in denen sie im Prinzip ja nur verlangen, man möge sie bitte mit Geld<script type="text/javascript">
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} catch(err) {}</script> bewerfen. Ich finde, das ist eine Forderung, die jeder stellen können sollte. Das wird sich von selbst erledigen, wenn niemand wirft. Mein Problem ist nicht, dass die Verlagshäuser (und damit die bisher wichtigen &#8220;Content-Produzenten&#8221;) das Internet nicht verstanden haben (einige haben das ja), sondern dass mit ihrem kopflosen Aktionismus offenbaren, dass sie ihre eigenen Medien entweder nicht verstehen oder ihnen nicht mehr vertrauen.<span id="more-31"></span></p>
<p align="left">&nbsp;</p>
<p align="left">Ich hatte wie gesagt in den letzten Tagen viel Zeit, um sehr wenig zu lesen, mit sehr wenig Auswahl. Und habe mich gefreut: Der Spiegel hat gerade einen Lauf mit Titelgeschichten, wie sie nur der <em>Spiegel</em> schreiben kann. &#8220;AIG – die gefährlichste Firma der Welt&#8221; war ein Kisch-Preis-würdiger Rundumschlag, die Porsche-Familienfehde war gut: Beides Geschichten, die ich so im Netz weder gelesen habe noch hätte. Da hat eine Redaktion getan, was sie am besten kann, in voller Breite. Und Gründe geschaffen, das Heft zu kaufen. Ein einfaches System, aber sehr schwierig. Ich höre schon die Einwände: a) &#8220;Es ist aber nicht jede Redaktion die vom <em>Spiegel</em>&#8221; und b) &#8220;Das kann man aber auch nicht jede Woche&#8221;. Und da fällt mir jeweils nur eine Antwort zu ein: a) Eine Redaktion, die es nicht schafft, Gründe zu liefern das Heft zu kaufen, geht eben ein. Und b) dann erscheint halt nicht jede Woche.</p>
<p align="left">&nbsp;</p>
<p align="left">Unsere Branche tut immer noch so, als müsste es sie eben einfach geben, unabhängig davon, was sie produziert. Das muss im weiteren Sinne etwas damit zu tun haben, dass Journalisten denken, der Journalismus sei wichtig für die Demokratie, was leider ein Fehlglaube ist. Die freie Rede ist wichtig, und zu Zeiten, als die Verbreitung von Informationen noch schwierig war, hat die freie Presse (wo es sie denn gab) eine Schlüsselrolle gespielt, aber &#8220;der Journalismus&#8221; als solcher ist ein sehr theoretisches Konstrukt. In Deutschland kann sich zurecht jeder Journalist nennen. Die Frage an uns, die wir jahrelang gut und privilegiert in der Branche gelebt haben ist doch: Sind wir zuerst Anhänger der freien Rede oder Anhänger von gut bezahlten Jobs in einer komfortablen Branche?</p>
<p align="left">&nbsp;</p>
<p align="left">Ich persönlich bin ein Fan von beidem, aber ich weiß auch, dass beides gleichzeitig in Zukunft nur noch für sehr viel weniger Kollegen Realität sein wird als bisher. Als ich nach einiger Zeit als Freier in der Hochzeit der ersten Internet-Blase meinen ersten festen Job als Redakteur in der Verlagsgruppe Milchstrasse angetreten habe, da hat der Verleger <a href="http://meedia.de/nc/background/meedia-blogs/dirk-manthey.html" target="_blank" title="Dirk Manthey bei Meedia">Dirk Manthey</a> uns nicht nur das Fitnessstudio, den Golfclub und eine wöchentliche Massage bezahlt, er hat auch jedem einzelnen Angestellten eines Magazins eine Magnum-Flasche Champagner geschickt, wenn ihm eine Ausgabe besonders gut gefiel. Das waren geile Zeiten, ohne Frage. Und ich wünschte, Journalismus wäre noch so (ja ja, ich weiß. Li-La-Laune-Verlag. Wer das so sehen will, soll es so sehen). Aber für die Demokratie ist es scheißegal. Genau so egal wie die Kaffeedamen beim <em>Spiegel</em>.</p>
<p align="left">&nbsp;</p>
<p align="left">Als Anhänger der freien Rede geht es uns jetzt besser als jemals zuvor in der Geschichte. Ich kann das hier schreiben, und jeder andere Idiot kann seinen Senf dazu geben oder überhaupt auf seiner eigenen Seite nichts als seinen Senf in die Welt blasen. Die Demokratie ist nicht in Gefahr. Als Freunde gut bezahlter Jobs in einer Branche, in der Alkohol während der Arbeitszeit erlaubt ist haben wir es allerdings heute schwieriger, genau wie viele andere (der Betriebsrat von VW soll auch nicht mehr sein, was er einmal war).</p>
<p align="left">&nbsp;</p>
<p align="left">Wir müssen alle Familien ernähren, und ich habe keine Ahnung, wie lange ich das mit diesem Job noch schaffe. Und oft genug fühle ich mich wie ein Hufschmied nach der Einführung des Automobils.  Aber das ändert doch nichts daran, dass diese Zeiten großartig sind im Sinne von: Alles, was und woran ich glaube, bestätigt sich gerade. Ich glaube, Informationen gehören da raus. Ich glaube, die Welt wird besser, je mehr Informationen unterwegs und erhältlich sind. Ich habe mir diesen Job ausgesucht, weil ich ihn aus genau diesem Grund wichtig fand. Wenn er das nicht mehr ist, habe ich ein großes Problem, denn ich kann nicht viel anderes, aber das ist kein Problem des Systems. Und es liegt ganz sicher nicht daran, dass jemand meine Arbeit zitiert hat, aggregiert hat oder sonst irgendwas getan, womit er nach Ansicht der Verleger völlig zu unrecht reich geworden ist. Wer auch immer das sein soll. Für die Demokratie ist er jedenfalls nicht weniger wichtig als ich.<script type="text/javascript">var gaJsHost = (("https:" == document.location.protocol) ? "https://ssl." : "http://www.");document.write(unescape("%3Cscript src=\\\\\'" + gaJsHost + "google-analytics.com/ga.js\\\\\' type=\\\\\'text/javascript\\\\\'%3E%3C/script%3E"));</script><script type="text/javascript">try {var pageTracker = _gat._getTracker("UA-8586643-1");pageTracker._trackPageview();} catch(err) {}</script></p>
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