Das Lena-Prinzip

31. Mai 2010

Man konnte den Eindruck haben, Lena Meyer-Landrut wäre so etwas wie eine postmediale Erscheinung, so wie es Barack Obama im US-amerikanischen Wahlkampf 2008 war, als es ihm gelang, seine Botschaft weit über die herkömmlichen Kanäle direkt zu verbreiten (damals war zum Beispiel die Entscheidung für Joe Biden als Kandidat für das Vizepräsidentenamt über eine Art SMS-Mailingliste verkündet worden, so dass seine Anhänger es praktisch vor der Presse wussten). Obama ist es gelungen, seine Botschaft, die anders war als die „Politics as usual“, ohne den Filter der Politikberichterstattung „as usual“ vorbei an die Wähler zu bringen.

Die Lena-Realität ist eine andere, einfachere, auch wenn sie viel mit der Obama-Situation gemeinsam hat. Und sie war eine Lehrstunde für Medienschaffende, aus der sich einige Schlüsse ziehen lassen. Denn während Medienschaffende in den letzten Jahren und Jahrzehnten immer mehr dazu übergegangen sind, das Medium für die Botschaft zu halten, hat der Erfolg vom LML (und zwar der allgemeine Erfolg, nicht der Sieg in Oslo) einmal mehr deutlich gemacht, dass das ein Fehlglaube war und bleibt. Lena Meyer-Landrut hat auf den ganz normalen Medienkanälen triumphiert, zuletzt sogar in der Bild-Zeitung, die sich lange schwer damit tat, wie schlecht man sie im Raab-Umfeld behandelte. Die Wucht dieser unwiderstehlichen 19-Jährigen war selbst für die Mediendickschiffe zu groß, um sich ihr in den Weg zu stellen.

Das ganz große Wunder besteht offensichtlich darin, dass es eine 19-Jährige geschafft hat, sie selbst zu bleiben, obwohl sie jeden Tag auf ihre Natürlichkeit angesprochen wurde. Das ist ein Kompliment an sie, diejenigen, die sie erzogen haben und an das Team um Stefan Raab, dass ihr offensichtlich eine funktionierende Umgebung geboten hat. Es ist kein Geheimnis, dass Menschen vor allem im Fernsehen dann unwiderstehlich sind, wenn sie das leben können, was sie tatsächlich sind. Da unterscheidet sich Lena nicht von Günther Jauch, Stefan Raab bei Schlag den Raab oder dem frühen Paul Potts. Es ist die Steigerung von Authentizität: Authentisch sein kann man auch, während man mit Grippe im Bett liegt oder in Untersuchungshaft sitzt. Aber authentisch zu sein, während man lebt, wofür man offensichtlich geboren wurde, ist für ein Publikum unschlagbar schön anzusehen.

Das hat ein handwerkliche Dimension: Raab hätte die große Lena-Sause gut und schlecht umsetzen können, und es hätte viel zerstört, wenn er es schlecht gemacht hätte. Der endgültige Erfolg lässt sich aber meiner Meinung nach durch Handwerk allein nicht erzwingen – in keinem Bereich.

Wir erleben zum Beispiel gerade, dass eine ganze Reihe von Verlagen Me-Too-Produkte für die in Verlagskreisen immer noch unerklärliche, fast unheimlich erfolgreiche Zeitschrift Landlust auf den Markt werfen. Und ich muss kein Prophet sein um vorauszusagen, dass sie alle schmerzhaft scheitern werden. Weil sie, im Gegensatz zum Original, eben nicht echt sind und es nie sein werden. Dabei können sie durchaus gut gemacht sein. Aber eine Seele lässt sich dann doch nicht kaufen, und das ist am Ende ja sogar beruhigend zu wissen.

Im Umkehrschluss für die Verlage müsste das bedeuten, dass Journalisten statt Managern wieder größeren Einfluss auf die verlegerischen Entscheidungen nehmen müssten, so wie der Vollblut-Entertainer Raab den Erfolg der deutschen Grand-Prix-Beteiligung verantwortet hat.

Tatsächlich wird in unseren Verlagshäusern aber immer noch mehr darüber nachgedacht, welche Inhalte man aufs iPad packen kann, als darüber, welche Inhalte Menschen haben wollen. Ganz so, als wäre das Medium immer noch die Botschaft. Dabei lautet das Lena-Prinzip: Wenn man an die Botschaft glaubt, dann kann man es sich sogar leisten, manche unverzichtbar wirkende Medien komplett zu ignorieren.

38 Kommentare

Ich glaube bei Deutschlena kommen zwei Phänomene zusammen, die eigentlich Widersprüchlich sind: Authentizität und Projektionsfläche gleichermaßen. Denn obwohl „die neunzehnjährige Gymnasiastin“ nun wegen ihrer authentischen und echten Art gefeiert wird, bietet sie für viele Deutsche, die keiner Minderheit oder besonderen Gruppe (und üblicherweise zieht ja das Besondere die Aufmerksamkeit auf sich) angehören eine Projektions- und identifikationsfläche ihres eigenen erlebten Alltags. Für einen derartigen Erfolg in der breiten, heterogenen Masse werden „Produkte“ des Popmarktes sonst mit viel Geschick und Marktkenntnis rundgeschliffen und massentauglich vermarktet. Doch diese Lena scheint einfach nur eine aus vielen zu sein, die all ihre Eigenschaften behalten darf. Eine ganz normale Deutsche unserer Zeit eben. Übrigens auch mit einem Verhältnis zu Flagge und Vaterland, das erst seit sehr kurzer Zeit als Normal empfunden wird und Menschen meiner Generation immer noch ganz und gar quergeht.

Doch wenn man genau hinguckt, scheinen die Mechanismen doch wieder zu greifen, denn diese Lena aus Hannover weiß wohl ganz genau, was funktioniert. So wirken ihre Sätze wie ihre Gestik sehr perfekt, sehr auf den Punkt und auch sehr inszeniert. Die Inszenierung der Mormalität und Unschuld eben. Das lässt zwei Schlüsse zu:
1. Jugendliche die heute aufwachsen lernen schon sehr früh, sich medienfähig und popkulturell smart zu präsentieren. Das ist kein Wunder in einer medienbestimmten Alltagswelt.
2. Stefan Raab hat professionell schnell erkannt, dass er da jemanden vor sich hat, die sowohl eine angeborene Medienkompetenz im aktiven Sinne gepaart mit der nötigen Cleverness vereint.

Lena ist ein Spiegelbild unserer Zeit wie es sie nur ein, zweimal im Jahr gibt. Wobei der letzte Bond-Film als leuchtendes Beispiel und inszenierungstechnischer Gegenpol Erwähnung finden sollte. Bond ist alles was Lena nicht ist und umgekehrt: Komplett künstlich und perfekt geplant vermarktet. Doch tragen beide soviel historische Verortung in sich, dass man sie später einmal zeigen kann umd den Menschen zu zeigen, wie wir damals gelebt haben.

by Mathias Büttner on 31. Mai 2010 at 17:45. #

Da ist irgendwie ein großer weißer Fleck mitten im Artikel, zwischen dem zweiten und dritten Absatz. Ist da irgendwas, was mein Browser nicht richtig anzeigt, oder ist das einfach… nix?

by V on 31. Mai 2010 at 19:40. #

In einer besseren welt ständen da google-anzeigen. Und in einer perfekten welt würdest du draufklicken.

by mikis on 31. Mai 2010 at 19:56. #

Der Flattr-Knopf funktioniert übrigens nur global, nicht für einzelne Artikel.

by John Doe on 31. Mai 2010 at 20:10. #

Da arbeite ich dran, aber bei meiner Laubsäge-gearbeiteten wordpressversion kann ich plötzlich keine Kommentare mehr freischalten, wenn ich das flattr-Widget aktiviere. Ich hoffe deshalb demütig, es gibt genug flattrer, die den Blog global genug mögen…

by mikis on 31. Mai 2010 at 20:13. #

Hey, der Titel dieses Eintrages kommt mir bekannt vor:

http://www.motor.de/motorblog/tim.renner/tim_renner_das_lena_prinzip.html

by FS on 1. Juni 2010 at 00:01. #

Ja, und auf Carta auch. Sagen wir es so: wir waren alle sehr originell.

by mikis on 1. Juni 2010 at 00:07. #

Das ist alles arg behauptet – die Authentizität von LML muss sich erst noch erweisen. Sie war vor ein paar Monaten nicht mehr als ein junges Mädchen, das unbedingt in die Medien wollte. Schauspielerei? Musik? Egal.

Niemand bestreitet, dass sie Charme hat. Aber dass Stefan Raab ein ausgebuffter Vollprofi ist, und dass die Medien-Klaviatur hier ganz exzellent gespielt wurde, steht doch auch außer Frage. Lena hat sich nicht GEGEN das Medien-Establishment durchgesetzt, sie hat es nur sehr gekonnt für sich instrumentalisiert.

Ganz verwerflich finde ich allerdings, dass nun der deutsche Vorentscheid 2011 zu ihren Gunsten umstrukturiert wird – wäre es der „Authentizität“ wegen nicht glaubwürdiger, sich auch im eigenen Land weiter der Konkurrenz zu stellen? Hier wird der Eurovision-Gedanke pervertiert.

Ich finde, über LML sollten wir in einem Jahr noch mal reden – und sehen, was dann übrig ist.

Völlig falsch übrigens die (an dieser Stelle unpassende) Passage über die Landlust-Varianten. Ich schreibe für eine, und die ist sehr erfolgreich. Soviel zum „Prophet“ – es wäre nützlicher gewesen, statt der Sterne mal die Zahlen zu fragen. Was hat da „echt“ mit der Frage zu tun, ob ich glaubwürdig und begeisternd über einen Bauerngarten oder Buntspechte schreiben kann? Warum sollte der Markt auch nicht Platz für mehr als ein Heft zum Thema bieten? Darf es kein neues Nachrichtenmagazin geben, weil der SPIEGEL erfolgreich ist? Kein neues Jugendmagazin neben der Bravo? Seit wann ist Wettbewerb schändlich?

by Torsten Dewi on 1. Juni 2010 at 12:01. #

Lieber Torsten Dewi, ich glaube tatsächlich auch, dass Lena, sollte sie nächstes Jahr noch so authentisch sein, wie sie es dieses Mal war, gar nicht zum Grand Prix antreten wird. Aber bei den Landlust-Ablegern glaube ich: Die Menschen aus dem Landlust-Verlag machen das, weil es ihnen am Herzen liegt. Und das ist unersetzbar. Wettbewerb um des Wettbewerbs willen kann selbstverständlich schädlich (nicht schändlich) sein, weil er potenziell alle Konkurrenten unter Preisdruck setzt, und wir alle wissen, wo dabei gespart wird. Und, bitte, wenn wir über Zahlen reden: Ich weiß nicht, bei welcher erfolgreichen Konkurrenz das sein soll. Aber die Kurven im Vergleich zu Landlust sehen ja alle in etwa so aus, wie die hier.

Da müssen wir nicht drüber reden, oder?

by mikis on 1. Juni 2010 at 12:18. #

Lieber Mikis, vielleicht bin ich da ein wenig renitent – aber auch hier behauptest du wieder eine Authentizität von LML, die in meinen Augen nicht belegt ist. Wie gesagt: Schauen wir mal, wie lange das hält.

Zwei weitere Aussagen in deinem Beitrag sind mir aufgefallen: „Im Umkehrschluss für die Verlage müsste das bedeuten, dass Journalisten statt Managern wieder größeren Einfluss auf die verlegerischen Entscheidungen nehmen müssten“

„Wieder“? Wann hatten Journalisten je Einfluss auf verlegerische Entscheidungen? Die obliegen dem Verleger – denn der bezahlt die Zeche. Im besten Fall bekommt der Journalist größere Freiheiten, wenn seine Arbeit genug Geld in die Kassen spült.

