Nummer Eins lebt

11. November 2009

Eines der unwürdigsten Manöver der Massenmedien wird immer dann exerziert, wenn betretenes Schweigen in Worte zu fassen ist. Und der Fall eines Nationaltorhüters, der sich das Leben nimmt, bietet ganz offensichtlich die Gelegenheit, den Satz „Mir fehlen die Worte“ hundertfach in jede Ausgabe jeder Tageszeitung zu drucken. Robert Enke ist tot, und das geht mir näher als ich es jemals hätte vorstellen können. Aber natürlich gibt es darüber eine unglaubliche Menge zu sagen. Denn Robert Enke war offensichtlich einer von vier Millionen Deutschen, die an Depressionen leiden. Und es würde vielen Betroffenen helfen, wenn diese Krankheit, die jedes Jahr 12000 Deutsche in den Suizid treibt, endlich ihr Stigma und ihr Mysterium verlieren würde.

Ich habe heute etwa tausendmal bescheuerte Fußballfans gesehen, die in irgendeine Kamera die hirnlose Frage gestellt haben: „Warum nur?“ Und noch mehr Journalisten, die all diesen Scheiß abfragen und ihre dämlichen Geschichten so beenden: Zurück bleibt die Frage und so weiter blabla. Es kotzt mich an.

Wir wissen, warum. Es ist eine Krankheit. Man kann sie in den allermeisten Fällen behandeln, in fast jedem Fall kann man helfen und lindern, oder man muss wohl sagen: könnte – denn in der Realität sind Depressionen immer noch etwas, für das sich der Patient schämt – und sie sind trotz der riesigen Verbreitung so unbekannt, dass jeder zweite Fall vom Hausarzt nicht erkannt wird. Wir haben für die am weitesten verbreitete psychische Erkrankung in unserem Land einen unvorstellbaren Aufklärungsbedarf. Aber im Rahmen der real existierenden Medienwirklichkeit lesen wir stattdessen über die verdammte Schweinegrippe (die in meinen Augen nichts ist als eine Hysterie).

Ich bin dafür, das zu ändern. Deshalb fordere ich uns alle auf, unsere Energie von der Hysterie ein bisschen auf die Realität zu richten und uns mit einer Krankheit zu beschäftigen, an der so viele mitten zwischen uns bestialisch leiden, ohne dass sie sich trauen, darüber zu reden. Ich habe irgendwann damit angefangen, über meine Begegnung mit der Krankheit zu reden, und ich werde das weiter tun.

Wir sollten dafür eine Initiative starten und den DFB auffordern, das Trikot mit der Nummer Eins in der Zeit bis nach der WM in Südafrika – die wohl Robert Enkes Karrierehöhepunkt geworden wäre – nicht zu vergeben, sondern ihn auf diese Art symbolisch im Kader zu behalten und damit zu zeigen, dass an Depressionen Erkrankte in die Mitte unserer Gesellschaft gehören. Ich fände das ein gutes und starkes Zeichen.

Wenn ich ein entspannteres Verhältnis zum Beten hätte dann gälten meine Gebete heute Robert Enkes Familie und der Lokführerin oder dem Lokführer, die seine Verzweiflungstat zum Werkzeug seines Todes gemacht hat.

Aber so, wie es ist kann ich nur sagen: Es ist kein sonderlich guter Tag.

PS. In einer früheren Version dieses Textes stand an einer Stelle „Freitod“ anstelle von Suizid. Eine absurde Formulierung. Natürlich bringt sich ein schwer depressiver Mensch nicht freiwillig um. Danke an Jan für den Hinweis (in den Kommentaren).

PPS. Ich habe inzwischen eine Email mit meiner Bitte an den DFB geschickt und würde mich freuen, wenn viele von Euch das auch täten. Sie steht hier.

78 Kommentare

Ach und alle Kommentarschreiber als Autisten bezeichnen ist keine unsachliche Beleidigung. Rösler soll lieber weiter bei Questico Kohle abzocken.

by Gipsnacken on 12. November 2009 at 19:48. #

@Gipsnacken Du hast meine volle Sympathie für deine Meinung. Ich nehme die Beleidigungen trotzdem aus deinen Kommentaren. Ich habe das Gefühl, die Beiträge von Herrn Rösler sagen genug über ihn und die Probleme, die er offenbar an einigen Punkten mit einer sachlichen Diskussion hat – ohne dass wir in ähnlichem oder härterem Ton darauf antworten müssen. Ich kann da nur auf dein Verständnis bauen.

