Klickt euch doch selbst!

26. November 2009

Der Chef-Lobbyist des Axel-Springer-Verlages, Christoph Keese, erklärt in einem Interview mit dem Fachmagazin Promedia (hier online auf Carta) die Position der Verleger zu Google und dem geplanten Leistungsschutzrecht noch einmal in geschliffenen Sätzen. Seine Vorschläge laufen auf so etwas wie eine Journalismus-Flatrate im Internet hinaus, die der Provider einsammelt und die dann nach je nach Nutzung unter den Verlagen verteilt wird (was nach meiner laienhaften Vorstellung auch bedeuten würde, die Verlage müssten die Besuche ihrer Seite speichern und die Daten mit denen der Provider abgleichen, um die Abrechnungen zu kontrollieren, oder nicht? Denn spätestens bei einer Uneinigkeit über die Zahl der zu vergütenden Nutzer hätte man doch ohne diese Daten ein Beweisproblem. Da muss man doch sagen können, Manni und Kurt waren aber auch da und haben gelesen, also her mit deren Klickgeld!).
Nicht ganz klar sagt er, ob er die Flatrate von jedem Nutzer einsammeln will oder von den Providern erwartet, dass Menschen die zwar ins Internet gehen wollen aber nicht auf die Seiten deutscher Presseverlage von diesen Seiten ausgeschlossen werden – wir hätten also die Wahl zwischen einer Zwangsabgabe oder einer neuen Stoppschild-Arie, nur dass sie dann wirklich stoppt.
Es bleibt also dabei: In Wahrheit ist keiner dieser Wege sinnvoll oder gangbar, zumindest nicht ohne das Internet im Kern zu verändern, indem man jeder Information eine sich selbst durchsetzende Copyright-Information anhängt wie einem Auftragsvideo der Impossible Mission Force. Oder so. Und das weiß man natürlich auch im Axel-Springer-Verlag. Wenn Außenminister Keese trotzdem auf großer Roadshow dieselben längst widerlegten Argumente wieder und wieder auftischt, dann deshalb, weil es wirken soll, als hätten die Verlage über die Beteiligung an den Google-Einnahmen hinaus einen Plan. Was wohl eher nicht der Fall ist.
Das eigentliche Argument, das Keese hinter einer Menge (irre gut formulierter) Nebelsätze verbirgt ist die Botschaft, die wir lernen sollen: Google ist riesig und Google ist mächtig und deshalb soll Google zahlen. Dass dieses Argument ausgerechnet aus dem Axel-Springer-Verlag kommt ist lustig, aber die Belustigung darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Verlag mit seiner Argumentation ja immerhin so weit Erfolg hatte, dass die neue Regierung dieses so genannte Leistungsschutzrecht in den Koalitionsvertrag geschrieben hat.

Teilen

1 Kommentar

Diese Zwangsabgabe, so wie hier beschireben, klingt ganz danach, das Internet komplett dicht zu machen. Die Printmedien meckern doch die ganze Zeit schon, wie böse die kostenlos im Internet verteilte Information für die Pressefreiheit ist.
Wenn sie damit mal nur nicht bloß ihr eigenes Angebot aus der Öffentlichkeit entfernen.

by Claudia Thur on 27. November 2009 at 11:55. #

Leave your comment

Required.

Required. Not published.

If you have one.



%d Bloggern gefällt das: