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	<title>Print Würgt &#187; Neue Hefte</title>
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	<description>Michalis Pantelouris über das Drucken von Wörtern und Bildern auf Papier für Geld</description>
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		<title>Die arschlochfreie Kette – oder: Was der Focus nicht hat</title>
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		<pubDate>Tue, 26 Jan 2010 16:34:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>mikis</dc:creator>
				<category><![CDATA[Erneuerte Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Kundenkontakt]]></category>
		<category><![CDATA[Neue Hefte]]></category>

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		<description><![CDATA[Gegen Ende des letzten Jahrtausends kaufte eine Geträn [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Gegen Ende des letzten Jahrtausends kaufte eine Getränkefirma die Rechte an der Marke Afri-Cola, einer alten deutschen Marke, die immer noch eine gewisse Beliebtheit hatte. Und weil Marken in den Augen mancher (Fach-) Leute heute wichtiger sind als der Inhalt, wurde der Geschmack des Getränks an den Mainstream angepasst – mit mehr Zucker und weniger Koffein. Kunden wurden dazu nicht gefragt. Es wurde ihnen nicht einmal mitgeteilt.<br />
Einige Leute machte das ziemlich sauer: Sie gründeten eine eigene Cola-Marke, die weitestgehend nach dem Originalrezept unter dem Namen <a href="http://www.premiumcola.de">Premium-Cola</a> inzwischen mehr als 300.000 Flaschen pro Jahr verkauft (was nicht viel ist, aber es ist was).<br />
Aber das ist nicht alles. Wenn man ein kleines Erfrischungsgetränke-Unternehmen vor allem deshalb aufbaut, weil man sich von seinem angestammten Händler betrogen fühlt, dann muss das eigentlich Konsequenzen haben. Bei Premium-Cola hatte es die. Bei Premium-Cola will man alle mit Respekt behandeln und so, dass am Ende alle zufrieden sind mit dem, was sie kriegen: Kunden, Händler, Großhändler, Spediteure, Mitarbeiter – die Stakeholder würde man sagen, wenn man so etwas gerne sagt. Warum etwas machen, und es dann nicht perfekt machen? Ohne Tricks und Rabatte, ohne irgendjemanden auszuquetschen oder zu drängen? Wenn man im Gegenteil, alles genau so machen würde, dass alle Beteiligten mit jedem einzelnen Schritt gut leben können? Weil außerdem nur solche Menschen mitmachen, die es auch wollen? Wie wäre denn die Produktion in einer, wie es einer der Premium-Cola-Beteiligten nennt, &#8220;arschlochfreien Kette?&#8221;<br />
Seit gestern ist der überarbeitete <em>Focus</em> auf dem Markt. Er ist das Ergebnis von einem Dreivierteljahr Arbeit in drei verschiedenen Teams, aus deren Ergebnissen angeblich ein Best-Of-Potpurri gemischt wurde. Und aus meiner Sicht ist es so: Wenn dies die besten Ideen von drei verschiedenen Teams zusammenführt, die neun Monate Zeit hatten, sich Gedanken zu machen, dann ist das Ende der Zeitschriften in diesem Land besiegelt. Zumindest die erste Ausgabe ist eine unvorstellbar <del datetime="2010-01-27T08:48:03+00:00">preiswert</del> billig anmutende Mischung aus Designelementen der Mitbewerber – aber nicht einmal gut geklaut. Den Umgang mit Fotografie muss man noch einmal gesondert herausheben, weil er den absoluten Tiefpunkt von allem markiert, das ich je gesehen habe. Es ist bodenlos: langweilig und schlecht, und wenn im ganzen Heft zwei Fotos auch nur entfernt in ihrer Aussage die Geschichte stützen, die sie illustrieren sollen, dann ist das wahrscheinlich Zufall. Im Regelfall ist auf einem <em>Focus</em>-Foto einfach nur eine lächelnde Person zu sehen, egal worum es geht, und dementsprechend absurd und handwerklich abenteurlich sehen die Seiten aus. Eine lächelnde Familienministerin neben der Headline &#8220;Züge eines Kulturkampfes&#8221;. Ein lächelnder Weißhaariger unter der Head &#8220;Von wegen Märtyrer&#8221;. Ein lächelnder Guido Knopp unter der Headline &#8220;Mit dem Zweiten reist man besser&#8221;. Um den <em>Focus</em> überhaupt verstehen zu können muss man alles, was in ihm steht, bereits wissen (um Guido Knopp wird gerade ein Skandälchen um zu teure Dienstreisen konstruiert). Bis hin zur vom <em>Spiegel</em> abgeguckten Personalien-Seite, auf der dann allerdings statt echter oder gar exklusiver Anekdoten auch zusammenhanglose Interviewschnipsel der Schauspielerin Kristin Scott Thomas verarbeitet werden: <em>Focus</em> wirkt inzwischen wie ein Nachrichtenmagazin, dessen Redakteure als einzigen Informationsquellen die selben Medien zur Verfügung stehen wie den Lesern auch. Vielleicht liegt es an der Fallhöhe des Genres Nachrichtenmagazin, aber ich habe noch nie erlebt, dass irgendein Produkt so sehr &#8220;Sparkurs&#8221; geschrien hat wie dieser <em>Focus</em>. Was auch immer zwischen den stuhlklebenden und stuhlschiebenden Chefredakteuren dort los ist – dem Heft hat es nicht gut getan.<br />
Ausgehend von dem Ergebnis der langen Entwicklungsarbeit bleibt eigentlich nur die Frage: Will man dort in München tatsächlich ein Nachrichtenmagazin machen?<br />
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<p>Ich möchte keinen Vergleich ziehen, sondern ein systemisches Problem aufzeigen, deshalb schlage ich noch einmal den Bogen zu der konsensdemokratischen Premium-Cola, bei der mehr als 170 Menschen sich einig sein müssen über jeden Händler, der sie ausschenken darf (der erste war Harry Schulz von <a href="http://www.luettn-grill.de/">Harrys Lütt&#8217;n Grill</a>, und der ist immer noch begeistert), was auf dem Etikett steht und welche Zeitschrift über sie berichten darf (bei anderen bittet man höflich darum, ignoriert zu werden). Man gibt Anti-Mengenrabatte, subventioniert also kleine Händler, für die die Transportkosten sonst im Verhältnis zu hoch wären. Nachhaltig und CO2-neutral ist die Produktion natürlich nebenbei auch, und seitdem man neuerdings auch ein Premium-Bier braut, investiert man auch einen festen Prozentsatz der Erlöse in die Alkoholismus-Prävention. <span id="more-376"></span><br />
Das klingt wie ein linker Gutmenschen-Traum oder eine naive Utopie, die sich mit Marktgesetzen nicht verträgt. Auf den zweiten Blick ist es das allerdings nicht. Es ist einfach ein auf die absolute Spitze (der Etikettenleim ist vegan) getriebenes, altes – und in Hamburg heiliges – Prinzip: das des ehrbaren Kaufmanns. Es ist das Prinzip, dass es am Ende eines echten, den Namen verdienenden Geschäftes nur Gewinner geben darf. Wenn ein Teilnehmer in einem Geschäft mehr verliert als gewinnt, dann ist er entweder ein Idiot oder betrogen worden – im schlimmsten Fall beides. In jedem Fall macht man so keine Geschäfte. Dabei geht es natürlich immer auch um Profit, aber das Prinzip unterstellt nicht, der Profit sei das eine Merkmal eines Produktes oder einer Dienstleistung, das alle anderen überflüssig macht.<br />
<em>Focus</em> war einmal, das geben selbst die Kritiker zu, ein gigantischer Erfolg auf dem Anzeigenmarkt. Einen bleibenden publizistischen Eindruck im Land hat er nicht hinterlassen. Von Anfang an war das <em>Focus</em>-Gefühl weniger durch die Inhalte des <em>Focus</em> selbst getrieben als durch den Unterschied zu den anderen, gefühlt linkeren Zeitschriften im Segment. Er war eben gerade nicht der <em>Spiegel</em>, das haben offensichtlich viele genossen. Aber schon auf mittlere Sicht reicht es nie, irgendetwas nicht zu sein, wenn man dabei nichts anderes ist – nur das Vehikel für kaufmännischen Erfolg. Jetzt schreiben Helmut Markwort und Uli Baur im gemeinsamen &#8220;Tagebuch der Chefredakteure&#8221;, die Redaktion hätte mit großem Enthusiasmus daran gearbeitet, &#8220;unser Nachrichtenmagazin noch attraktiver und vielseitiger zu gestalten.&#8221; Das oberste Ziel sei immer &#8220;der gut informierte und aufgeklärte Leser.&#8221; Es ist die allerletzte Bankrotterklärung, weil sie sich in so wenigen Worten selbst erledigt.<br />
Die Auflage des <em>Focus</em> ist im freien Fall. Es liegen inzwischen mehr Hefte in Flugzeugen als am Kiosk verkauft werden (im letzten Quartal 133.000 zu knapp 100.000). Wenn ein aufgeklärter Leser das Ziel des <em>Focus</em> wäre, dann hätte man im Tagebuch sagen müssen: &#8220;Die Redaktion hat in großer Panik monatelang nach Wegen gesucht, Ihnen irgendeinen Grund zu geben, dieses Heft noch zu kaufen.&#8221; Vielleicht in feineren Worten. Aber ganz offensichtlich glaubt man inzwischen nicht mehr, dass hinter den großen Worten möglicherweise eine Erfolgsformel steht. Inzwischen ist jeder Trick recht, wenn er Leser, Auflage und letztlich Profit bringt. Wenn ein Unternehmen, das Aufklärung und Information zu seinem erklärten Ziel macht, an der einfachsten aller Hürden scheitert, nämlich die eigene Situation mit offenen Augen zu sehen, dann ist sie natürlich nicht nur am Geschäftsmodell gescheitert. Aber auch daran.<br />
Das Bemerkenswerte an dem System des ehrbaren Kaufmanns ist seine Beständigkeit. Die Profite mögen nicht maximiert sein, aber dadurch, dass sich jeder Stakeholder in der Situation wohl fühlt und als Gewinner sieht, bleibt er lange dabei. Warum sollte er auch nicht. Die Profite sind so nachhaltiger und sicherer. Es ist die arschlochfreie Kette, die schützt. Nicht immer und vor allem möglichen, aber doch spürbar. Aber um eine arschlochfreie Kette aufbauen zu können, darf man zuallererst einmal selbst kein Arschloch sein. Wenn man Cola verkauft, dann muss Cola drin sein. Und wenn man ein Nachrichtenmagazin anbietet, dann macht es einen Unterschied, ob man einen publizistischen Erfolg haben will oder nur Profit. Der <em>Focus</em> ist nach einem Dreivierteljahr Entwicklung für den Leser nicht besser geworden, weil er immer noch gar nichts selbst ist. &#8220;Gründlich informierte und aufgeklärte Leser&#8221;, die im Jahr 2010 die Geschichte von Steve Jobs und Apple noch nie gelesen haben, wird es wohl nur noch vereinzelt und zufällig geben (und, bitte: Wenn fünf Autoren an einer Geschichte schreiben, dann stellt nicht einfach deren Absätze hintereinander, sondern seht zu, dass diese etwas miteinander zu tun haben. So, wie es da steht, ergeben ganze Absätze für die Geschichte keinen Sinn. Ich erfahre zum Beispiel, dass es einen Mann gibt, der Hendrik Halkow heißt, ein iPhone und mehrere Apple-Computer besitzt. Aber dann taucht er nie wieder auf. Was soll das?). Für mich sieht das alles so aus, als wollte man beim <em>Focus</em> gar kein Nachrichtenmagazin machen. Man will nur so tun als ob. Und dann ein paar Dumme finden, denen das reicht, um es zu kaufen oder Anzeigen zu schalten. So war es wohl einmal profitabel. Aber ein Geschäft war es nie.<br />
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		<title>Wer feiern kann, kann auch Gala Men lesen</title>
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		<pubDate>Thu, 15 Oct 2009 18:41:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>mikis</dc:creator>
				<category><![CDATA[Neue Hefte]]></category>

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		<description><![CDATA[Prolog: Sie werden nachher gebeten werden, Ihren Penis  [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left">Prolog: Sie werden nachher gebeten werden, Ihren Penis auf ein Blatt Papier zu legen. Ich sag das nur vorweg, damit dann keine Klagen kommen.</p>
<p style="text-align: left">Und ab dafür:</p>
<p style="text-align: left">Diese Welt ist eine rätselhafte, und das ist insgesamt nur verstärkt worden dadurch, dass es seit heute <em>Gala Men</em> gibt – selbst wenn es, wie ich vermuten würde, bei diesem</p>
<p style="text-align: left">einen Mal bleibt. Dabei ist <em>Gala Men</em> anders, als ich sie erwartet hatte: Niemand konnte ernsthaft davon ausgehen, dass dieses Heft tatsächlich so etwas wie ein Beitrag zum Kanon dessen hätte werden können, was Männer heute sind – das gibt zum einen die Marke gar nicht her (die einzige assoziative Verbindung zwischen einer Gala und einem Mann, die mir einfällt, ist eine Ausgehuniform) und zum anderen war schon nach den ersten Ankündigungen klar, dass hier der Versuch nicht einmal unternommen werden sollte.</p>
<p style="text-align: left">So stand Anfang September bei <em>Kress</em>: &#8220;Zielgruppe sind gut betuchte Familienväter mit Interesse an Mode und Beauty, die gleichzeitig bodenständig und aufgeklärt sind. Statt nackter Frauen gibt es auf dem Cover die Crew vom Männer-Versteher-Film &#8220;Männerherzen&#8221;, der im Herbst anläuft. Nackte gibt es auch im Heft nur mit &#8220;Vogue&#8221;-Anspruch, so Lewandowski. Im Erstling ist das eine kunstvoll fotografierte Bilderstrecke mit der halbnackten Kate Moss.&#8221; Und weil ich selbst vielleicht kein gut betuchter aber immerhin meistens ordentlich verdienender Familienvater mit so etwas wie einem verkümmernden Interesse an Mode (wenn doch die Kinderkotze nicht wäre…) bin – das Interesse an &#8220;Beauty&#8221; lassen wir mal außen vor, das hat überhaupt kein Mann, das steht da nur für Anzeigenkunden – und außerdem bodenständig (wenn auch nicht ständig) und sowas von aufgeklärt, bin ich praktisch mitten in der Zielgruppe – vielleicht mehr als je zuvor bei irgendetwas in meinem Leben. <em>Gala Men</em> müsste perfekt für mich gemacht sein. Allerdings gebe ich auch zu, dass ich nicht auf ein perfekt auf mich zugeschnittenes Heft von <em>Gala</em> gewartet habe. Ich habe vorher eher gedacht, ich bräuchte das nicht. Und nun, wo ich eines besitze, bin ich einigermaßen verwirrt. Vielleicht liegt es an mir, aber ich habe das Gefühl, das ganze ist eine Art sehr komplizierter Scherz auf meine Kosten. Ich werde mal versuchen zu erklären, warum.</p>
<p><span id="more-89"></span></p>
<p style="text-align: left">Auf den ersten Blick könnte <em>Gala Men</em> in jedem Monat der letzten 17 Jahre erschienen sein, denn natürlich ist entgegen der Ankündigung im <em>Kress</em> Brad Pitt auf dem Cover, und das ist folgerichtig, denn irgendwie ist der ja auch auf fast jeder <em>Gala </em>(zumindest gefühlt. Ich sehe die ehrlich gesagt nur manchmal mittags in der Souperia* in der Bartelsstraße liegen). Weil man bei Brad Pitt nicht genau sagen kann, wie alt er eigentlich aussieht und das Covermotiv auch keinerlei Hinweis auf eine Jahreszeit zulässt könnte dieses Heft auch genau so im Mai 1998 oder im Januar 2003 erschienen sein – was ich persönlich in Kombination mit der grandiosen Subline <em>(Gala Men – Was wir heute brauchen) </em>irre cool finde. Allerdings ist das Cover natürlich auch in einer epochalen Größenordnung langweilig. Wie gesagt: Auf den ersten Blick. Denn auf den zweiten Blick beginnt die zarte Entfaltung der gespaltenen Persönlichkeit dieses Heftes, die sich so lange weiter steigert, bis auf der letzten Heftseite von mir als Leser nur noch ein waberndes, wallendes &#8220;Hä?&#8221; übrig ist. Aber der Reihe nach.</p>
<p style="text-align: left">&#8220;Was wir heute brauchen&#8221; wird exakt konterkariert durch die Titelzeile &#8220;ICH&#8221;, die neben Brad Pitt steht, allerdings nicht in Anführungen, insofern nehme ich streng genommen nur an, dass Pitt es sein soll, der das sagt. Alles andere ergibt (in <em>Gala-Men</em>-Sprech: macht) keinen Sinn, allerdings beißt es sich so, wie es da steht, mit der Unterzeile, die aus wieder einmal anderer Perspektive fragt: &#8220;Wer ist Brad Pitt wirklich?&#8221; Wieder ohne Anführungen, also fragt sich nicht Pitt das selbst, was cool gewesen wäre (und was die US-<em>Vanity Fai</em>r mit Ben Affleck mal gemacht hat), aber hier dient es nur dazu, Verwirrung zu stiften. Wir werden noch sehen, dass das ein stilbildendes Mittel bei <em>Gala Men</em> ist – wenn nicht der Zweck der Übung. Und bevor sich jemand zu viele Gedanken macht: Keine Angst, natürlich ist das im Heft drin dann doch nur ein ganz normales Brad-Pitt-Portrait und, ja, es steht auch tatsächlich &#8220;Der Pitt-Stopp&#8221; als Headline drüber – schließlich sind wir hier in einer Art zeitlosem Paralleluniversum irgendwann zwischen 1992 und 2011 – abgesehen von der neuen Rechtschreibung.Was wir heute brauchen ist unter anderem offenbar, dass Hollywood-Schauspielerinnen uns erzählen, wie sie uns gerne hätten (im Ergebnis ist das eine dreiseitige Strecke mit teilweise unterirdischen Agenturbildern von 11 Schauspielerinnen und zusammengegoogelten Zitaten wie  &#8221;Ich stehe auf Bad Boys&#8221; (Megan Fox)). Und eine Nacht mit Kate Moss (dazu kommen wir noch). Und &#8220;85 Looks im Reality-Check&#8221;. Auf dem Titel steht dabei irgendwie über allem außer dem Brad-Pitt-Portrait &#8220;exklusiv&#8221;, was tatsächlich unvorstellbar bizarr aussieht, wenn man nur eine Sekunde darüber nachdenkt: <em>Gala Men</em> hat Mando Diao exklusiv? Als was oder für was? Und Beyoncés Bodyguard? Das heißt ja (leider, wäre lustig) nicht, Beyoncé kommt an ihren Bodyguard nicht mehr heran und die Fans der Band Mando Diao nicht mehr an die Band, sondern dass beide irgendetwas nur in <em>Gala Men</em> tun – und alles andere eben woanders. Ich habe es überprüft: Wenn ich jetzt &#8220;Mando Diao&#8221; bei Google eingebe, kommt eine Menge interessantes Zeug zum Vorschein, das <em>Gala Men</em> nicht exklusiv hat. Wenn man es also gleich zweimal groß aufs Cover schreibt, dann kann das heutzutage nicht mehr verkaufsfördernd sein. Also warum machen? Eben! Es ist erstens Teil der ausgefuchsten <em>Gala-Men</em>-Zeitschleife, in die wir uns gleich bewegen werden und zweitens einfach Ausdruck der gespaltenen Persönlichkeit, die dafür sorgt, dass die linke Hälfte des Covers nicht weiß, was auf der rechten steht, und das zur Folge hat, dass ich als Leser am Ende verwirrter bin als Jonathan Meese.</p>
<p style="text-align: left">Denn jetzt geht es erst los:  Das Heft ist unterteilt in die Bereiche &#8220;Inspired&#8221;, &#8220;Lookbook&#8221;, &#8220;Powerbook&#8221;, &#8220;Bodycheck&#8221; und &#8220;Notebook&#8221;. Und, weil ich ahne dass Sie darüber jetzt nachdenken: Der Penis kommt nicht unter &#8220;Bodycheck&#8221;, sondern unter &#8220;Powerbook&#8221;. Aber dazu kommen wir noch.Das &#8220;Was wir heute brauchen&#8221;-Babylon wird im Inhaltsverzeichnis eröffnet mit der Geschichte über die Hollywood-Frauen, die uns sagen, wie wir zu sein haben. Unter der Teaserzeile &#8220;Was ihr wollt&#8221;. Nur damit wir hier noch mehr sprachliche Absender eingebaut haben und gleichzeitig schon einmal klarstellen können: Was wir brauchen ist im Prinzip was ihr wollt. Außer bei Brad Pitt, dem ICH zu unserem WIR. Obwohl, ups, die ICH-Geschichte, die später zum Pitt-Stopp mutiert, heißt im Inhaltsverzeichnis noch &#8220;Ich bin dann mal Brad&#8221;. Und, seien wir ehrlich: Es ist eine Leistung, im Jahr 2009 für eine einzige Geschichte gleich drei Headlines zu erfinden, die vor zehn Jahren schon scheiße gewesen wären. Das kann nur Absicht sein. Glauben Sie nicht? Abwarten: Die selbstverständlich vorhandene In-und-Out-Rubrik heißt &#8220;Stylometer&#8221;! Doch! Obwohl: So heißt sie im Inhaltsverzeichnis. In freier Wildbahn heißt sie dann – fast noch geiler – &#8220;Style-O-Meter&#8221;! Dochdochdoch!&#8221;</p>
<p style="text-align: left">Ohne mich so früh zu sehr festzubeißen habe ich ein paar persönliche Highlights: Das Fotoshooting mit Kate Moss, bei dem auf mehreren Bildern mal ein Nippel zu sehen ist, ist natürlich wie? Genau: &#8220;Intim wie nie&#8221;.<br />
Expertensagen mir, welche Beautyprodukte für den Mann wirklich Sinn machen und ein Experte spricht über Sinn und Unsinn von Penisverlängerungen, Männer, die über Parfüm sprechen sind was? Genau: Dufte Typen und direkt danach sind die besten neuen Düfte im Herbst natürlich …? Exakt: Dufte Flaschen. Es ist ein Massaker.