„Wenn man an die Botschaft glaubt, dann kann man es sich sogar leisten, manche unverzichtbar wirkende Medien komplett zu ignorieren.“ – das ist in diesem Fall nicht geschehen. Zwar hat LML z.B. mit der BILD nicht gesprochen, BILD hat aber trotzdem für Lena getrommelt. Die Frage wäre also: Wie hätte LML abgeschnitten, wenn sie von BILD und RTL konsequent ignoriert worden wäre wie seinerzeit Max Mutzke – Platz 8 in Istanbul?

Was die Landzeitschriften angeht, hat das zwei Elemente:

– Kommerziell erfolgreich können Zeitschriften auch sein, ohne den Erfolg der „Landlust“ zu erreichen. „Country“ und „Liebes Land“ sind da die völlig falschen Vergleiche, versuch es mal mit „LandIdee“ und „Mein schönes Land“. Dass du die Zahlen nicht gecheckt hast, oder die Profitabilität der Hefte nicht bewerten kannst/willst, ändert nichts an den Fakten. Unsere „LandIdee“ ist ein erfolgreiches und beliebtes Magazin. Ich bin stolz, dafür zu schreiben.

– Die „Landlust“ wird von Journalisten gemacht, die dafür bezahlt werden. Inwieweit die das mit Herzblut machen, können du und ich kaum beurteilen. Die „LandIdee“ wird auch von Journalisten gemacht, die dafür bezahlt werden. Aus der Tatsache, dass ein Heft zuerst da war, einen Rückschluss auf die Befähigung oder Begeisterung der Macher zu ziehen, halte ich für unredlich. Das ist ja schon in sich nicht stimmig: Hätte mich statt der „LandIdee“ die „Landlust“ angeheuert – wären meine (exakt gleichen) Artikel dann authentischer, echter, herzblutiger? Hier wird dem Copycat-Prinzip automatisch eine Abzocker-Mentalität unterstellt, die nach meiner Erfahrung (in mehreren Redaktion, bei mehr als einem Dutzend Zeitschriften) nicht gegeben ist. Nur weil sich ein Verlag an das Konzept eines erfolgreichen Konkurrenzprodukts andocken möchte, macht er es deswegen nicht automatisch lieblos oder schlampig. Es soll sogar Beispiele, bei denen der Nachzieher letztlich besser war als das Original – auch weil er Anfangsfehler und Kinderkrankheiten dank des Vorbilds vermeiden konnte.

Die Welt ist nicht wie die Tageszeitung: schwarz und weiß.

by Torsten Dewi on 1. Juni 2010 at 13:00. #

„Es soll sogar Beispiele GEBEN,“ – sorry!

by Torsten Dewi on 1. Juni 2010 at 13:03. #

Lieber Torsten Dewi, ich freue mich über die Renitenz und die Hinweise, aber bei aller Liebe: Landlust gegen Landidee geht genau so aus wie die anderen Vergleiche: 690.000 gegen 115.000 verkaufte Gesamtauflage. Und es gibt einen gewaltigen Unterschied, den die Leser ja zu erkennen scheinen: Landlust gibt es, weil Menschen das Bedürfnis hatten, es zu machen. Landidee gibt es, weil ein Verlag gerne an dem Erfolg teilhaben möchte. Das heißt nicht, das Landidee schlechter gemacht ist (Landlust war vor allem am Anfang ja handwerklich teilweise unterirdisch), aber das ist eben die Seele, von der ich spreche.
Und was den Einfluss von Journalisten auf verlegerisches Handeln angeht: Der Spiegel, das robusteste Zeitschriftenformat der Bundesrepublik, ist mehrheitlich in der Hand der Belegschaft. Und das macht offensichtlich einen Unterschied.

by mikis on 1. Juni 2010 at 13:20. #

Mikis, lieber Mikis, da kommen wir nicht zusammen: Wenn die „Seele“ einer Zeitschrift also ihren Ausdruck nicht in der Qualität findet, oder der Begeisterung der Macher – worin dann? Nur im „wir waren aber zuerst da“?

„Landlust“ existiert also, weil die Menschen „ein Bedürfnis hatten, es zu machen“? Nicht, weil da ein Verleger dachte, er könne damit prima Geld an der Zielgruppe verdienen? Das Original ist ein wohltätiger Verein, die Copycats hingegen sind seelenlose Trittbrettfahrer? Es müsste dir selbst klar sein, wie wackelig das ist.

In der Tat: 115.000 Exemplare sind für ein hochpreisiges Heft wie die „LandIdee“ großartig, und das rechnet sich auch ganz hervorragend. Dass die Auflage der „Landlust“ sich in der Stratosphäre befindet, hat niemand bestritten. Es wird aber auch nicht die Quote/der Erfolg jeder TV-Sendung an „Wetten dass“ gemessen.

Um es noch einmal klar zu sagen: Der Zeitschriftenmarkt ist keine Olympiade, bei der nur eine Goldmedaille vergeben werden kann, und alle anderen dann automatisch Verlierer sind. „Landlust“ ist Marktführer, und das Heft ist klasse. Es verkauft sich besser als geschnitten Brot, was gerade heutzutage erfreulich und erstaunlich ist. Aber die „LandIdee“ (mit deutlich weniger Finanzkraft und Ressourcen) ist ebenfalls sehr erfolgreich, und macht alle zwei Monate nicht nur die Leser, sondern auch die Macher glücklich. Guckst du hier:
http://wortvogel.de/2010/04/wortvogel-goes-landromantik/

Die Unterstellung, unser Heft (und damit meine Artikel) habe keine wie auch immer definierte „Seele“, weise ich zurück.

Genau deshalb ist die Aussage „Und ich muss kein Prophet sein um vorauszusagen, dass sie alle schmerzhaft scheitern werden. “ nicht nur überholt, sondern vom Ansatz her schon falsch. Wir sind nicht gescheitert. Ganz im Gegenteil.