by mikis on 12. November 2009 at 20:01. #

Interessanterweise ging es mir ähnlich: ich bin kein großer Fußballfan (mehr), schon gar nicht von Hannover 96. Dennoch war ich überraschend schockiert, als ich (per News-SMS meines Handy-Providers) von seinem Suizid erfahren habe. Gerade weil er erfolgreich war – vom Tod seiner Tochter vor einigen Jahren habe ich erst durch die Berichterstattung erfahren.
Ich denke, gerade wenn jemand ums Leben gekommen ist – auf welche Weise auch immer – sollte man ein wenig mehr Pietät und Sensibilität walten lassen und ihn nicht als „größten Idioten des 21. Jahrhunderts“ bezeichnen, bevor das Jahrhundert (und noch nicht einmal die Beerdigung) Geschichte ist. Ich jedenfalls kannte Robert Enke nur aus der Sportschau – auf Basis dieser Kenntnis maße ich mir nicht an, ein Urteil über sein Leben und seine Person zu fällen.

by Daniel on 12. November 2009 at 20:26. #

Ich freue mich darüber das es hier offensichtlich Menschen gibt und echte Emotionen. Was das beleidigen angeht vermute ich das, egal was da geschrieben wurde, meine Exfrau hat Schlimmeres zu mir gesagt. Und manches davon ist auch noch wahr.
Questico hätte ich nicht erwähnt, aber ich habe geschrieben das mein Job scheisse ist.

Wenn man den ganzen Tag die Probleme von Frauen hört und die Lügen von Männern, das ist das Schlimmste was es gibt. Dumme Lügen, kluge Lügen. Fussballspieler sind da am einfachsten gestrickt. Meisstens eine liebevolle aber durchaus dominante Mutter und einen sehr potenten Vater. Bei Fussballspielern kommen also nur dumme Lügen. Richter, Psychologen und hohe Führungspersönlichkeiten sind kluge Lügner. Das gilt auch und gerade für den Medienbereich.
Aber ehrlich gesagt kotzen mich die Lügen von Männern einfach an.

Und wenn Identifikationspersonen sterben dann wird ein regelrechter Schwall von künstlichen Emotionen freigesetzt.
Wenn ich es wegschalten kann dann geht es.

Aber hier nicht. Ich bin Wahrsager, kein Schönredner.

Ich wünsche Euch dass Ihr und all die Menschen, die Euch am Herzen liegen, das ihr alle miteinander glücklich werdet.

by Holger Rösler on 12. November 2009 at 21:24. #

Ein toller Text, aber die Idee mit der Nummer 1 ist m.E. totaler Quatsch. Zum einen wäre die bestimmt nicht der Wunsch von Robert Enke gewesen, und zum zweiten : Bis zum Suizid von R.Enke war doch alle 3 Spieltage der N11 jemand anderes vermutlich die Nummer 1 , zuletzt , und das auch nicht zu unrecht, René Adler. Woher nehmen bloß alle die Gewissheit das Robert Enke tatsächlich die Nummer 1 geworden wäre ? Er war wie auch Manuel Neuer und auch René Adler einer von drei möglichen Kandidaten. Nicht mehr und nicht weniger.

by Bad_Man on 12. November 2009 at 21:34. #

@Bad_Man Ganz ehrlich: Ich glaube, dass dein EInwand (selbst wenn er fachlich richtig ist) in den Gefühlen der Zuschauer keine Rolle spielen wird. Wenn wir sagen, die 1 bleibt für Robert Enke frei, dann wird jeder verstehen, dass es dabei nicht nur um sportliche Gründe geht. Und René Adler kann auch in der einzigen 24 des Turniers eine Legende werden.

by mikis on 12. November 2009 at 21:43. #

@mikis sorry das ich wiederspreche und das mag sich jetzt auch wie Erbsenzählerei anhören , aber :

Ich bin sicher, das die Gefühle der Mehrheit der Zuschauer spätestens in ein bis zwei Wochen ein neues Drama finden werden auf das sie sich richten können und auch werden.
Es mag sein das ein kleiner Teil da tatsächlich wirklich betroffen ist und Trauert, aber im allegmeinen ist es doch eher so, das diejenigen, die Robert Enke nicht persönlich kannten jetzt zwar möglicherweise wirklich betroffen sind, aber echte Trauer und Gefühle stecken da eben doch nur bei einem sehr geringen Anteil der Fußballzuschauer dahinter.
Deshalb gehe ich auch davon aus das es in den Gefühlen der Mehrheit der zuschauer auch keine Rolle spielt Wenn die Nummer 1 wieder vergeben wird.
Mir kann keiner erzählen das ich jemanden wirklich betrauere, den ich beim letzten Spiel gegen meinen Verein noch bei jedem Abschlag mit dem allseits beliebten A… W…. H… Schmähgesängen bedacht habe….Echtes Mitleid ja, aber Gefühle ?