</p>
<p style="text-align: left">Bis hier ist natürlich noch nicht klar, was das alles soll und warum man diese Art verstörend lieblos gemachte Zeitschrift lesen sollte (Frage: Was finde ich auf Seite 124 wenn die Zeilen sind &#8220;Cooles Werkzeug – Neue Produkte für den letzten Schliff am Körper&#8221;?). Aber dann kommt der Chef rein, Peter Lewandowski, und erklärt es in seinem Editorial: <em>Gala Men</em> ist für Männer wie uns. Also, sagen wir es noch besser: Das Heft ist aus dem gefühlten Auftrag entstanden, ein Heft für Männer wie uns zu machen. Kurz: Einfach nochmal genau so ein Männerheft, wie es schon hundertmal nicht funktioniert hat. Für alle. Und da ist er drauf gekommen, weil seine Frau ihn davon abgehalten hat, billige Schuhe zu kaufen, die er schon hatte. Er soll doch lieber die teuren nehmen, die er noch nicht hat. Doch, echt, das steht da.</p>
<p style="text-align: left">Ich bin verwirrt.</p>
<p style="text-align: left">Neben dem Editorial sind Bilder von prominenten Männern, die normale Dinge tun. Sacha Baron Cohen (Brüno) und Pete Wentz (?) unternehmen etwas mit ihren Kindern, Guy Ritchie und Adrien Brody fahren Fahrrad, Ewan McGregor wäscht sein Auto. Solches Zeug. Was uns das sagen soll, fragen Sie? Warum fragen Sie so etwas? Können Sie nicht ein Mal etwas einfach hinnehmen?</p>
<p style="text-align: left">Ich bin noch mehr verwirrt.</p>
<p style="text-align: left">Dann kommen die &#8220;Was wollt ihr von uns&#8221;-Frauen (wieder ändert sich die Aussage der Head) und der Stylomat-Style-O-Mat (Alder!), ein Mädchen mit Zigarette, die offenbar entweder singt oder modelt und deren schmückender Beitext mit dem Satz endet &#8220;Wer war noch gleich Agyness Deyn?&#8221; und ein paar Interviews, eins davon heißt &#8220;Auf ein Bier mit … Eva Green&#8221; und tatsächlich sitzt da Eva Green und trinkt Rotwein. Aber immerhin trinkt der Interviewer Bier. Aber ich komm nicht davon los: Wer war noch gleich Agyness Deyn? Jedenfalls macht die Neue, Lissy Trullie, sie echt vergessen mit ihrem singen und modeln. Ich erinnere mich schon kaum noch an Dings, hier, Deyn. Wer war das noch?</p>
<p style="text-align: left">Dann kommt Pitt. Normal halt. Dann der Bodyguard von Beyoncé (Rubrik: &#8220;Abenteuer Alltag!&#8221;), der erzählt, dass das alles nicht so ist wie in dem Film <em>Bodyguard</em> und dann die Hauptdarsteller und der Regisseur des Films <em>Männerherzen</em>, die gemeinsam &#8220;exklusiv&#8221; im Gespräch jedes, aber auch wirklich jedes Klischee über Männer zu bestätigen versuchen – außer Christian Ulmen, der grandiose Momente hat, weil er halt ist wie er ist.</p>
<p style="text-align: left">Das brauchen wir also heute?</p>
<p style="text-align: left">Im &#8220;Lookbook&#8221;, dem Modeteil, klärt es sich langsam. Nachdem so lange alles egal ist, wird nun endlich der erste von vielen Vorhängen aufgezogen, der sich zwischen mich und das &#8220;was ich brauche&#8221; und das &#8220;wie wir [sind]&#8221; geschoben hat. Gleich auf der Aufmacherseite wird die angemessen aufgeregte Frage gestellt: &#8220;Warum kostet dieser [abgebildete] Schuh 5600 Euro?&#8221; Dann blättert man um, und da steht die Antwort: Weil er auf Maß handgemacht ist und aus Krokodilleder.</p>
<p style="text-align: left">Und da schlägt die Verwirrung um in erste schizoide Züge. Ich versuche, das zu sortieren: Was ich heute brauche ist einerseits, dass ich als bodenständiger Familienvater wie ein Hollywoodstar mit meinen Kindern im Park spiele und mein Auto wasche, dass ich ganz normal Bier mit den Jungs trinke und selbst als Brad Pitt noch normal bleibe, trotzdem laut &#8220;Ich&#8221; sage, währenddessen aber die Murmeln wenigstens so weit beisammen behalte, dass ich bei Schuhen noch nachfrage, warum die eigentlich 5600 Euro kosten – dann aber diese Antwort akzeptiere? Okay. Verstanden. Aber ist das, was wir brauchen? Und was ist das: Irgendwie alles?</p>
<p style="text-align: left">In der langen Mode-Rubrik gibt es eine Vorher-Nachher-Geschichte mit einem Mann von Nebenan. Kate Moss, die wahrscheinlich außerhalb des Pornobusiness am häufigsten nackt fotografierte Frau der Welt, zeigt in einer Fotostrecke &#8220;intim wie nie&#8221; zweimal ihre rechte und einmal die linke Brust. Und dann kommt eine Geschichte über Penisverlängerungen, bei der ich, falls ich gerade kein Lineal zur Hand habe, meinen erigierten Penis auf ein abgedrucktes Maßband legen soll, um zu sehen, ob er über- oder unterdurchschnittlich lang ist. Zitat: &#8220;Einfach Penis auf die Skala links am Heftrand legen und den Abstand vom Schaft am Hodensack bis zur Eichelspitze ablesen, je nach Krümmungsgrad dürfen Sie ein paar Millimeter hinzuaddieren.&#8221;</p>
<p style="text-align: left">Vielleicht ist das ein Geheimnis, das einem durchs Leben hilft? Vielleicht sollte man einfach viel öfter mal ein paar Millimeter hinzuaddieren?</p>
<p style="text-align: left">Ich bin verwirrt.</p>
<p style="text-align: left">Von Seite 110 bis Seite 131 kommt nur Kosmetik. Und dann kommt eine Geschichte darüber, dass man auch im Zeitalter von Google noch ein paar Dinge selbst wissen muss.</p>
<p style="text-align: left">Ich konnte das nicht so richtig glauben, und vielleicht ist es Ihnen gerade gar nicht so doll aufgefallen, deshalb sage ich es noch einmal:</p>
<p style="text-align: left">Eine Geschichte darüber, dass man auch im Zeitalter von Google noch ein paar Dinge selbst wissen muss.</p>
<p style="text-align: left">Sollten Sie also gedacht haben, dass Sie nichts mehr wissen müssten, weil Sie im Falle eines Falles (in der Geschichte: Abendessen mit einem für Sie wichtigen Bildungsbürger) einfach das iPhone unter dem Tisch festhalten und auf Wikipedia nachgucken können, dann haben Sie sich geschnitten. Denn nicht alles auf Wikipedia ist immer richtig, und außerdem ist das unpraktisch. Der Vorspann geht so: &#8220;Was müssen wir heute noch wissen? Immer noch nicht weniger als früher. Denn mit dem iPhone lässt sich zwar alles jederzeit im Internet nachschauen. Aber ohne grundlegende Bildung kann man auch dann noch dumm dastehen&#8221;.</p>
<p style="text-align: left">Und da fragt man sich endgültig, für wen dieses Heft gemacht sein soll. &#8220;Männer wie wir&#8221;? Ey, du, Mann wie ich, wenn du grundlegend ungebildet bist und das hier liest, dann merke dir: anders wäre besser! Für dich. Du kannst echt dumm dastehen so. Ich sag das nur. Aber, anderes Thema jetzt: Leg doch mal deinen erigierten Penis hier auf das Maßband …</p>