Zum SPIEGEL: Er ist in der Hand der Belegschaft, das heißt aber nicht, dass die Journalisten dort das Sagen haben. Und es ist exakt das EINZIGE Beispiel dieser Sorte in diesem Land. Und es trifft nicht auf deine Forderung des „wieder“ zu (es ist ja ein „noch“). Und letztlich: Gerade die Besitzverhältnisse des SPIEGEL werden in den letzten Jahren immer wieder dafür verantwortlich gemacht, dass elementare Anpassungen an die neuen Märkte unterbleiben.

by Torsten Dewi on 1. Juni 2010 at 13:34. #

Lieber Torsten Dewi, der Spiegel ist bei Weitem nicht das einzige Beispiel, im Gegenteil, man könnte sogar die Meinung vertreten, dass Zeitschriften wirtschaftlich umso erfolgreicher sind, je mehr die Journalisten das Sagen haben. Beim Stern war das ewig so (die profitabelste Zeitschrift der deutschen Nachkriegsgeschichte), bei der Bravo ist es so (einer der Gewinner der letzten Jahre), bei Brand Eins ist es so (um ein verqueres Beispiel zu nennen, damit es nicht heißt, ich würde nur auf die Auflage schielen). Und der Spiegel ist auch in den neuen Märkten erfolgreich, egal, was da einige Verlagsheinis behaupten.
Es geht mir nicht darum, ob deine Artikel Seele haben. Ich hoffe, die haben sie, und ich glaube das auch gern, die Hingabe, mit der du das beteuerst, belegt ja schon deinen auch persönlichen Einsatz. Und ich habe auch nichts dagegen, dass Verlage Me-Toos produzieren, wenn sie denken, sie müssten das tun. Und dann sollen sie ihren Erfolg eben über Profitabilität definieren. Ich glaube allerdings, dass ein journalistischer Erfolg noch einmal etwas anderes ist, und ich glaube, dass das Beispiel Lena (die ich für extrem authentisch halte), dafür spricht, weniger auf Marktforschung und Zielgruppen-Analyse zu vertrauen als auf Leidenschaft, Überzeugung und echte, inhaltliche Motivation.

Deshalb muss ich kein Prophet sein, um vorauszusagen, dass sich die Me-Toos nicht behaupten werden. Deshalb gibt es trotz einiger Versuche keine Konkurrenz zu 11 Freunde, zu Brand Eins, zu Neon, zu Mare usw.

by mikis on 1. Juni 2010 at 13:46. #

Mikis, zumindest im hier diskutierten Fall HABEN sich die Me-Toos doch behauptet. Das ist doch gar nicht bestreitbar. Wo ist die LandIdee denn „schmerzlich gescheitert“?! Das Heft läuft sehr gut, macht Gewinn und Spaß.

Hast du dir die Auflage der Bravo über die letzten 15 Jahre mal angesehen?! Die haben bloß alle Jubeljahre mal kurzzeitig noch das Glück, dass es sowas wie Kelly Family oder Tokyo Hotel gibt, das die Auflage noch einmal kurzfristig anschiebt.

In welchem Maße haben die Journalisten bei Stern und Bravo (es schaudert mich, da überhaupt von Journalisten zu reden!) das Sagen? Das wäre mir aber ganz neu. Und wenn dem so wäre – wo ist da der belegbare Zusammenhang zum wirtschaftlichen Erfolg?

Ich könnte genauso die beklagenswerten Gegenbeispiele anführen, wo „Seele“ und Herzblut leider nichts genützt haben: Die Woche, TV more (ich meine das Blatt aus den 90ern, das so gerne über arte und Dokus berichtet hat), Der Freitag, Spiegel Spezial, Siehste, Pardon…

Die simple Rechnung „Herzblut=Erfolg“ und „Copycat=Misserfolg“ ist so sympathisch wie falsch. Übrigens ist gerade die „TV Movie“ das ewige und beste Beispiel dafür.

Wenn du von Nischenzeitschriften mit einer klar definierten (und begrenzten) Zielgruppe sprechen willst, die sich praktisch nicht beliebig kopieren lassen (Brand Eins, Neon, Mare), dann bitte – aber davon war in deinem Beitrag nie die Rede. Die Landzeitschriften sind ein ganz anderes Genre, mit ganz anderen Anforderungen. „Landlust“ ist kein „Monopol“ (Doppeldeutigkeit gewollt),

Me-Toos sind ein gesunder Bestandteil des gesamten Marktes, vom Joghurt bis zur Krimiserie. Kritisieren darf man sie, wenn sie schlecht gemacht sind. Aber ihnen luftig eine „mangelnde Seele“ vorzuwerfen, ohne das irgendwie inhaltlich stützen zu können, finde ich dünn. Aus der „mangelnden Seele“ dann Voraussagen zu quetschen, die mit blanken Zahlen schon widerlegt sind – sorry.

by Torsten Dewi on 1. Juni 2010 at 14:13. #

Lieber Torsten Dewi, natürlich sichert Herzblut den Erfolg nicht, ich bin ja selber schon oft genug mit viel Herzblut gescheitert. Aber ich glaube, die notwendige Voraussetzung für echten, nachhaltigen Erfolg in dem übersättigten Medienmarkt hängt in Zukunft noch viel mehr als bisher davon ab, dass ein Produkt einem Leser eine echte Bereicherung bietet – und die lässt sich in unserem Markt noch viel schlechter imitieren als in anderen, wobei der angesprochene Joghurt kein schlechtes Beispiel ist, weil sich die meisten Nahrungsmittelproduzenten ja deswegen gegen die Ampelkennzeichnung stemmen, weil sie wissen, dass sie Scheiße verkaufen. Ihr Markt würde zusammenbrechen, wenn die Verbraucher die Wahrheit wüssten.
Wie gesagt: Ich kann nicht entscheiden, was du als Erfolg empfindet, und wenn es gelingen sollte, Landidee dauerhaft profitabel zu machen, dann freue ich mich. Wenn es Spaß macht noch viel mehr. Wir können ja nochmal sprechen, wenn das Heft ein paar Monate länger auf dem Markt ist, und dann gucken wir uns die Kurve an. Bisher kann man sagen: ein Sechstel der Auflage des Vorbildes. Da wird man auf mittlere Sicht anfangen müssen, deutlich billiger zu produzieren als die.

Was mich ärgert ist die Überheblichkeit den Bravo-Kollegen gegenüber: Eine Zeitschrift, die alle drei Jahre die komplette Leserschaft wechselt, wobei jede „Generation“ noch internataffiner ist als die vorhergehende, die dabei 40 Prozent des verfügbaren Einkommens des Durchschnittslesers kostet und dabei mehr als zwei Millionen Stück im Monat verkauft, die kann nicht schlecht gemacht sein. Da wäre ein bisschen Respekt vielleicht hilfreich.