Ich persönlich denke mir : Schade, ein weiterer Toter der nicht hätte sterben müßen, und möchte seiner Familie auch mein Beileid aussprechen.

Und auch der/ dem Lokführer/in wünsche ich viel Kraft um dieses traumatische Erlebnisss gut zu verarbeiten.

by Bad_Man on 12. November 2009 at 22:08. #

@Bad_Man Danke für die klugen Gedanken. Und: Bitte nicht fürs Widersprechen entschuldigen.

by mikis on 12. November 2009 at 22:10. #

Das Leben läuft, aus kabbalistischer Sicht, nach einem Ablaufplan ab der auf eine entscheidende Frage hinausläuft. Oder auf ein Motto.

Enkes Leben hatte folgenden; nette Eltern, nette Freunde, nette Kollegen. Erfolg als Fussballer, haufen Geld, der Jubel im Stadion. Nette Frau, nette Kinder. Er hätte es vermasseln können, hats aber nicht.
Dann ist sein Kind gestorben. Und nun kam die Frage No 1 oder nicht.
Die Nr 1 steht ihm nicht zu. Weder auf dieser noch auf der nächsten Welt.
Die Frage seines Lebens war; folgt er den Schatten oder nicht. Er ist ihnen gefolgt. Die Schatten sind der Tod, der Teufel und der Turm. Und jetzt hängt er fest zwischen seiner Liebe und seinen Dämonen. Das ist im Leben eine schwierige Aufgabe, wenn man Selbstmord begangen hat wird es noch viel schwieriger. Also ist er jetzt bei der 13, 15 und 16.
Aber ist es wirklich wichtig ob er die 1 behält oder nicht? Das hilft seiner Frau und seinem Kind nicht wirklich. Das geht in Richtung Oberflächlichkeit. Und das ist ja auch das, was man im Fussballmilieu oft beobachtet; Oberflächlichkeit. Geld, schöne Frauen, der Jubel der Massen, P6 Diskos. Und unvorbereitet plötzlich die Wirklichkeit.

Lehre uns bedenken das wir sterben müssen auf dass wir klug werden….(irgendwo in der Bibel)

by Holger Rösler on 12. November 2009 at 22:19. #

Wo wir gerade bei ankotzen sind… der -auch hier -angelaufene „Wir müssen offen über Depressionen reden“ Aktionismus kotzt mich an. Ein nicht zu geringer Teil der Depression besteht darin , dass die/der Betroffene nicht darüber reden will, nicht damit konfrontiert werden will, keine Hilfe haben will. Weil er/sie das nicht kann. Hilfsangebote, ja ganz viele, die werden gebraucht. Aber der erste Schritt ist sich helfen lassen zu wollen. Und es liegt nicht in erster Linie an irgendwelchen Vorurteilen oder Stigmata, sondern an der Krankheit selber, dass man sich nicht helfen lassen will. Enke ist nicht der erste und wird nicht dr letzte sein, der ein offenes Hilfsangebot ausschlägt um sich wenig später das Leben zu nehmen.
MM

by MM on 13. November 2009 at 06:27. #

@MM: Wollen wir mal drüber reden, wie die super Hilfsangebote so aussehen? Nach einer großangelegten Studie (Wittchen, 2000) erhalten von allen Personen mit Depression, die auch aktiv Hilfe suchen, nur 60% überhaupt ein Therapieangebot. Ob dieses Angebot angemessen ist, bleibt dabei völlig unberücksichtigt. Häufig ist das nicht der Fall.
Am Ende werden etwa 30% „behandelt“ (dabei zählt bereits ein einmaliger Kontakt mit einem Psychiater oder Therapeuten als Behandlung). Man kann davon ausgehen, dass letztlich nur 10% eine adäquate Therapie erhalten, die wissenschaftlichen Ansprüchen genügt.
Die Wartezeit für einen Termin bei einem Therapeuten beträgt zwischen 4-6 Monaten. Ob die Therapie auch zustandekommt ist eine ganz andere Frage. Vor allem bei chronischen Patienten lehnen Therapeuten häufig die Behandlung ab.

by david on 13. November 2009 at 22:47. #

artikel gelesen. dazu einige persönliche gedanken:

-ja, es gibt tausende mit depros und trotzdem weniger schlagzeilen und weniger betroffenheit. aber das besondere war halt die dynamik an komplexer ansammlung von erwartung-wunsch-abbild…bei enke selbst wie auch be/in öffentlichkeit. das ist eben nicht wie bei den tausend anderen. und von daher vollkommen in ordnung, dass es „öffentlich“ zelebriert wird.