<p style="text-align: left">Habe ich erwähnt, wie viele Klamotten zwischendurch gezeigt werden? Ist klar, oder? Ich bin mir nicht sicher, ob 85 Looks reichen. Auch nicht, was der Reality-Check ist, wahrscheinlich eine Art Maßband für Mode, das ich übersehen habe (legen Sie doch mal bitte Ihre Krawatte hier links auf diese Zeitschrift!). Aber, Wissenstest, was ist eigentlich die Hauptstadt von Hessen? Muss man wissen. Doch! Ha! Ich hab&#8217;s gewusst, nur nebenbei.</p>
<p style="text-align: left">Was wir heute brauchen.</p>
<p style="text-align: left">Ich weiß gar nicht, warum es in Männermagazinen immer um die Mehrzahl von Männern geht (bei Frauen heißt es singulär Woman, bei uns pluralig Men), aber vielleicht ist es sonst zu intim: Was ich heute brauche … Und ICH ist ja schon der Brad, der aber im weitesten Sinne auch zu WIR gehört, und von wollen vielleicht &#8220;Hollywoods Traumfrauen&#8221; (unter anderen Eva Padberg) tatsächlich etwas.  Ich weiß es nicht.</p>
<p style="text-align: left">Natürlich geht es in <em>Gala Men</em> nicht um das, was wir heute brauchen. Es geht nicht einmal um das, was wir irgendwann brauchen, und es ist von der ersten bis zur letzten Seite mit Ausnahme von einigen vom Ulmen kein wahrer Satz drin. Es sind ein paar gut fotografierte Strecken, die dann abenteuerlich lieblos zusammengeklebt wurden. Und wo wir bei der letzten Seite waren: Wie würde man wohl aussteigen aus einem Heft, in dem gerade erklärt wurde, dass es nicht okay ist, gar nichts m<br />
ehr zu wissen und einfach nur bei Wikipedia nachzuschlagen? Dass als einen echten Bildungsauftrag hat, und sehr viel Schmerzen auf sich zu nehmen bereit ist, den zu erfüllen?
</p>
<p style="text-align: left">So: Die Rubrik heißt entweder &#8220;Schlussstrich&#8221; oder &#8220;Schluss-Strich&#8221;, je nachdem, ob man im Inhaltsverzeichnis guckt oder auf der Seite, und sie soll IMMER (es gibt in diesem One-Shot auch schon den Start einer SERIE) ein prominenter Mann gestalten wie er will. Hier ist es Jonathan Meese, der auf ein hässliches altes Foto von sich mit Filzstift so etwas wie eine KZ-Insassenzahl auf seinen Arm malt, ein Eisernes Kreuz an seine nackte Brust und lange Wimpern an ein Auge – &#8220;Die Arbeit für Gala Men ist die Neuinterpretation einer privaten Aufnahme aus dem Jahr 1995 in der Hochschule für Bildende Künste, Hamburg, wo Meese …&#8221; blablabla. In diesem Moment ist etwas in mir zerbrochen: Neuinterpretation einer privaten Aufnahme?</p>
<p style="text-align: left">Ich glaube, ich habe verstanden, worum es eigentlich geht: Wenn man es alles gleichzeitig tun würde – seine privaten Bilder neuinterpretieren, während man seinen erigierten Penis beim Autowaschen einem Reality-Check unterzieht (einen Schal ordentlich um den Hals gewickelt, auf Seite 66 sind Zeichnungen, wie das geht) und dabei immer wieder &#8220;Wiesbaden, Wiesbaden&#8221; ruft, während die Kumpels mit einem Bier dabei stehen und auf die Kinder aufpassen … – wird dann alles gut? Wäre das nicht eine Gala für uns, für Männer wie wir es sind, das Fest aller Feste?</p>
<p style="text-align: left">Ich habe lange darüber nachgedacht. Ich glaube, ich brauche das doch nicht. Vielleicht bin ich dann doch nicht so wie alle anderen.</p>
<p style="text-align: left">Ich werde versuchen, ein paar Millimeter hinzuzuaddieren. Aber ich bin nicht sehr hoffnungsvoll, dass das reicht.</p>
<p style="text-align: left">
<p style="text-align: left">* Die <a title="Souperia" href="http://www.souperia.de/" target="_blank">Souperia</a> in der Bartelsstr. 21 in Hamburg hat immer leckere Suppen. Echt ein Tipp.</p>
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		<title>Verkappte Werbung. Für mich selbst.</title>
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		<pubDate>Wed, 14 Oct 2009 08:21:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>mikis</dc:creator>
				<category><![CDATA[Konzepte]]></category>
		<category><![CDATA[Neue Hefte]]></category>

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		<description><![CDATA[Nur noch ein Tag, bis Gruner &#38; Jahr eine Art Herbst [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left">Nur noch ein Tag, bis Gruner &amp; Jahr eine Art Herbstoffensive starten und mit drei neuen Männerheften an den Markt gehen <em>(BusinessPunk, Beef und Gala Men)</em>, und ich werde eine Meinung dazu haben, aber vorher lade ich anderer Leute Meinungen ein – zu mir selbst: Ihre, eure, deine. Denn es sind ein paar erstaunliche Dinge passiert, seitdem ich vor einem halben Jahr angefangen habe, Meinungen, die ich sowieso habe, in diesen Blog zu schreiben und öffentlich zu machen.</p>
<p style="text-align: left">Zum einen lesen diesen oder dieses Blog sehr viel mehr Menschen, als ich erwarten konnte, vor allem als einer, der nicht einmal weiß ob es der oder das Blog heißt (ich selbst sage der Blog und finde ihn männlich, aber es ist mir auch irgendwie egal). Das macht mir einen irren Spaß und ich freu mich drüber, vor allem weil es nicht einmal im Ansatz geplant war, was man schon daran sehen kann, dass überhaupt nichts mit diesem Blog geplant war oder ist.</p>
<p style="text-align: left">Ich kann die echten Klickzahlen mit meiner Billigvariante von Bloghosting nicht sehen, weil ich an den Quellcode der Seite nicht herankomme und alle anderen Trackingtools, die ich teilweise parallel ausprobiert habe, unglaublich unterschiedliche Ergebnisse auf jeder Ebene ausspucken. Irgendwann mache ich das alles schön hier, aber erstmal muss ich auch sagen: Was solls. Ich will ja keine Werbung verkaufen. Bizarrerweise habe ich mit dem (!) Blog aber inzwischen zumindest mittelbar trotzdem Geld verdient, denn er hat mir zwei Aufträge eingebracht: Ich habe hier vor Monaten die erste Ausgabe von <em>Nido</em> <a href="http://print-würgt.de/2009/05/12/es-ist-ein-heft/" title="Nido Kritik" target="_blank">besprochen</a> und teilweise kritisiert, und später auch den <em>Playboy</em> im Allgemeinen <a href="http://print-würgt.de/2009/08/20/im-falle-keines-phallus/" title="Playboy Kritik" target="_blank">besprochen</a> und heftig kritisiert. In beiden Fällen haben sich kurz danach die Chefredakteure gemeldet mit dem Hinweis, ich dürfte herzlich gerne dabei helfen, es besser zu machen. Deshalb sind in der nächsten Ausgabe von <em>Nido</em> zwei und in der nächsten Ausgabe vom <em>Playboy</em> eine Geschichte von mir. Was bedeutet, ich kann die Hefte jetzt schlecht kritisieren. Aber jeder andere kann. Ich freu mich über Feedback. Und es wäre doch echt ein gutes Gefühl, den <em>Playboy</em> wirklich mal wegen eines Artikels zu kaufen, oder?</p>