Und zum Abschluss von meiner Seite: Du hast es genau richtig formuliert, Zielgruppen und Leserschaften lassen sich nicht beliebig kopieren, und Zeitschriften, die einen Zeitgeist genau treffen, deshalb auch nicht. Nirgends. Qualität ist der beste Kopierschutz. Und ich bin mir sicher, Überzeugung ist ein Qualitätsmerkmal.

by mikis on 1. Juni 2010 at 14:56. #

Dass Lena auch nächstes Jahr so authentisch ist wie dieses Jahr glaube ich gerne – totale Unglaubwürdigkeit lässt sich kaum verschlimmern.

Was bitte ist an einem 19jährigen Mädchen, dass sich um ins Fernsehen zu kommen vor der Kamera ausgezogen und in Gerichtshows mitgewirkt hat authentisch? Schlimmer noch, ein Mädchen, dass nicht durch Talent zur Musikerin geworden ist sondern durch die Marketingmaschinerie einer Casting-Show jetzt ein perfektes Kunstprodukt ist – inklusive falschem englischen Akzent und von Fremden zusammengeschusterten Liedern und Texten.

Unauthentischer geht es für mich kaum. Bei Lena ist doch nun wirklich alles eine einzige Inszenierung und dahinter steht nur Inhaltsleere.

by Winzer on 1. Juni 2010 at 14:58. #

Mikis, wir kommen da kaum zusammen – du definierst Erfolg so, wie du es für deine These brauchst. Ich kenne Zahlen und Kurven u.a. der „LandIdee“ – beides ist nach einem Jahr steilen Aufstiegs sehr wohl aussagekräftig.

Für mich sind viele deiner Thesen einfach nicht weitergedacht – vor allem bleibt die Frage, wieso Journalisten „wieder“ mehr in verlegerische Entscheidungen involviert sein sollten. Wo bleiben in der ganzen Konstruktion eigentlich die Blattmacher, also das relevante Bindeglied zwischen Journalist und Verleger? DA kommen nämlich die Konzepte her. Auch die „Landlust“ wurde nicht von Journalisten „erfunden“.

Lassen wir das einfach mal so stehen: Ich teile deine Meinung, dass sich Qualität durchsetzt oder kommerziell chancenreicher ist als durch Marktforschung getriebenes Zielgruppen-Marketing, nicht. Schön wär’s. Ich finde das schade, aber bis auf Ausnahmen findet das in der Medienwelt, wie ich sie wahrnehme, eben nicht statt. Und die mangelnde Präzision deiner Aussagen („Man könnte den Eindruck haben“, viel „offensichtlich“, „Es ist kein Geheimnis“, viel „hätte“, „muss kein Prophet sein“, „müsste das bedeuten“, etc.) ist für mich kein Zeichen von durchdachtem Wortjournalismus. Die schöne neue Welt anhand ein paar bequemer Beispiele herbeipredigen, das ist einfach. Nur dass die Wirklichkeit sich diesem Idealbild eben leider nicht beugt…

Thema Bravo nur kurz: Keine Zeitschrift lebt derart davon, kurzlebigen Themen hinterher zu hecheln, der Zielgruppe nach Mund und Geldbörse zu reden, und vor allem eins nicht zu tun – die Wahrheit zu berichten. So haben sie es in gerade mal 10+ Jahren immerhin von 1,4 Millionen auf 500.000 Auflage gebracht. Und was das „Sponsoring“ durch die Arbeitsagentur angeht, hat die Redaktion auch nicht gerade durch Integrität und journalistische Sauberkeit geglänzt.

Das Blatt ist in Zeiten von Facebook, ITunes und YouTube obsolet.

Und in der Tat: Jubelberichte über behauptete Romanzen von Vampirfilm-Hauptdarstellern fallen für mich nicht unter Journalismus. Das gehört eher hierher:
http://wortvogel.de/2008/10/klatsch-me-if-you-can/

Mag sein, dass Bravo-Redakteure sich davon angegriffen fühlen. Aber deshalb darf man trotzdem dieser Meinung sein, findest du nicht?

by Torsten Dewi on 1. Juni 2010 at 15:19. #

Ach ja, ganz vergessen: Wie bist du denn auf den Trichter gekommen, einfach die monatlichen Verkäufe der Bravo zusammen zu zählen, statt die tatsächlichen Verkäufe jeder Ausgabe? Das ist schon fast frech 😉

by Torsten Dewi on 1. Juni 2010 at 15:20. #

Lieber Torsten Dewi, im Gegenteil, eigentlich müsste man feststellen, dass die Bravo im Erscheinungszeitraum einer Landidee mehr als vier Millionen Hefte verkauft, und das für zusammengerechnet 11,20 Euro (wenn ich auf dem letzten Stand der Bravo-Preise bin, sonst noch mehr. Übrigens hat der durchschnittliche Leser in diesem Zeitraum ein verfügbares Einkommen von 24 Euro. Denen ist die Zeitschrift viel wert, ob du sie nun magst oder nicht. Ich erinnere mich noch ganz gut, wie wichtig Bravo mit 13 für mich war. Das würde ich gerne mal für einen Leser erreichen). Das ist viel und aller Ehren wert. Und die Arbeitsagentur ist erstens relativ schlau, wenn sie Jugendliche da anspricht, wo sie sind (und das Sponsoring war darüber hinaus überdeutlich gekennzeichnet) und hat sich zweitens selbst darüber beschwert, dass sie keinen redaktionellen Einfluss nehmen konnten. Daraus Kritik an Bravo abzuleiten ist albern. Und dass die Zeitschrift gerade in Zeiten von Youtube und Facebook solche Zahlen erreicht, spricht eher für als gegen sie, oder?

Frech ist nebenbei eher, zu behaupten, eine Landzeitschrift hätte eine universellere Zielgruppe als eine für junge Leute, eine über Wirtschaft oder eine über das Meer. Woher kommt die Annahme?