-ja, eine öffentliche geste des dfb wäre wichtig. aber als sportwissenschaftler erlebe ich durch theo zwanziger den dfb diesbezüglich offener als in den letzten 109 jahren seit seiner gründung.

-by the way….irgendwann wird auch das tabu der homosexualtität bei fussballern fallen…welches das letzte noch existierende sakrileg unserer gesellschaft ist. aber spätestens wenn yogi löw seine memoiren veröffentlicht, und sich outet wird dies wackeln. aber auch hier….theo hat die diskussion um depro UND homo angeschickert. chapeaux.

-in einer gesellschaft, welche sich riten und mysthik scheinbar rational negiert hat, braucht sich niemand zu wundern, dass ihre menschen bei emotionalen überraschungen für die es nunmal kurzfristig in der intensität der überraschung keine adäquate erklärung gibt auf pseudo-religiöses gestotter ausweichen. überrascht das jemand? mich nicht.
das passiert bei öffentlichen todesfällen übrigends regelmässig.

….sorry, ich stop mal. ist schon recht viel.

by tobias on 14. November 2009 at 01:52. #

[…] Für Depression statt Schweinegrippe in der real existierenden Medienwirklichkeit http://print-wuergt.de/2009/11/11/nummer-eins-lebt/ […]

by thammi's status on Saturday, 14-Nov-09 11:56:08 UTC - Identi.ca on 14. November 2009 at 12:56. #

[…] kann viel spekulieren über die Motive der Hannoveraner Nummer eins. Wählte er nach zähem Ringen mit sich selbst das Ende mit Schrecken, bevor der […]

by Gedanken zum Tode Robert Enkes on 14. November 2009 at 18:00. #

[…] Bildschirm sind Tränen und echte Anteilnahme zu sehen. Das Maß geht verloren.” Der Blogger Michalis Pantelouris: “Nummer Eins lebt – Eines der unwürdigsten Manöver der Massenmedien wird immer dann […]

by Lady Di and Sir Robert : Burks' Blog on 15. November 2009 at 11:19. #

@MM: Es liegt nicht nur an der Krankheit selber, daß man sich nicht helfen lassen will, es liegt auch an mangelndem Vertrauen. Ich habe bald das 6. Lebensjahrzent voll, und es gab keins, in dem ich nicht einige Zeit mit Depression und Suizidgedanken verschwendete. Das wird auch so bleiben. Erschreckend war für mich, daß es für *mich* immer schwieriger wurde, Hilfe zu suchen. Nachdem ich einer Zwangseinweisung knapp entgangen war, in 30min Gespräch konnte ich meine Ablehnung begründen, brauchte ich beim letzten mal allerdings noch 4 Monate, um den Gang zur Therapie anzutreten.

Ich bin kein Fußballer, kann mir aber vorstellen daß Torwart ein höllisch einsamer Job ist, mit extremen Streß, und viel Nichtstun während der 90min öffentlichen Arbeitszeit, und seltenen Ereignissen: Erfolgserlebnissen (gehalten) und schreckliche Fehler (nicht gehalten).

by HH on 16. November 2009 at 09:23. #

Hi all,
drei Monate Kalahari zusammen mit einem Buschmann hätte geholfen, oder drei Monate in einer Hütte ohne Strom und fliessend Wasser in Cambodia. Dann hätte er die schönen Seiten seines Lebens wieder schätzen gelernt. Er war ein Luxusdepressiver. Depressionen sind nichts weiter als Gedanken die sich immer nur im Kreis drehen. Wie ein Hamster im Laufrad, er rennt und rennt und rennt ohne das er ankommt.
Nun ist das Gehirn nach dem Herzen das Organ das das meisste Blut verbraucht. Das heisst denken ist richtig anstrengend. Oder wie bei einem Motor der mit hoher Drehzahl läuft aber ohne Gang. Da er in einer oberflächlichen Welt gelebt hat konnten da keine Impulse zu einer anderen Richtung kommen. Er hat den Kontakt zum Boden verloren. Und das kommt ja bei den Fussballern in verschiedenster Form vor. Er hätte eine Erdung gebraucht. Wenn man drei Monate durch die Kalahari läuft und seinen eigenen Urin trinken muss um nicht zu verdursten ist man geerdet. Jedenfalls für die nächsten Jahre. Aber ist der Mann wirklich so wichtig?
Ich habe jetzt auch einen Blog, danke für die Hilfe. Eure Meinung würde mich sehr interessieren.
Alles Gute
Holger