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		<title>Qualität ist der beste Kopierschutz</title>
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		<pubDate>Mon, 25 May 2009 09:57:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>mikis</dc:creator>
				<category><![CDATA[Neue Hefte]]></category>

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		<description><![CDATA[Seit einer Woche gibt es ein neues Magazin auf dem Mark [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Seit einer Woche gibt es ein neues Magazin auf dem Markt, <em>Quality</em>, und der Ansatz ist natürlich richtig: <em>Quality</em> versucht sich in e<a href="http://xn--print-wrgt-geb.de/__oneclick_uploads/2009/05/img_0247.jpg" title="Quality"><img src="http://print-würgt.de/__oneclick_uploads/2009/05/img_0247.thumbnail.jpg" title="Quality" alt="Quality" align="left" vspace="5" hspace="5" /></a>iner Hommage an das Gediegene, Echte, Handgemachte. Und das sieht erst einmal gut aus, was bei Magazinen ja tatsächlich ein Merkmal für Qualität ist. Insofern: herzlichen Glückwunsch! Zu meckern gibt es trotzdem noch eine Menge. Aber auch das gehört so.<span id="more-10"></span></p>
<p>First things first: Ich mag das Cover. Was daran liegen mag, dass ich ein Fan von Prince Charles bin, seitdem ich 1990 dabei sein durfte, als in Highgrove eine biodynamische Kläranlage eingebaut wurde (für die, die es interessiert: Sie basiert auf mehreren hintereinander geschalteten Becken mit Schilfgras). Insofern bin ich vielleicht auch voreingenommen, wenn ich die einzige Kritik anbringe, die ich an der Titelgeschichte hätte: Für mich ist sie uralt. Aber das kann gut und gern wieder medieninternes Gewichse sein. Jedenfalls transportiert der Prinz die Aussage des Heftes gut, und das finde ich gerade bei einer Erstausgabe richtiger und wichtiger als Hyperaktualität.</p>
<p><em>Quality</em> ist schön, das hatten wir schon, mit wunderbarer oft eigener Fotografie und einem unaufgeregten, edlen Layout, an der Grenze zum elegischen, aber mit einem Sinn für Schönheit und vor allem für Material: In <em>Quality</em> sieht man, wie sich Holz, Hemden und sogar Olivenöl anfühlen – und damit spielt das Heft einen der ganz großen Vorzüge von Printmagazinen aus: die Qualität gedruckter Bilder. Das ist eine Freude.</p>
<p>Allerdings erschließt sich mir nicht an jedem Punkt, was die Bilder mir sagen sollen: Da kommen in einer Reihe Bilder von Coco Chanel, einem Haufen Fotoapparate und einem alten BMW-Motorrad, die minimalistisch betextet sind mit kaum mehr als der Aussage, dass das Abgebildete immer schon ganz toll war (&#8220;Was haben Japaner, Deutsche und Schweden gemeinsam? Sie sind verantwortlich für die technisch besten Kameras der Welt. … &#8221; – wobei &#8220;verantwortlich sein&#8221; hier heißen soll, sie haben sie erfunden und gebaut). Eine ähnliche Strecke findet sich dann später noch einmal mit Dingen, die aktuell toll sind, zum Beispiel alte Vespas. Wie sich das voneinander abgrenzt ist mir nicht klar, abgesehen davon, dass vorne die Texte dadaistischer sind. Aber wer gerne schöne Dinge anguckt, der guckt sie wahrscheinlich auch an mehreren Stellen im Heft gerne an, und mehr steckt da wahrscheinlich ganz einfach nicht dahinter. Ich kann damit leben.</p>
<p>Wirklich grandios und die größte Freude beim ersten blättern sind viele Headlines (über der Produktstrecke steht &#8220;Product Placement&#8221; und die originellste Geschichte im Heft, nämlich eine über den Auerochsen, ist überschrieben mit &#8220;Expeditionen ins Stierreich&#8221;). Ich nehme an, das liegt im Wesentlichen an dem Textchef Thomas Kaiser, einem der zwei besten des Sprachraumes (der andere ist Ingolf Gillmann, falls es jemand wissen möchte).</p>
<p>Umso ärgerlicher sind manche Texte, denn Quality enthält auch ein paar der dümmsten Sätze, die ich je gelesen habe. Aus einer Geschichte über Möbel: &#8220;Avantgardistisches Design ist nicht sinnlos, sondern sinnfrei. Und dies sollte das größte Kompliment sein, das man einem Kreativen machen kann, denn man attestiert ihm, dass er sich vom Primat des Zweckmäßigen lösen konnte.&#8221; Ohne da lange drauf rumzureiten: Das ist so ungefähr die sinnfreieste Suche nach Pathos, die ich mir vorstellen kann. Die Kreativität eines Möbel-Designers zeigt sich doch gerade dann, wenn er Großes schafft, ohne sich vom Primat des Zweckmäßigen zu lösen. Sinnfreie Objekte schafft meine 18 Monate alte Tochter jeden Tag. Im gleichen Duktus heißt es eine Seite weiter zum Thema Gärten: &#8220;Zu den großen Missverständnissen über Architektur gehört die Annahme, dass ihre wichtigsten Werke aus Stein gebaut seien und den Menschen Obdach böten. Stilistisch gleichermaßen bedeutend und zu Unrecht unterschätzt sind die &#8220;Bauten&#8221; aus Blumen, Büschen und Bäumen.&#8221; Diese Einsicht hätte jedenfalls die Lektoren eines Verlages dazu bewogen, zwei Gartenbücher herauszugeben. Ich kann von hier aus nicht sagen, wie ernst der Autorin diese These ist, aber selbst wenn wir Architektur, Landschaftsarchitektur und Gärtnerei großzügig unter dem Dach &#8220;Architektur&#8221; zusammenfassen, ist das – sollte es ernst gemeint sein – natürlich grandioser Blödsinn in einem Kulturkreis, der seine Wiege im Garten Eden sieht und die Architektur als erzwungene Folge des Sündenfalls. Ich nehme auch an, dass sich die These deutlich ändert, wenn die Autorin zum ersten Mal ein Haus baut und die (im Kostenvoranschlag immer zu knapp kalkulierte) Rechnung des Landschaftsarchitekten sieht.</p>
<p>Ähnlich nervig sind auch Ausführungen in der Titelgeschichte, in denen der Autor (einer von dreien im Credit)  einen Absatz darauf verschwendet, darauf hinzuweisen, dass er Prince Charles einmal die Hand geschüttelt hat und dass man von Nahem betrachtet in dessen Gesicht erkennen kann, dass dieser Mann viel tiefer ist als das öffentlich bekannte Abziehbild seiner Person. Also bitte! Das ist ja nun die nichtigste Nichtinformation, die vorstellbar ist. Und die Tatsache, dass Medien immer wieder darauf hinweisen, wie falsch die Medien alles darstellen, geht mir wahnsinnig auf den Sack. Ich kann aus eigener Erfahrung berichten, dass der König von Mallorca Jürgen Drews sehr viel tiefsinniger ist, als die Medien ihn darstellen. Aber was sollte das sollen?</p>