Und: Ich bin von Beruf auch Blattmacher und betrachte das als urjournalistisch.

Die Zahlen für Landidee liegen für das erste Quartal 2010 IVW-geprüft vor. Das sind dann wohl anderthalb bis zwei Ausgaben. Wo da die aussagekräftige Kurve herkommt, bleibt mir verborgen.

Aber das soll es jetzt auch gewesen sein: Ich sehe ein, dass wir da nicht zusammenkommen, und wir werden damit leben müssen. Aber das kriegen wir hin, oder?

by mikis on 1. Juni 2010 at 16:14. #

@Thorsten: „Zwar hat LML z.B. mit der BILD nicht gesprochen, BILD hat aber trotzdem für Lena getrommelt. Die Frage wäre also: Wie hätte LML abgeschnitten, wenn sie von BILD und RTL konsequent ignoriert worden wäre wie seinerzeit Max Mutzke – Platz 8 in Istanbul?“

Bild hat erst nach dem deutschen Vorentscheid dezent angefangen zu trommeln (wobei selbst das noch 2 Wochen vorher eher niederschreiben wahr). Ich befürchte auch das in Estland kein Este seine Entscheidung auf irgendeinen BILD-Artikel oder RTL-Bericht gestützt hat.
Die Antwort lautet also: Genau da wo sie gelandet ist, es war für den Ausgang der Veranstaltung vollkommen Wumpe was einheimische Medien senden oder nicht.

by Jochen on 1. Juni 2010 at 16:37. #

@Torsten Dewi: Sorry, sorry, sorry, dein letzter Kommentar ist im Spam-Ordner gelandet, ich habe versucht, ihn von dort aus freizuschalten und dann war er verschwunden. Ich habe keine Ahnung, wieso.

For the record: Klar, ich ahnte, dass du die Zahlen von Landidee besser kennst als ich, und ich hoffe, dass sie großartig sind und immer nur besser werden. Und, wie gesagt, mehr Herzblut als du allein hier beweist, kann man auch schwer investieren. Frech wie ich bin nehme ich das dann nächstes Jahr als Beleg für meine These …

by mikis on 1. Juni 2010 at 16:43. #

Kein Problem – hier ist der Kommentar nochmal:

Mikis, sicher kriegen wir das hin. In der Sache hart, zur Person butterweich.

Die Zahlen für die LandIdee habe ich – ich arbeite ja schließlich da. Sonst würde ich sowas auch nicht behaupten.

Und nun muss ich wieder an die Arbeit – auch ein Me-Too-Produkt schreibt sich nicht von selbst (ab). (<- Scherz, ich sag's mal lieber dazu)

Gute Diskussion!

by Torsten Dewi on 1. Juni 2010 at 16:50. #

@Winzer: Mir geht dieses Gerede von Mediengeilheit auf Grund schlechter RTL-Dokusoaps und Gerichtsshows sowas von auf den Keks. Alleine bei „vor der Kamera ausgezogen“ schlag ich die Hände überm Kopf zusammen. Sie hat weder gestrippt noch nen Porno gedreht noch sonst irgendwas in der Art. Es war in einem kurzen Moment ihre Brust zu sehen, wahrscheinlich war das nicht mal so vom Produktionsteam geplant. Aber hey, RTL sind nun mal die letzten die wegen so etwas eine Szene noch mal drehen würden.

Desweiteren kenne ich aus meinem Bekanntenkreis eine handvoll Leute die bei Alexander Hold, Barbara Salesch und Co waren. Das hat nichts aber auch gar nichts mit Mediengeilheit zu tun. Man bekommt als Zeuge in einer Gerichtsshow für schlechte Schauspielerei kein schlechtes Geld. Anschließend wird im Freundeskreis darüber gelacht und man hört den Geschichten zu, die die Person davon zu erzählen hat.
Wenn man es dann aber nicht ganz schlecht gemacht hat und auch noch vom Aussehen in eine andere Sendung passt, spuckt dich die Agentursuchmaschine halt aus und du kriegst das entsprechende Angebot für irgendeine andere schlechte Sendung.
Wird man deshalb bekannt? Nein!
Wird man deshalb berühmt? Nein!
Es ist in ihrem Fall einfach nur ein Schülerjob gewesen, bei dem man für wenig Aufwand vernünftiges Geld bekommt.

Und zu guter letzt wurde bei USFO, im Gegensatz zu DSDS, den Kandidaten so ziemlich alles selbst überlassen, von den Outfits über die Liedauswahl bis hin zu der Interpretation der Stücke. USFO hat den bayrischen Fernsehpreis eben deshalb bekommen, weil es eben nicht die typische Casting-Krawall-Show war, sondern ein ernstzunehmender Gesangscontest. Dass im Anschluss daran die Vermarktungsmaschinerie auf Hochtouren läuft ist doch selbstverständlich. Alles was davor bereits in den Zeitungen über Lena stand, dass sie bereits nach der Vorrunde in manchen Blogs/Zeitungen/etc. zum Sieger erklärt wurde, hat nunmal ausschließlich mit der vom Textersteller bereits ausführlich beschriebenen Authenzität zu tun.

by Woddi on 1. Juni 2010 at 20:49. #

Wer LML ernsthaft für authentisch hält, glaubt auch daran, dass Jauch der schlauste Deutsche ist, weil er ja alle Antworten auf die Millionenfragen weiss.
Sorry, wer im Medienbetrieb arbeitet muss doch wissen, dass das alles (!) inszeniert ist. Man muss Stefan Raab dafür gratulieren, dass er es geschafft hat, LML so zu inszenieren. Und die doofen Medien dafür schelten, dass sie stumpfsinnig direkt in die Falle gelaufen sind, die Raab (mit Lena) ihnen gestellt hat.
Aufwachen Freunde, wir leben in einer Welt, in der eine Frau Katzenberger über rote Teppiche läuft.

by floham on 2. Juni 2010 at 00:43. #

Ich weiß nicht, ob ihr euch erinnert wie ihr mit Ende 18/Anfang 19 wart… aber in dem Alter sich verstellen und eine andere Persönlichkeit zu schauspielern, das klappt vielleicht einen coolen Disco-Abend, aber nicht auf mehrere Monate. Wenn man mit Ockhams Messer schneidet ist es wahrscheinlicher, dass LML tatsächlich so ist wie sie nunmal rüberkommt. Von einem Mitschüler gibts dann den schönen Satz „Die ist so, die war schon mit 15 in der Schul-Jazz-Band eine Bühnensau“.

by T on 2. Juni 2010 at 01:30. #

Stefan Raab ist ein verdammt ausgefuchster Medienprofi. Dafür ist „Lena“ nur der letzte Beweis.