by Holger Rösler on 16. November 2009 at 14:00. #

Lieber unaufhaltsamer Holger Rösler,

ich bin immer noch nicht Ihrer Meinung, aber unabhängig davon fehlt bei Ihrem Kommentar die Adresse Ihres Blogs, damit man Sie finden kann. Ich nehme an, es ist in Ihrem Sinne, wenn ich sie hier poste. Also: Wer es möchte findet den neuen Blog von Holger Rösler unter http://sayadin.wordpress.com/

by mikis on 16. November 2009 at 14:07. #

Lieber Mikis,
vielen Dank. Da ich die Welt zerstören will brauche ich jede Hilfe die ich kriegen kann. Wenn ich es schaffe nur Deutschland in Schutt und Asche zu legen bis ich tot bin würde mir das auch reichen. Ich bin ein bescheidener Mensch. Aber leider habe ich von Technik (in welcher Form auch immer) wenig Ahnung. Wo kriegt man eigentlich Baupläne für Atombomben? Das ist, ich sage es mal so, natürlich als Witz zu verstehen. Obwohl…

by Holger Rösler on 16. November 2009 at 14:54. #

spätestens nach der Sache mit dem Enke würde mich interessieren wo die Sender ihren medialen Müll an den Sateliten senden. Eine Woche lang nur Arte und Phönix. Kein Zwei bei Kallwas, kein promigelaber, kein Mario Barth. (ich bin doch nicht blöd….doch, das bist du) Walter Ulbricht wollte ein intelligentes Volk. Da sollten wir dran arbeiten. Die Idee mit den Sendemasten ist von ihm. Es gab da in der DDR eine Tradition die ich inzwischen nachvollziehen kann.

by Holger Rösler on 16. November 2009 at 15:01. #

Zwar habe ich selber noch nie an heftigen Depressionen leiden müssen, aber durchaus schon Menschen erlebt, die dies taten – und zwar sowohl aus der (finanziellen) Mittel- als auch Unterschicht.

Menschen, denen es finanziell besser geht als 99,9% der Restbevölkerung kann man ja durchaus einiges vorwerfen, aber im aktuellen Fall einem Menschen vorzuwerfen sich aus reiner Selbstsucht vor einen Zug zu werfen ist perfide und grotesk. Auch reiche Menschen können „geerdet“ sein und Robert Enke war ein Paradebeispiel dafür.

Ein Krankheitsbild für eine Gesellschaftsschicht besser geeignet zu halten als für andere verharmlost einerseits die Krankheit und diffarmiert zugleich Leidende, die Besseres in einer Gesellschaft erwarten sollten.

Die Sache mit der Nr. 1 bleibt aber natürlich ein anderes Thema und ich bin dagegen, Robert Enke durch solch populistische Aktionen gezwungenerweise in den Gedächtnissen der Presse zu behalten. Seine Frau wird sich irgendwann freuen, wenn Sie wieder unbehelligt über die Sprache kann und die Leute, die Robert Enke im Gedächtnis behalten wollen werden dies auch aus eigener Kraft schaffen.

Einfach einem Feldspieler ohne Einsatzchance die Nummer 1 zu geben wäre im Übrigen auch eine Lösung und man bräuchte nicht Schlagzeilen bzgl. der Auseinandersetzung mit der FIFA heraufbeschwören., die medial als „letztes Lebenszeichen“ von Robert Enke in die Historie eingehen könnten.

by Frank on 16. November 2009 at 20:58. #

@Frank Danke für die guten und richtigen Gedanken (und ich glaube, hier wirft nur Holger Rösler Enke etwas derartiges vor, und ich tippe mal Holger wäre der erste, der zugibt, fast alles mal zu behaupten, wenn er damit Widerspruch provozieren kann). Das mit dem Feldspieler finde ich einen schlauen Kniff, aber eine Kleinigkeit möchte ich noch einmal klar sagen: Im Gegensatz zu der 1 bei Hannover 96, die wahrscheinlich nie mehr vergeben wird, ginge es bei der Nationalmannschaft nicht um das Gedenken an Robert Enke. Es ginge aus meiner Sicht darum, sich mit allen an Depressionen erkrankten Menschen zu solidarisieren. Dafür wäre es in meinen Augen ein starkes Symbol.