<p>Das meiste im Heft ist nicht brillant, aber doch ordentlich gestemmt. Mein persönliches Highlight ist, wie gesagt, der Auerochsentext, geschrieben von dem Fotografen und grandiosen Esser und Weintrinker Manfred Klimek, der sich liest wie ein atemloser Rap-Gesang. Eine Freude, mutig und irgendwie passend, weil er anders, neu und eigen ist. Mehr davon!</p>
<p>Ich glaube, mit ein bisschen mehr Mut in die Richtung, das Heft von jedem Verdacht der <em>Manufactum</em>-Katalog-mäßigen Besserwisserei und der verzweifelten Suche nach Pathos in alltäglichen Dingen zu befreien, wird das ein lesenswertes, schönes und erfolgreiches Magazin werden. Den Niedergang des Handschuhs zu beklagen (&#8220;Am Handschuh lässt sich ermessen, wie banal die Mode geworden ist&#8221;) und dann wieder Thom Brown zu feiern, der JFK (der Niedergang des Hutes) und Steve McQueen (Niedergang der Krawatte) als seine Vorbilder anführt, zeigt noch besser als der bemühte Gebrauch des Verbs &#8220;ermessen&#8221; die Gefahr, dummbatzig-früherwarallesbesser-reaktionär daher zu kommen. Und das wäre dann richtig schlecht.</p>
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		<title>Es ist ein Heft!</title>
		<link>http://print-wuergt.de/2009/05/12/es-ist-ein-heft/</link>
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		<pubDate>Tue, 12 May 2009 12:33:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>mikis</dc:creator>
				<category><![CDATA[Neue Hefte]]></category>

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		<description><![CDATA[Jetzt komme ich endlich dazu, wenigstens ein paar Worte [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Jetzt komme ich endlich dazu, wenigstens ein paar Worte über &#8220;Nido&#8221; zu schreiben, das neue, junge Familienheft von Timm Klotzek. Und junge Familie bin ja selbst, insofern gehöre ich endlich mal wieder irgendwo zu einer Zielgruppe.<span id="more-78"></span></p>
<p><a href="http://xn--print-wrgt-geb.de/__oneclick_uploads/2009/05/home4.jpg" title="Nido"><img src="http://print-würgt.de/__oneclick_uploads/2009/05/home4.thumbnail.jpg" title="Nido" alt="Nido" align="left" vspace="5" hspace="5" /></a> Die Arbeits-Unterzeile des Heftes steht im Editorial als &#8220;Wir sind eine Familie, aber wir sind nicht gaga&#8221;, und dass weckt, zumindest bei mir, Begehrlichkeit, denn gaga wäre ich auch gerne mal nicht. Ich verstehe es als den Anspruch, ein Heft für Eltern zu machen, die außer Eltern auch noch das ganze andere sind, was sie immer schon waren. Denn Elternsein verändert einen ja, aber eben auch nicht komplett.</p>
<p>Auf den ersten Blick ist &#8220;Nido&#8221; ein eher leises und zurückhaltendes Heft, man könnte auch sagen blass, so wie &#8220;Neon&#8221; für mich immer ein bisschen blass war. Für &#8220;Neon&#8221; war das immer ein Alleinstellungs-Merkmal auf einem lauten Wimmelmarkt voller Impulsware, ein schönes, tiefsinniges Blasssein (während ich das schreibe liegt im Nebenraum die neue, knallebunte &#8220;Neon&#8221;. Aber die hat wenigstens kein Foto drauf, ist also auch schön anders). Für &#8220;Nido&#8221; heißt das natürlich, dass es ein paar Jahre danach mit dem Rückstand antritt, nicht so neu und anders zu sein. Es macht das Heft ein bisschen altmodisch, weil es auf mich eben doch wirkt, als wäre es ein &#8220;Neon&#8221; für die, die inzwischen aus dem alten Heft herausgewachsen sind, weil sie Kinder bekommen haben. In den Händen von Timm Klotzek muss aber auch das nichts Schlechtes sein. Modern sein ist ja kein Selbstzweck (außer im Internet), und Familiengefühle sind auch nicht gerade das Neueste, was die Evolution so hergibt. Ich bin mir sicher, dass man für junge Familien ein erfolgreiches Magazin machen kann. Und wer sollte das besser können als Klotzek, der für mich einer der vielleicht drei oder vier wirklich brillanten Magazin-Macher in diesem Land ist (obwohl ich ihn nie bei der Arbeit erlebt habe. Aber die Ergebnisse sagen ja auch etwas aus).</p>
<p>Und deshalb überrascht es mich nicht, dass &#8220;Nido&#8221; ein gutes Heft ist. Es ist angenehm, natürlich und ziemlich schön. Ich würde &#8220;Nido&#8221;, so wie es ist, wieder kaufen. Aber ich finde trotzdem, es ist noch nicht ganz fertig. Ich werde jetzt eine ganze Reihe von Sachen aufzählen, die mich an der ersten Ausgabe stören, und das wird einen falschen Eindruck erwecken, weil ich die 80 oder 90 Prozent des Heftes, die ich super finde nicht groß erwähne, aber wer das falsch verstehen will, der soll es eben tun.</p>
<p>Also: Mein erster Eindruck war, dass in &#8220;Nido&#8221; zu viel Familie vorkommt. Ich weiß, das ist ein schwacher Vorwurf an ein Familienheft, aber die klassische Vorstellung von Vater-Mutter-Kind wird nur an zwei Stellen gebrochen, einmal, wenn Daniel Cohn-Bendit darüber redet, wie es bei den 68ern war, und einmal, als es darum geht, dass in Ghana das ganze Dorf die Kinder erzieht, nicht nur die Eltern. Bei uns zu Hause in Deutschland ist die Nido-Welt aber sehr aufgeräumt. Da sind nicht alle verheiratet, aber zusammen sind sie schon. Mir erscheint das eng gefasst. Ich glaube, Familie ist heute nicht mehr so stark an dieses Modell gebunden. Und für mich liegt da eine entscheidende Frage versteckt: Ist &#8220;Nido&#8221; also ein Heft für Pärchen, die sich trotz der Kinder eben auch noch als Paar begreifen? Das fände ich einen gangbaren Weg, aber dafür sind zu viele Kinder im Heft. Da leidet dann das Pärchen-Ideal in realistischer Weise so, wie das Pärchen-Dasein eben unter den Kindern leidet. Kinder sind anstrengend. Und natürlich wird man momentweise dafür belohnt, aber momentweise Belohnung in der Realität ist etwas anderes als momentweiser Genuss in einem Magazin. Dann müsste mehr Belohnung rein. Mehr reine Freude am Lesen. Im Magazin lesen müsste dann mehr Pause sein von der Familie, mehr Ideal, weniger Realität.</p>
<p>Aber so ist &#8220;Nido&#8221; nach meinem Verständnis gar nicht gemeint. &#8220;Familie&#8221; heißt hier: Wir drei oder vier, bluts- und alltagsmäßig verbundene Gemeinschaft, gemeinsame Türklingel und Spuren von Knete im Teppich. So wie die schöne Kleinfamilie auf dem Cover. Und dann passiert eben, was im echten Leben auch passiert: Ich muss mir das Leben als Mehr-als-nur-Elternteil pausenlos verteidigen. Ich habe Sex <em>trotz</em> kleiner Kinder, mache eine Weltreise <em>obwohl</em> ich kleine Kinder habe, mache die schöne Städtereise am kinderfreien Wochenende und möchte, auch als Mutter oder Vater, endlich wieder arbeiten. Das ist der Verteidigungsmodus. <em>Wegen</em> der Familie wird in &#8220;Nido&#8221; vor allem überlegt, ob es nicht Zeit ist, eine Immobilie zu kaufen, und da dann möglicherweise sogar ein Reihenhaus am Rande der Stadt. Und das ist, in diesem Fall wirklich nur bezogen auf meine kleine Familie, tatsächlich genau das, was wir auf keinen Fall tun wollen.</p>