Die Aufregung um die Nacktaufnahmen habe ich auch nicht verstanden: Natürlich ziehen sich bestimmte Mädels aus. Erst, wenn sie bekannt werden wollen, und dann wieder, wenn das mit der Popularität nicht mehr so klappt. Ob sie das nun „künstlerisch“ nennen, weil frau es für den Playboy macht, oder „nur eine Rolle“ bei RTL, oder „ich bin eigentlich Schauspielerin“ im Strip-Club in Vegas, ist doch egal.

Das eigentlich bezeichnende ist aber doch die bloße Teilnahme an einer „Doku-Soap“. Man muß schon eine gewisse Affinität zur medialen Prostitution mitbringen, um bei sowas mitzumachen. Ich käme jedenfalls nicht auf so eine Idee. Spontan fällt mir auch niemand ein, der es täte – die meisten schließen sich doch mehr oder minder bewußt Harald Schmidts Klassifizierung dieses Sendeformates an und halten Abstand. Man spielt nicht mit Schmuddelkindern.

Und als unsere Lena gemerkt hat, daß das mit der großen Karriere so nicht klappt, hat sie sich halt für den Grand Prix beworben mit ihrem kermithaften Froschstimmchen und ihren verschluckten Vers-Enden. Da hat sie offenbar zur richtigen Zeit ihren Markt gefunden. Und Glück hat ja nichts mit Authentizität zu tun.

by hiro on 2. Juni 2010 at 08:41. #

Das eigentliche mediale Wunder in Sachen Lena ist die Tatsache, dass sie es ohne die Erpresserbande von Bild und RTL geschafft hat, denen von Anfang an konsequent den Finger gezeigt hat, etwa so: http://www.stefan-niggemeier.de/blog/lena-und-die-noeoeoeoeoeoete-von-rtl/?utm_source=feedburner&utm_medium=feed&utm_campaign=Feed%3A+StefanNiggemeier+%28Stefan+Niggemeier%29
Allein diese Erkenntnis ist schon unbezahlbar, man muss Lena und Raab gar nicht gut finden, um das gut zu finden.
@Mikis: Du bist doch unter anderem ein zeitschriftlicher Unterhaltungsexperte, soweit ich weiß. Mach ein Konzept für eine Zeitschrift, nenn sie Lena, wende durchweg das Prinzip „anders kann auch toll sein“ sowie wie oben von Dir beschrieben. Wenn das Blatt echt ist, wird es Erfolg haben. Die Idee schenke ich Dir.

by jokahl on 2. Juni 2010 at 14:07. #

Herr Dewi, Sie können ganz schön nerven. Wir haben es jetzt begriffen, dass Sie unter anderem für ein „Plagiat“ der „Landlust“ schreiben.
Angeblich sind Sie auch Autor bei einem „Schmuddelblatt“, das sich „TV Sünde“ nennt. Immerhin haben Sie am Drehbuch von „Dr. Hope“ mitgewirkt. Auch da gab es „Plagiatsvorwürfe“.

by Ziss on 2. Juni 2010 at 19:12. #

Lieber Ziss, ich nehme an, dieser Kommentar soll meiner Verteidigung dienen, und dafür bedanke ich mich. Aber ich finde den Ton nicht gut. Der Kollege Dewi hat hier eine gute, saubere Debatte geführt, und darum geht es schließlich.

by mikis on 2. Juni 2010 at 19:16. #

ZDFonline Eindeutige Meinung unserer Follower: #Lena sollte nächstes Jahr nicht mehr antreten. Mal sehen was noch kommt, die nächsten Monate… #esc

by vera on 3. Juni 2010 at 00:22. #

[…] Das Lena-Prinzip (print würgt) Tatsächlich wird in unseren Verlagshäusern aber immer noch mehr darüber nachgedacht, welche Inhalte man aufs iPad packen kann, als darüber, welche Inhalte Menschen haben wollen. Ganz so, als wäre das Medium immer noch die Botschaft. Dabei lautet das Lena-Prinzip: Wenn man an die Botschaft glaubt, dann kann man es sich sogar leisten, manche unverzichtbar wirkende Medien komplett zu ignorieren (tags: twitthis cfischercom) […]

by links for 2010-06-03 « just another weblog on 4. Juni 2010 at 01:02. #

Guter Post, aber vor allem: SUPER Diskussion zwischen euch beiden, Mikis und Thorsten! Spitzenklasse!

Thorsten legt nämlich genau den Finger in die Wunde: natürlich möchten wir alle glauben:

Authentizität = Erfolg

Aber ist das wirklich die Formel? Klar, wäre schön, vorallem für leidenschaftliche Journalisten (wie Mikis nun zweifelsohne einer ist), leidenschaftliche Musiker, leidenschaftliche Politiker…

Vielleicht ist die weniger glamuröse Wahrheit halt eher eine aus dem Marketing: Nachfrage, Zeitqualität, Alleinstellungsmerkmale und Marktvolumen bestimmen den Erfolg.

Beispiel Lena: ich finde die prima, kommt auch authentisch rüber, aber vor allem: es gab ein Bedürfnis sprich Nachfrage nach einer wie Lena in Deutschland. Nachdem bei DSDS unter Bohlen die Unterschicht den sozialen Aufstieg übt, gab es genau so ein Bedürfnis, einen netten sympathischer Mittelschicht-Sänger/Sängerin in einer skandalfreien etwas betuhlichen Castingshow zu finden, um ihn/sie für den ebenfalls etwas betuhlichen Grand Prix ins Rennen zu schicken.

Das hat Raab professionell erkannt, und mit Lena den absoluten Volltreffer gelandet. Und offensichtlich gabs bei unseren europäischen Nachbarn gerade auch so eine Nachfrage-Lücke.

