Fakt ist

Der für mich erstaunlich interessante neue SpOn-Kolumnist Wolfgang Münchau beschreibt in seinem aktuellen Text die Mythen der Schuldenkrise, die dazu führen, dass die Politik die Flaschen Schlüsse zieht (nämlich dass Staatsverschuldung an der Krise schuld ist und dass die Hyperinflation vor fast 90 Jahren uns eine Lehre sein sollte).

Noch erstaunlicher finde ich allerdings, dass man (auch aber nicht nur infolge dieser Mythen) in Deutschland immer noch behaupten darf, dieser Krise könnte man mit „Sparen“ begegnen – ausgerechnet in dem Land, das deswegen relativ gut durch die Weltfinanzkrise gekommen ist, weil man zum Beispiel mit Konjunkturpaketen und Kurzarbeit jede Menge Geld ausgegeben und eben gar nicht gespart hat. Es sind, im Gegenteil, Anreize geschaffen worden, fahrtüchtige Autos zu verschrotten und neue zu kaufen – wenn Sparen in Krisenzeiten eine gute Option wäre, dann hätte die selbe Kanzlerin, die das heute von allen außer sich selbst fordert, damals zu Staub zerfallen müssen wie ein Vampir an der Sonne.

Am schönsten demonstriert die offensichtlich mit der Realität nicht einmal mehr korrelierende Gemütslage allerdings der Mythen- und Sagenfachdienst Bild.de, der heute schreibt:

Fakt ist aber auch: Der in Jahrzehnten aufgehäufte deutsche Schuldenberg von über zwei Billionen Euro hat eine Höhe von über 80 Prozent der jährlichen deutschen Wirtschaftsleistung (Bruttoinlandsprodukt BIP).
Das ist zwar besser als in den allermeisten anderen Euro-Ländern, liegt aber weit über der in der EU eigentlich erlaubten Gesamtverschuldung von 60 Prozent des BIP.

Nun kann man vielleicht über die Definition von „allermeisten“ ein bisschen streiten, aber Fakt ist trotzdem ganz eindeutig etwas anderes: Von 17 Euro-Ländern haben gerade einmal fünf eine höhere Verschuldung (im Verhältnis zu ihrem BIP) als Deutschland, und Deutschland ist gerade dabei, in einer Zeit sprudelnder Mehreinnahmen seine Verschuldung noch zu erhöhen.

Es ist irre, wie man vor einen Satz, dessen Wahrheitsgehalt man höchstens irgendwie so fühlt, ausgerechnet „Fakt ist“ schreiben kann. Es wird allerdings die Realität nur bedingt aufhalten.

2 Antworten auf „Fakt ist“

  1. Solange das Geld noch unverstanden war, durfte das arbeitende Volk die daraus resultierende systemische Ungerechtigkeit (Erbsünde = Privatkapitalismus) nicht verstehen, und das ist der Religion bis heute gelungen! Alle noch nicht aus dem geistigen Tod der Religion auferstandenen Menschen wundern sich, warum die Geldvermögen und Schulden ins Uferlose wachsen,…

    http://www.helmut-creutz.de/pdf/grafiken/034-043b_creutz.pdf

    …warum die Schere zwischen reich und arm – sowohl innerhalb der Nationalstaaten als auch zwischen den Staaten – sich immer weiter öffnet,…

    http://www.helmut-creutz.de/pdf/grafiken/T7_Zinsumverteilungs-Ermittlung_2007.pdf

    …und können sich nicht vorstellen, dass eine einfache Korrektur der seit jeher fehlerhaften Geldfunktion (sowie eine Korrektur der aus der Antike übernommenen Bodenordnung)…

    http://www.helmut-creutz.de/pdf/grafiken/087b_creutz.pdf

    …zu ganz anderen Verhältnissen führt,…

    http://www.deweles.de/files/wahre_naechstenliebe.pdf

    …die allgemeinen Wohlstand auf höchstem technologischem Niveau, eine saubere Umwelt und den Weltfrieden selbstverständlich und die menschliche Dummheit (Politik und Religion) überflüssig machen:

    http://opium-des-volkes.blogspot.com/2011/11/der-baum-des-lebens.html

  2. Vielleicht sollten Sie es im Interesse Ihres seelischen Gleichgewichtes künftig unterlassen, die Bildzeitung zu lesen.

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