<p>Ich würde mir ein paar mehr Dinge wünschen, die man wegen der Familie macht. Ein Baumhaus bauen, über die eigene Religiosität nachdenken oder Aquarell malen lernen. Nur um so drei Beispiele aus meinen letzten paar Monaten zu nennen, die mir heimlich richtig Freude machen. Das sind jetzt keine großartigen Beispiele, es geht nur um das Prinzip: mehr wegen, weniger trotz.</p>
<p>Und der dritte Punkt neben dem äußeren (Was ist eine Familie?) und inneren (Wie ist eine Familie) Familienbild von &#8220;Nido&#8221;, den ich ausbaufähig finde, ist die Gestaltung. Insgesamt mag ich das Heft (auch, weil es mich an vielen Stellen sehr an &#8220;IVY&#8221; erinnert …), aber ich finde es an viel zu vielen Stellen unklar, was teilweise an der Textausstattung liegt. Die kleinteiligen Seiten am Anfang jedes Ressorts erschließen sich für mich viel zu langsam und aufwendig, es stehen manchmal merkwürdige Bausteine in der Gegend herum (neben dem Cohn-Bendit-Interview steht völlig uneingebunden ein kleiner Kasten, der aussagt, das C-B für Sartre gedolmetscht hat, als der Andreas Baader im Knast besuchte) und die Geschichte übers Hauskaufen ist bebildert mit einem Mädchen, das draußen spielt (was im weiten Sinne noch zur Geschichte passt, von wegen Garten), aber überschrieben mit der Headline &#8220;Unseres!&#8221;, was dann eindeutig nicht mehr zum Bild passt. Da sind ein paar Fehler eingebaut. Außerdem gibt es auch ein paar Rätsel, die nicht nötig wären. Es gibt eine Doppelseite, auf der drei Prominente gefragt werden, was sie ihren Kindern vorsingen. Die Seite heißt &#8220;Umfrage: Schlaf gut, mein Schatz&#8221;, groß zu sehen sind Fotos der Promis ohne ihre Kinder (die wollen die ja immer nicht zeigen), daneben stehen aber groß die Namen von Promi und Kindern. Das worum es geht, ist ein bisschen versteckt: Die Frage &#8220;Wassingen Sie ihren Kindern vor?&#8221; steht erst im Vorspann, die Antwort winzig klein unter den Texten. In Wahrheit kann man also weder an Bildern noch an denwichtigsten Textbausteinen erkennen, worum es hier geht. Das sind alles nur winzige Kleinigkeiten, aber insgesamt nehmen sie dem Heft eine Menge Druck.</p>
<p>Und noch etwas hat mich gestört: Es ist mindestens eine Bildstrecke zu viel im Heft: Kinder mit ihrem Spielzeug, Spielzeughersteller, Kinder und Eltern in Mode (ganz großartig: Deutschlands bester Schmuckdesigner Patrick Muff mit Sohn), Kinderzimmer und die Ghana-Geschichte, die mit einer niemals enden wollenden Reihe von Gruppenfotos einfach überbeildert ist. Ein einziges der Fotos hätte es meiner Meinung nach getan (diese Geschichte hat – nebenbei – die einfach geniale und genial einfache Headline &#8220;Alle für alle&#8221;).</p>
<p>So, ich hoffe, das war konstruktiv. Ansonsten finde ich, wie gesagt, &#8220;Nido&#8221; schön, gut und manchmal toll geschrieben und ich freue mich, dass es das Heft gibt. Wer, wie ich, auch in Zukunft solche Hefte lesen und kaufen möchte, der sollte sofort damit anfangen.</p>
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		<title>Grüner Lifestyle auf Papier</title>
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		<pubDate>Tue, 28 Apr 2009 14:12:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>mikis</dc:creator>
				<category><![CDATA[Neue Hefte]]></category>

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		<description><![CDATA[Einen besseren Anlass kann es für mich nicht geben, di [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Einen besseren Anlass kann es für mich nicht geben, diesen Blog zu eröffnen, als diesen: <a href="http://www.biorama.at" title="Biorama" target="_blank">Biorama</a> gibt es jetzt auch in <a href="http://xn--print-wrgt-geb.de/__oneclick_uploads/2009/04/biorama_08.jpg" title="Biorama"><img src="http://print-würgt.de/__oneclick_uploads/2009/04/biorama_08.jpg" title="Biorama" alt="Biorama" align="left" border="1" vspace="5" hspace="10" /></a>Deutschland, ein Magazin für grünen Lifestyle. Ein Printmagazin natürlich. Das Heft kommt aus Österreich, wo es</p>
<p><span id="more-75"></span>schon neun Mal erschienen ist.</p>
<p>Ich kenne Biorama seit dem letzten Sommer, als ich selbst versucht habe, ein grünes Lifestyle-Magazin in Deutschland zu machen. Der Chefredakteur <a href="http://milotesselaar.com/" title="Milo Tesselaar" target="_blank">Milo Tesselaar</a>, der gleichzeitg nett, interessant und Österreicher ist, eine Kombination, die eine ganze Generation lang fast für unmöglich gehalten wurde. Obwohl ich in letzter Zeit eine Menge davon treffe.</p>
<p>Jedenfalls: Es gibt also doch noch den Versuch, ein Heft in diese Nische zu platzieren, und das macht mich einigermaßen glücklich, weil ich glaube, dass es viele Menschen gibt, die sich nicht nur für das Thema interessieren, sondern auch eine Medienmarke annehmen würden, die sich glaubwürdig und trotzdem entspannt mit dem Thema auseinander setzt.  Irgend jemand wird damit am Markt Erfolg haben, und wenn es Milo ist, dann freut mich das sehr.</p>
<p>Noch bemerkenswerter finde ich allerdings, dass Biorama nach einer (für heutige Verhältnisse) ja schon recht langen Anlaufphase nach Deutschland kommt, in der das Heft seine Marktfähigkeit ja in Österreich offenbar schon bewiesen hat. Offenbar funktioniert es, und auch wenn ich davon letztlich wenig verstehe, nehme ich an (und hoffe für den Verlag), dass es mit geringem Risiko und Aufwand verbunden ist, das bestehende Heft auch auf dem deutschen Markt anzubieten. Denn entgegen dem, was wir den ganzen Tag hören, glaube ich nicht, dass Leser grundsätzlich die Lust am gedruckten Wort (und Bild) verloren haben, sondern eher, dass die groß gewachsenen Verlagsstrukturen zu teuer sind, um noch rentabel arbeiten zu können. Ich glaube, wir haben eher eine Verlags- als eine Mediumskrise. Und wenn ein kleines, feines Heft aus einem schlanken, motivierten Verlag – das am Ende eher aus Überzeugung gemacht wird denn als Investition – dann empfinde ich das als gutes Signal.</p>
<p>Insofern auf jeder Ebene – und aus tiefstem Herzen – viel Erfolg!</p>
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