by mikis on 16. November 2009 at 22:22. #

Wenn er so geerdet war, warum ist der dann vor den Zug gesprungen. Contradictio in adictio.
Über Tote darf man nix böses reden. Der Hintergrund ist die Befürchtung das sich die Seelen an uns Lebenden rächen könnten.

Aber inzwischen hat er sich zum Dämon entwickelt. Plötzlich sucht eine wahnsinnig gewordene Gesellschaft nach Lösungen wo es sowieso keine gibt. Eine Spassgesellschaft ist plötzlich mit einem Abgrund konfrontiert und alle rennen wie die Hühner durcheinander und gackern hobbypüschologisches Zeug und sind von Gefühlen ergriffen. Wieso überhaubt. Jeden Tag bringen sich Leute um und es interessiert keine Sau, ausser die Angehörigen und die die das Blut wegwischen müssen. Was man nicht sieht existiert nicht.

Das Theater ist doch nur deshalb so gross weil er eine Identifikationsperson war aus einer infantilen Unterhaltungsindustrie. Als Philosophen gehen Fussballer ja selten durch. Bis auf die wenigen rühmlichen Ausnahmen. Die meissten Fussballgrössen gackern, wenn sie gackern nur dummes Zeug. Und das ist jetzt auch noch inflationär. Der Schleier, der die Traumwelt vor der Wirklichkeit getrennt hat ist zerrissen und die Wirklichkeit blinzelt hinein. Und die Wirklichkeit ist: tickticktick der Countdown läuft. Heute Enke morgen…wer muss als nächstes durch diese Tür.

Mir kommt es vor wie des Kaisers neue Kleider. Aber der Kaiser ist an seiner Feigheit gestorben. Es gibt viele Menschen die sterben die mehr Ehre verdienen aber nicht bekommen. Und da gibt es viele, auch in der Fussballwelt die ich mehr respektieren könnte als diesen Depp.
Sorry

by Holger Rösler on 16. November 2009 at 23:21. #

Na ja, ich hab die Rolle des Kindes übernommen das ruft „Der ist ja nackt“.

by Holger Rösler on 16. November 2009 at 23:23. #

Der Narr

Ein fröhlicher lustiger Mensch der in aller Fröhlichkeit einem Abgrund entgegengeht. Der Narr ist kein schlechter Kerl aber er macht immer die selben Fehler. Auch wenn alle Leute sagen mach es so oder mach es so. Er hat keine Ohren. Dann stürzt er, weint, klettert wieder nach oben, ist glücklich bis zum nächsten Autsch. Robert Enke, Fussballspieler. Der Narr hat also eine Neigung zum manisch depressiven. Bergsteigen kann also sehr hilfreich sein. Bergsteiger und Jäger sind gute Therapeuten. Das bringt mehr als das Gesabbel von Püschologen. Es gibt noch eine andere Seite des Narren. Die liegt in dem was man nicht sieht. Wir sehen ja nur eine Karte. Es ist möglich, das unter der Stufe noch eine ist. Und dann sind wir die Narren weil wir zu schnell richten.

Ja, das Taro ist ein Spiegel der eigenen Seele.

by Holger Rösler on 17. November 2009 at 14:37. #

[…] sich doch ausgesprochen dezent zum Tode Enkes und seinen Depressionen äußerten und wie deutlich kritisierend gegenüber den Medien. Und das beschränkt sich nicht nur auf den inoffiziellen Meinungsführer der Medienkritikblogger, […]

by Nachgebloggt (9) « Ruhelos on 18. November 2009 at 00:54. #

Hallo Herr Pantelouris,

ich wollte für einen Eintrag auf Ihren Artikel zum Thema Depression bei Neon verlinken, aber der scheint derzeit nicht mehr online zu sein. Gibt es evtl. einen anderen Link, oder könnten Sie den woanders nochmal posten? Vielen Dank.

by TES on 3. Januar 2012 at 19:47. #

Ups. Der ist hier: http://www.neon.de/artikel/wissen/job/am-boden-zerstoert/684918

by mikis on 3. Januar 2012 at 20:22. #

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