Der enorme Erfolg von „Landlust“ zeigt deshalb zunächst mal: Es gab/ gibt eine hohe Nachfrage nach so einer Zeitschrift. Und die großen Verlage haben diese Nachfrage nicht erkannt, deshalb hat ein kleiner Verlag hier eine starke Marke aufbauen können (ganz nebenbei: vielleicht ist der Markt auch durch RTLs Bauer sucht Frau erstmal richtig aufgeblasen worden ohne dass das so jemand wollte bzw. geplant hat).

Ist der Landlust-Erfolg also wirklich mit der fantastischen Produktqualität oder auch – Authentizität zu erklären, oder vielmehr mit der simplen Tatsache, dass es keine Alternativen für die Zielgruppe gab?

Dass die seit einem Jahr massiv auf den Markt drängenden mee-too-Produkte nun nicht sofort die Auflage der Landlust erreichen können, ist ja klar, selbst wenn – hypothetisch – Thorsten Dewis „LandIdee“ ein deutlich besseres Produkt wäre als die „Landlust“, würde es ja dauern, bis sich das bei den „Landlust“-Lesern rumgesprochen hätte. Denn Medienkonsumenten habe ja generell eine hohe Markentreue (anders als beim Jogurt).

@Mikis: Wenn du es dir zutraust, eine „Landlust“ einer „LandIdee“ – oder anderem Copycat gegenüber zu stellen, und in einem Artikel mal zu analysieren: an diesen Stellen sieht man, dass das hier das – leidenschaftliche/authentische/ „mit-Seele“ – Original ist, hier und hier erkennt man die Kopie, und das erkennt auch der Leser und vertraut dem Copycat deshalb weniger – also das wäre ein spannender Artikel.

Aber vermutlich geht das halt nicht so einfach – sonst wäre erfolgreiches Blattmachen ja nicht so schwierig.

by Matthias on 4. Juni 2010 at 02:39. #

Gerade LML ist das beste Beispiel für eine total UNauthentische Person, die versucht auf Biegen und Brechen aus der Masse herauszustechen. Nicht umsonst sind ja laut diversen Interviews sogar ihre Bekannten von dem plötzlichen Wandel so erstaunt (und das will ich mal nicht nur auf Neider schieben).

Immerhin ist LML nicht nur Lena, sondern ein Gemisch vieler in den letzten Jahren erfolgreicher Sängerinnen (sei es Uffie, oder sonstwer – sie kopiert ja nicht nur die Art sich zu geben, sondern auch den Gesang – der ja nichts dolles ist).

Aber eins ist sie ganz sicher nicht: originell, oder gar authentisch. Allerdings ist sie, im Gegensatz zu ihren ersten – gescheiterten – Versuchen (diverse Serien wie K11) in die Medien zu kommen, eine etwas bessere Schauspielerin geworden. Mich überzeugt das aber noch immer nicht, eventuell auch weil ich ihr nicht so viele Jahre voraus bin und ähnliche Personen aus meinem Bekanntenkreis kenne, wo man nicht andauernd wärend dem Gespräch bemerkt, dass sie drohen aus ihrer Rolle zu fallen.

Das ist bei Lena oft der Fall, merkt man auch, wenn sie lange überlegt nur um wieder irgendeine blöde Antwort zu geben. Das ist weder spontan, noch natürlich – gut durchdacht, gestellt und klever ausgenutzt schon eher.

Nicht falsch verstehen, sie ist ja eine nette Süße und ich freue mich auch für sie, aber sie hier als Reinkarnation der Authentizität zu bezeichnen grenzt ja fast schon an Hohn. Dafür gibt es einfach zu viele Lenas, die vorallem auch schon vor 5 Jahren präsent waren.

Zu der Geschichte mit den Magazinen kann ich nicht so viel sagen, da ich auf dem Gebiet nicht so bewandert bin. Aus eigener (Konsumenten-)Erfahrung kann ich aber Torsten insofern zustimmen, dass die erfolgreichen und auflagestarken Magazine bei weitem nicht immer die besten sind – idR ist es sogar umgekehrt, vorallem im Bereich Film, Heimkino, Gaming und IT. Hier sind gerade die alten, auflagestarken Magazine so ziemlich überholt und verkaufen sich wohl in erster Linie wegen ihren Namen – nicht aber wegen der Qualität und schon garnicht wegen einer ‚Seele‘.

by Schlynch on 4. Juni 2010 at 10:27. #

Nur zum letzten Absatz: Was heißt „verkauft sich wegen des Namens“? Das ist ein Nichtargument. Wenn Menschen eine Zeitschrift über Jahrzehnte kaufen, dann kann man dich nicht sagen, wegen des Namens. Sondern deshalb, weil sie sich an ihr Produkt gewöhnt haben. Daran ist nichts falsch, es spricht für ein gutes Zeitschriftenformat. Und es hat mit der Diskussion, die hier geführt wird, nichts zu tun.

by mikis on 4. Juni 2010 at 11:36. #

Man muss sagen, dass das hier eine Diskussion auf zum großen Teil wirklich hohen Niveau ist. Hut ab an alle und vor allen Dingen an den Hausherren, der sich die Zeit und Mühe für Antwort an alle nimmt! Ehrlich, mikis, das ist schon eine gute Sache, die Du hier machst. Mich wundert, dass mittlerweile nicht schon viel mehr Medienmenschen hier reinschauen. Irgendwie von den (vermuteten) Besuchen und Kommentaren nach wie vor unterbewertet, die Sache. Naja, wird sicher noch, noch mehr.

by jokahl on 9. Juni 2010 at 23:09. #

Es sei mir erlaubt, als Nachtrag auf die neuen IVW-Zahlen zu verweisen, die den weiteren (verdienten und erwarteten) Erfolg der Landlust belegen, aber eben auch den davon nicht abhängigen erfreulichen Erfolg der LandIdee:
http://meedia.de/nc/details-topstory/article/ivw–landlust-knackt-auch-700000er-marke_100029110.html

by Torsten Dewi on 14. Juli 2010 at 12:57. #

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